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Lübeck St. Gertrud: So soll Lübecks Stadtteil in Zukunft aussehen
Lokales Lübeck St. Gertrud: So soll Lübecks Stadtteil in Zukunft aussehen
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17:47 05.04.2019
Lass uns die Zukunft planen: Mehr als 100 Lübecker gestalten ihren Stadtteil St. Gertrud in 2040. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Das wollen die Lübecker in St. Gertrud. 80 Lübecker haben die Zukunft St. Gertruds mitgestaltet. Sie kamen zum ersten Stadtteil-Dialog in die Thomas-Mann-Schule.

Vier Punkte für St. Gertruds Zukunft

Vier Punkte sind den Menschen wichtig. Nummer eins: 2040 sollen weniger Autos im Stadtteil fahren, dafür aber mehr kleine Busse. Nummer zwei: 2040 wird es den Hafen in St. Gertrud nicht mehr geben. Stattdessen wollen die Lübecker am Konstinkai mehr Hightechfirmen ansiedeln. Nummer drei: Es soll ein grüner Weg durch den Stadtteil entstehen. Die Idee ist, das Lauerholz über Alt-Marli mit der Wakenitz zu verbinden. Sowieso soll es weniger Beton, dafür mehr Grün geben, damit Bienen und andere Insekten Nahrung finden. Und Nummer vier: In St. Gertrud wollen die Lübecker mit mehreren Generationen unter einem Dach leben.

Nachgefragt: Das wollen Lübecker für ihren Stadtteil St. Gertrud

Freude bei der Stadt über das Ergebnis. „Es geht nichts verloren“, sagt Chef-Stadtplaner Karsten Schröder. Alle Wünschen würden zusammen gefasst und in vier Wochen veröffentlicht. Aber vor allem: Die Stadt wird alle Ideen in den Plänen verarbeiten, zu denen sie passen. Denn aktuell wird an etlichen Zukunftsplänen der Stadt gearbeitet – wie Hafenentwicklungsplan, Radwegeplan, Flächennutzungsplan.

Freut sich über das Ergebnis: Lübecks Chef-Stadtplaner Karsten Schröder. Quelle: Lutz Roeßler

Es fehlt ein Wochenmarkt in Eichholz

Klar ist: Die Lübecker in St. Gertrud sind im Prinzip zufrieden. Aber es gibt etliche Wünsche – ob auf Marli, in Eichholz oder Brandenbaum. In dem Stadtteil leben 41 700 Menschen, das sind fast 20 Prozent der Lübecker. Und außerdem ist St. Gertrud groß mit 26,5 Quadratkilometern, das sind 12,4 Prozent der Stadtfläche.

Hier lesen Sie, dass die Altstadt fast autofrei werden soll: So soll Lübecks Altstadt aussehen

Hier lesen Sie, wie die Lübecker die Altstadt haben wollen: So stellen sich die Lübecker die Zukunft der Altstadt vor

In Eichholz ist die Situation klar: „Es gibt zu wenig Einkaufsmöglichkeiten“, sagt Susan Utech (37). „Aldi und ein Wochenmarkt wären gut“, stimmt ihr Freund Mirko Stahlkopf (43) zu. Ihn ärgert, dass der Wald in Eichholz so vermüllt. Er will jetzt eine Müllsammelaktion starten. Die beiden freuen sich über die neue Veranstaltung der Stadt. „Ich finde es gut, dass man die Möglichkeit hat, mitzugestalten“, sagt Stahlkopf. „Klasse, dass man mitreden kann.“

Brandenbaum: Nachbarn wollen sich treffen

In Brandenbaum geht es um einen Treffpunkt für die Nachbarn. „Es wäre toll, wenn es mehr Angebote gibt“, sagt Lisa Thinius (33). Beispielsweise im Gemeinschaftshaus des Siedlerbundes im Dreifelderweg. Sie kann sich ein Repair-Café vorstellen. Bei Kaffee werden dort kaputte Toaster wieder flott gemacht. Bisher werde das Haus für Feste vermietet, 200 Leute können dort feiern. Aber ansonsten passiert kaum etwas. Lisa Thinius: „Es wäre toll, wenn man da mehr machen könnte.“

Alles für St. Gertrud: Die Lübecker debattieren ihre Wünsche für die Zukunft ihres Stadtteils. Quelle: Lutz Roeßler

Ebenfalls Thema: Wohnen. „Ich gehöre zu den Baby-Boomern“, sagt Kathrin Romer (53). Für sie ist klar: „Wenn ich 2040 alt bin, will ich in einer Alten-WG leben – nicht in einer Senioren-Residenz.“ Dazu hat Sascha Hensel (39) eine Idee: „Ich bin ein Befürworter davon, dass man Kitas und Alten-WGs zusammen baut.“ Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. „Dann können diejenigen, die Freude daran haben, die Kinder betreuen – als Oma- und Opa-Ersatz.“ Außerdem wünscht er sich eine Halle für Jugendliche – mit Skater-Bahn und Graffiti-Wand.

Natur an der Wakenitz soll erhalten bleiben

Weiteres Thema: Natur. „Ich würde den Platz am Hasenweg gern zu einem Treffpunkt machen“, sagt Anna Skrundz (34). Es geht um das Wohnviertel zwischen Stadtpark und Roeckstraße. Derzeit ist am Hasenweg ein Parkplatz. „Ich setze mich für eine Blumenwiese mit Insektenhotel ein“, sagt sie. „Das würde ich gern gestalten.“ Natur ist ebenfalls das Ansinnen von Andreas Ströbl (55). „Mir geht es um den Schutz der Grünflächen.“ Ströbl beklagt das „massive Abholzen an der Wakenitz während der Brutzeit“. Da würden Nester auf dem Boden liegen, mit kleinen Küken oder Eier darin.

Die anderen Stadtteile

Weitere Stadtteil-Veranstaltungen sind angesetzt. Am Donnerstag, 2. Mai, findet das Treffen in St. Lorenz Süd im Drägerforum statt. Am Dienstag, 21. Mai, geht es nach Buntekuh in die Baltic-Schule. Und am Donnerstag, 27. Juni, ist Travemünde dran – im Hotel Arosa.

Der Beginnist jedes Mal um 17 Uhr, das Ende um 20.30 Uhr. Zunächst werden einzelne Projekte auf einer Art Marktplatz vorgestellt. Dann können die Lübecker in fünf bis sechs unterschiedlichen Workshops mitarbeiten. Die Ergebnisse werden um 20 Uhr präsentiert. Die Stadt macht zudem eine Online-Umfrage zur Zukunft der Hansestadt.

Hier lesen Sie, warum die Stadt, die Bürger nach ihren Wünschen fragt: So planen Bürger die Zukunft Lübecks

Lob kommt von der Stadt. „Sie haben tolle Pionierarbeit geleistet“, sagt Chef-Stadtplaner Karsten Schröder. Die Veranstaltung in der Thomas-Mann-Schule ist der Auftakt der Stadtteil-Dialoge, in denen es um Lübeck 2040 geht. Bis Ende des Jahres will die Verwaltung in allen zehn Stadtteilen gewesen sein.

Zeitgeist-Tournee der Stadt

So kommentiert LN-Redakteurin Josephine von Zastrow das Thema

Jetzt sind die Lübecker dran. Sie sollen sagen, wie ihre Stadt aussehen soll. Frei nach dem Motto: Zukunft mitgestalten. Was flott klingt, ist auf Papier extrem behäbig.

Flächennutzungsplan, Verkehrsentwicklungsplan, Radverkehrskonzept, Hafenentwicklungsplan. Unverdaulich, unspannend – unsexy. Das Fatale: In diesen drögen Papierbergen der Bürokratie wird das Leben von Morgen festgelegt.

Erstaunlich locker daher das Event in St. Gertrud. Die Verwaltung tourt durch die Stadtteile, macht Workshops mit den Menschen – und will wissen, was sie sich wünschen. Eine einfache Sache. So einfach, dass es verwundert, dass es erst jetzt passiert.

Der Clou dabei: Die Stadt belästigt die Lübecker nicht mit sperrigen Begriffen der Verwaltung. Sie fragt die Lübecker nicht zu jedem einzelnen Plan. Sondern nach Ideen. Die bürokratischen Hürden des Flächennutzungsplans? Uninteressant. Wie der Hafenentwicklungsplan aufgestellt wird? Geschenkt. Welche Gesetze beim Verkehrsentwicklungsplan wichtig sind? Egal.

Das interessiert die Menschen nicht. Muss sie auch nicht. Denn das wissen die Verwaltungs-Leute. Und die lotsen die Ideen der Lübecker durch die undurchsichtigen Strukturen der Bürokratie. Denn die Lübecker wissen, ob der Konstinkai zum Wohnviertel werden soll oder zum High-Tech-Firmen-Areal. Und ob sie eine extra Busspur wollen oder eine vierspurige Straße.

Die Stadt hat mit der Tournee den Zeitgeist getroffen. Und: Die Veranstaltung ist gut gemacht. Denn es gibt Moderatoren. Niemanden aus Lübeck, sondern Profis aus Hamburg. Sie sorgen dafür, dass nicht in die Vergangenheit geblickt wird – sondern in die Zukunft 2040.

Josephine von Zastrow

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