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Lübeck Die Häkelkünstlerin: Wie eine Lübecker Schülerin ihr Fahrrad umgarnt
Lokales Lübeck Die Häkelkünstlerin: Wie eine Lübecker Schülerin ihr Fahrrad umgarnt
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16:40 14.06.2019
Anna Scheel (14) kniet in ihrem Zimmer hinter dem Häkelrad. Am Sonnabend stellt sie ihre Projektarbeit in der Waldorfschule vor. Quelle: Cosima Künzel
St. Gertrud

Ein Jahr Arbeit, vier Kilometer Garn und Tausende Häkelmaschen. So ist das Kunstwerk von Anna Scheel (14) entstanden. Die Schülerin der Waldorfschule hat für eine Projektarbeit ihr komplettes Fahrrad umhäkelt. Sattel, Klingel, Rahmen und Reifen sind nun bunt verkleidet.

72 Streifen für die Speichen

„Ich habe mit dem Sattel angefangen und immer dort weitergemacht, wo ich gerade Lust hatte“, sagt die Lübeckerin. Damit alles passt, hat sie vorher am Fahrrad exakt die Maße genommen. Für die Speichen sind so beispielsweise 72 lange, schmale Streifen entstanden. Diese musste sie, wie alle anderen Teile später auch, per Hand annähen. Nur für die Schutzbleche hat sie Klebstoff verwendet.

Für die Speichen hat sie 72 lange, schmale Streifen angefertigt und festgenäht. Quelle: Cosima Künzel

Während Anna ihre Zeit mit Luftmaschen, Stäbchen und festen Maschen verbrachte, haben Mitschüler ein Hochbett gebaut, ein Musikalbum aufgenommen, Porträts gezeichnet und vieles mehr. „Die Idee hinter der ,Achtklassarbeit‘ ist“, sagt sie, „dass wir uns eine Sache aussuchen, die wir gut können, die uns Freude macht und diese ein Jahr lang verfolgen.“

Anna Scheel hat für ein Schulprojekt ihr Fahrrad umhäkelt. Damit war die 14-jährige ein Jahr beschäftigt.

Neben dem praktischen Teil gibt es auch einen schriftlichen Teil und eine Präsentation. Anna stellt ihr „Häkelrad“ am Sonnabend vor. „Ich weiß nur noch nicht, wie ich es in die Schule bekommen soll“, meint sie lachend, „fahren kann es ja nicht mehr.“

Was ist „Guerilla Knitting“?

Für den schriftlichen Teil hat sie eine Mappe mit Tagebucheinträgen, Zeichnungen, Fotos, und Maßtabelle angelegt. 54 Seiten, die den Weg aufzeigen vorm Sperrmüllrad zum Kunstobjekt, das unter dem Stichwort „Guerilla Knitting“ („Guerilla-Stricken“) angesiedelt werden kann. Auch darüber hat Anna in ihrem Rechercheteil geschrieben. „Guerilla Knitting ist eine Form von Street-Art, bei der Dinge im öffentlichen Raum durch das Umstricken oder Umhäkeln verändert werden.“ Etwa Bäume, Laternen oder Sitzbänke. Mal werden Accessoires angebracht, mal der ganze Gegenstand umarbeitet.

Der Ordner über das Häkelrad hat 54 Seiten. Er umfasst Zeichnungen, Fotos, Maßtabellen und Tagebucheinträge. Quelle: Cosima Künzel

Den Anfang machten vor gut zehn Jahren Stars wie Sarah Jessica Parker, Julia Roberts und Madonna. Sie entwickelten einen neuen Handarbeitstrend, und in New York oder Paris wurde plötzlich kollektiv gestrickt. So kam „Guerilla Knitting“ auch nach Deutschland. In Lübeck tauchten die Strick-Guerillas etwa 2011 erstmals auf. Mal ging es nur um Verschönerung, mal um politische Aussagen. Für Anna geht es um die Freude an der Tätigkeit.

Die Räder waren besonders schwierig

„Ich liebe häkeln und stricken“, sagt die 14-Jährige, die jede Woche mehrere Stunden an ihrem Häkelrad gearbeitet hat, auch mit zeitweiser Sehnenscheidenentzündung. Gesellschaft leistete ihr Kater „Paulchen“ und Romanfigur Harry Potter. „Ich habe in dem einen Jahr alle CDs drei Mal durchgehört.“ Besonders aufwendig am Projekt waren die Räder. „Die haben mir Nerven geraubt, weil die Häkelstücke plötzlich viel länger waren, als ich geplant hatte.“ Ein Teil hat sie einfach abgeschnitten, das andere aufgeribbelt.

Schöne Farbverläufe für Griff und Bremse. Die Klingel ist eine Blume. Quelle: Cosima Künzel

Doch wenn Anna zurückschaut, würde sie „alles genau so wieder machen“. „Ich habe nicht ein Mal ans Aufgeben gedacht“, sagt die Achtklässlerin, „auch nicht, als es zum Ende hin etwas stressig wurde.“ Inzwischen hat sie längst neue Projekte auf der Nadel. „Gerade mache ich ein Kleidchen für meine kleine Schwester.“

Cosima Künzel

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