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Lübeck Besserer Busverkehr: Senioren machen Druck
Lokales Lübeck Besserer Busverkehr: Senioren machen Druck
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11:59 06.10.2018
Der Vorstand des Seniorenbeirats, v. l: Bruno Böhm, Götz Gebert, Margret Wulf-Wichmann und Manfred Bergmann an einer Bushaltestelle auf dem Gustav-Radbruch-Platz. Quelle: Foto: Felix König/Agentur 54°
Lübeck

Das hat es in den 25 Jahren, seit der Seniorenbeirat für die Anliegen der über 60-jährigen Lübecker kämpft, noch nicht gegeben. Das Gremium setzt Politik und Verwaltung unter Druck, fordert massive Verbesserungen im Busverkehr, erhebt die Stimme in den politischen Gremien und geht an die Öffentlichkeit. Dabei geht es der Seniorenlobby um viele Details, aber auch um das Große und Ganze. „Es geht um eine Verkehrswende für die Stadt und die Frage, warum so viele Menschen den Busverkehr nicht nutzen“, erklären die Vorständler Margret Wulf-Wichmann, Götz Gebert, Manfred Bergmann und Bruno Böhm.

Verwaltung und Politik seien bei der zukünftigen Gestaltung des ÖPNV zu verzagt, kritisieren die Beiräte. Im Regionalen Nahverkehrsplan für die Jahre 2019 bis 2023 wird mit einer Fahrgastzunahme von 1,8 Prozent gerechnet. Margret Wulf-Wichmann: „In der gleichen Zeit steigt die Zahl der über 60-Jährigen um 18,9 Prozent.“ Das sei ein riesiges Fahrgastpotenzial, das genutzt werden müsse. Dazu müsste aber der Busverkehr weg von der rein wirtschaftlichen Optimierung der letzten Jahre und hin zu einem kundenfreundlichen Angebot. Takte, Betriebszeiten, Preise, Nacht- und Shuttlebusse – alles müsse auf den Prüfstand. Und dann legt Margret Wulf-Wichmann den Finger ganz tief in die Wunde: „Der Nahverkehr in Regensburg hat von 1995 bis 2015 über zehn Millionen Nutzer gewonnen, der Stadtverkehr in der gleichen Zeit sieben Millionen verloren.“

Seniorenbeirat

Der Seniorenbeirat vertritt die Interessen der 63 000 Lübecker über 60. Er berät die Bürgerschaft und ihre Ausschüsse sowie den Bürgermeister. Der Beirat ist bei allen Planungen und Entscheidungen anzuhören, die wichtige Belange älterer Menschen in der Stadt betreffen. Gegründet wurde er 1993. Er wird normalerweise alle fünf Jahre gewählt, zuletzt im Mai dieses Jahres. Seine Mitglieder arbeiten ehrenamtlich.

Als erstes sollte die Stadt in einer Befragung ihrer Bürger herausfinden, warum viele Lübecker nicht mit dem Bus fahren. „Dazu muss man aber die Leute außerhalb der Busse befragen und nicht die, die bereits drinnen sitzen“, erklärt der Beirat. Dann müssten die Takte, zu denen die Busse fahren, auf zehn Minuten reduziert werden. An allen Haltestellen sollten Unterstell- und Sitzmöglichkeiten geschaffen werden. Der Seniorenbeirat will an den Wochenenden Nachtbusse und ein Ganzjahresticket für 365 Euro – so wie ÖPNV-Modellstädte es gerade diskutieren. Götz Gebert: „Ein Euro für den Bus pro Tag – das ist griffig.“

Das gesamte Preisgefüge müsste abgesenkt, sozial schwächere Stadtteile wie Moisling und Kücknitz dürften nicht länger mit den höchsten Fahrpreisen bestraft und für Senioren sollte ein spezielles Ticket eingeführt werden. Der Seniorenbeirat will auch den Busverkehr in der Innenstadt anders organisieren. Die großen Busse fahren zur Kanalstraße und zur Untertrave und von dort geht es weiter mit kleinen Shuttlebussen.

Die Verwaltung will vieles nicht umsetzen und anderes prüfen. Die Mitglieder des Vorstands versprechen, dass sie weiter Druck machen werden: „Wir werden auf die Politiker zugehen, und wir sind nicht allein.“ Bruno Böhm betont: „Wir wollen vor allem, dass schnell etwas geschieht.“ Tatsächlich sind die Senioren nicht allein: Auch die Frauen- und Sozialverbände, der Fahrgastverband Pro Bahn und sogar der städtische Bereich Soziale Sicherung wollen einen besseren ÖPNV.

Aber es bleibt nicht beim Thema ÖPNV: Der Seniorenbeirat startet jetzt eine Kampagne „pro 48“. Götz Gebert: „Die Bundesregierung will künftig das Rentenniveau von 48 Prozent nicht unterschreiten. Mieten, Busfahrpreise, Eintrittsgelder und Gebühren bleiben aber bei 100 Prozent.“ Der Beirat fordert deshalb, dass die Stadt beispielsweise die Eintrittspreise in Schwimmbädern und Museen für Senioren auf 48 Prozent senkt. Und das solle für alle Senioren gelten – unabhängig von der Höhe der Rente, erklärt Manfred Bergmann.

Kai Dordowsky

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