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Lübeck Lübeck: Politik lässt Schwimmhallen-Neubau prüfen
Lokales Lübeck Lübeck: Politik lässt Schwimmhallen-Neubau prüfen
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06:00 23.09.2019
Das 1974 eröffnete Sportbad in der Ziegelstraße muss umfangreich saniert und modernisiert werden, was voraussichtlich 12,9 Millionen Euro kosten wird. Quelle: LN-Archiv
St Lorenz Nord

Gutachter des Hamburger Architekturbüros Geising & Böker haben den Lübecker Sportpolitikern ein Konzept für die Sanierung und Modernisierung des Hallenbades in der Ziegelstraße vorgelegt. Sportbad plus würde 12,9 Millionen Euro kosten. Björn Hoppe, Direktor der Lübecker Schwimmbäder, erhoffte sich von den Politikern ein Signal, ob er weiter planen soll. Das Signal bekam er – und zwei weitere Aufträge dazu.

Sanierung oder Neubau?

Hoppe und seine Hamburger Gutachter sollen auch zwei Neubau-Varianten durchrechnen – einen Neubau des Hallenbades an der gleichen Stelle sowie einen Abriss des Sportbades und den Neubau auf einem anderen Grundstück, aber in der Umgebung. „Die Frage Neubau oder Sanierung muss geklärt werden“, sagte Jörn Puhle (SPD). Und zwar recht schnell, forderte Dagmar Hildebrand (CDU): „Wir müssen Druck in die Sache bringen, wir wollen endlich bauen.“

Frage der Zeit, bis die Technik kollabiert

Das 45 Jahre alte Sportbad, das rund 180 000 Besucher im Jahr zählt, muss dringend saniert werden. Zuletzt sorgte ein Rohrbuch dafür, dass das Bad kurzzeitig geschlossen werden musste. Allen Verantwortlichen ist aber seit Jahren klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die überalterte Technik vollständig kollabiert. Das bestätigten die Gutachter. Bei einem größeren Störfall würden Reparaturen nicht mehr reichen: „Dann müssen Sie bauen.“

Ein Neubau würde noch deutlich teurer als die knapp 13 Millionen Euro, die eine Sanierung verschlingt. Weiteres Problem: Für eine Sanierung muss das Hallenbad neun Monate lang geschlossen werden. Bei einem Abriss und Neubau an gleicher Stelle würde die Schließung volle 22 Monate dauern. Bei einem Neubau an anderer Stelle ginge es ohne Schließung. „Ich habe keine Vorstellung, wo ein städtisches Grundstück in der Umgebung liegen soll“, benannte Werkleiter Hoppe das größte Problem.

Schulsportbeauftragter fordert zweites Lehrschwimmbecken

Der Schulsportbeauftragte Holger Bull hält einen Neubau für sinnvoll: „Für die Übergangszeit könnte man eine Traglufthalle auf das Schwimmbecken des Freibades Moisling stellen.“ Auch das hat Hoppe durchgerechnet: „Die Miete für eine Traglufthalle für mehrere Monate kostet 250 000 Euro, der Kauf 450 000.“ Sportler und Schüler, die dieses Provisorium nutzen wollten, müssten zudem hart im Nehmen sein. Denn von der Traglufthalle zu den Duschen müssten die Schwimmer durchs Freie laufen. Hoppe: „Das wird schwierig im Winter.“

Schwimmbecken soll mit Edelstahl ausgekleidet werden

Die Hamburger Architekten, die zahlreiche Schwimmbäder in der Republik gebaut haben, legten den Sportpolitikern Details eines Umbaus und der Sanierung vor. So sollen der Sanitärtrakt und die Technik komplett erneuert werden. Das Schwimmbecken soll mit Edelstahl ausgekleidet und die Brücke, die das 50-Meter-Becken in 25-Meter-Bahnen trennt, erneuert werden. Die Sauna soll aufgegeben und durch einen kleinen Außenbereich ersetzt werden.

182 000 Besucher

2018 zählte das Sportbad in der Ziegelstraße 182 000 Besucher. Über 55 000 kamen aus den Schwimmvereinen, weitere 47 000 aus den Schulen. Knapp 80 000 Freizeitschwimmer zählte das Hallenbad.

Mit dem Konzept Sportbad Plus soll die Anlage nicht einfach nur saniert und modernisiert werden. Es geht auch um eine zukunftsfähige Ausrichtung der Schwimmhalle, ohne Vereinssportler und den Schulsport einzuschränken.

Die Politiker stehen jetzt vor der Entscheidung, ob sie knapp 13 Millionen Euro in ein 45 Jahre altes Bad pumpen oder gleich neu bauen. Nach Aussage der Hamburger Gutachter kostet allein ein Hallenbad mit acht Bahnen von je 50 Metern Länge ohne weitere Angebote deutlich mehr als 15 Millionen Euro.

Die Gutachter schlagen einen Kinderbereich mit Becken, gummiertem Boden, Spielgeräten und Spritzdüsen vor. „Wir erleben täglich, das Kinder ins Schwimmbad kommen, die noch in einem Hallenbad waren“, sagte Werkleiter Hoppe, „das ist kein Wunder, denn in keinem unserer Hallenbäder gibt es bisher einen Kinderbereich.“ Die Politiker wollen ein zweites Lehrschwimmbecken. „Das brauchen wir dringend“, bestätigte der Schulsportbeauftragte Bull, das vorhandene Lehrschwimmbecken reiche nicht für die vielen Schüler aus, die in der Ziegelstraße das Schwimmen erlernen.

Nach Sanierung oder bei einem Neubau wäre das Hallenbad komplett barrierefrei, versicherten die Gutachter. Die Sanierung könne aber erst im Juni 2022 abgeschlossen sein, wenn die Stadt innerhalb der nächsten Monate den Auftrag erteilt. So schnell wird das wohl nichts. Nach LN-Informationen wird im Senat gebremst. Aus einer Beschlussvorlage für die Sportpolitiker wurde ein Bericht. Und die Prüfung, ob nicht auch ein Neubau in Frage kommt, wird nicht vor Jahresende abgeschlossen sein.

Von Kai Dordowsky