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Lübeck Stiftung Leuchtfeuer: Wo traumatisierten Kindern geholfen wird
Lokales Lübeck Stiftung Leuchtfeuer: Wo traumatisierten Kindern geholfen wird
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14:32 14.06.2019
Neue Hoffnung für junge Menschen. Die Stiftung Leuchtfeuer in Lübeck hilft traumatisierten Jugendlichen. Quelle: Stiftung Leuchtfeuer
Innenstadt

Im Büro der Stiftung Leuchtfeuer kommen die schlimmsten und grausamsten Schicksale auf den Tisch. Kleinkinder, die von ihren Eltern fast zu Tode geprügelt wurden. Verwahrloste, halb verhungerte Babys. Sexueller Missbrauch. In der Regel haben die jungen Menschen schon fünf bis sechs Pflegefamilien und Hilfeeinrichtungen durchlaufen. Die Leuchtfeuer-Familien sind ihre letzte Chance. Seit zehn Jahren gibt es die Stiftung in Lübeck.

Persönliche Beziehungen aufbauen

„Für die Kinder und Jugendlichen ist wichtig, dass sie persönliche Beziehungen aufbauen können“, erklärt Sozialpädagoge Wolf Dierks (48). Mit drei weiteren Kollegen koordiniert der Standortleiter Lübeck die Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern, im Norden Niedersachsens und in ganz Schleswig-Holstein. Als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und Mitglied des paritätischen Wohlfahrtverbandes arbeitet die Stiftung im Auftrag der Jugendämter und Kommunen. „Die Hilfe ist so vielseitig und individuell, wie die Menschen, die wir begleiten“, sagt Dierks und erzählt beispielhaft die Geschichte von Ole (Name geändert).

Wolf Dierks (48) von der Stiftung Leuchtfeuer in Lübeck hält zum zehnjährigen Bestehen eine Rede. Quelle: E-Stiftung

Geboren in Süddeutschland, wuchs der Junge in einer Familie auf, in der es eine „extrem hohe Gewaltbereitschaft“ gab, so Dierks. Wenn Ole weinte, schüttelten die Eltern ihr Baby fast bis zu dessen Bewusstlosigkeit. Der Kleine wurde mehrfach so verprügelt, dass er ins Krankenhaus musste. Einige Male wäre Ole fast verhungert. Als Dreijähriger kam er schließlich in eine Pflegefamilie, wo er fünf Jahre blieb. „Doch Ole ist aufgrund seiner Erfahrungen hochgradig traumatisiert“, sagt Dierks. „Er war aggressiv, verletzte sich selber, kannte keine Grenzen. Er war ständig in Alarmbereitschaft und lebte mit der ständigen Angst, dass sein Leben bedroht ist.“

So musste er die Pflegefamilie als Achtjähriger wieder verlassen. Er kam in eine Jugendhilfeeinrichtung, wo er sexuellen Missbrauch erlebte. Zuletzt wurde er in einem Krisen- und Interventionszentrum untergebracht. „Leuchtfeuer ist nun seine letzte Hoffnung“, sagt Dierks. Die Stiftung mit Zentrale in Köln und sechs weiteren Standorten in Deutschland unterhalte ein bundes- und europaweites Netzwerk an pädagogischen Fachkräften.

Diese Sozialpädagogen oder Erzieher verfügen laut Dierks über langjährige Erfahrungen in der Jugendhilfe und nehmen die jungen Leute bei sich zu Hause auf. Gegründet wurde die Stiftung 2001 von Peer H. Salström Leyh. Die vier Mitarbeiter koordinieren und betreuen derzeit 25 Plätze in Leuchtfeuer-Familien, die als „sozialpädagogische Lebensgemeinschaften“ bezeichnet werden. Diese bieten in der Regel ein bis zwei Plätze für die jungen Menschen. Das Durchschnittsalter liegt bei zwölf Jahren.

Das Entsetzen ist unvermindert groß

Ole ist inzwischen 14 Jahre alt und lebt seit vier Jahren in seiner neuen Familiensituation. „Er ist ein sportlicher junger Mann, der kontinuierlich therapeutisch begleitet wird“, so der Standortleiter. „Er bekommt sein Leben in kleinen Schritten immer besser in den Griff.“ Nach jahrzehntelanger Arbeit in der Jugendhilfe ist für Dierks das Entsetzen über das, was Kindern angetan wird, unvermindert groß. „Aber wichtiger ist, den jungen Menschen zu helfen. Ihnen Mut, Hoffnung und Orientierung zu geben.“

Cosima Künzel

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