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Lübeck Priwall: Anwohner fordern neues Verkehrskonzept
Lokales Lübeck Priwall: Anwohner fordern neues Verkehrskonzept
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07:56 01.11.2019
Zwei Autofähren pendeln bisher zwischen Travemünde und dem Priwall. Eine dritte Fähre würde die Kapazität auf 270 Pkw pro Stunde erhöhen. Das werde in Spitzenzeiten nicht ausreichen, sagt Verkehrsplaner Benjamin Werner. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Endlos lange Warteschlangen an den Fähren, Parken im Naturschutzgebiet und auf der Straße, Gefährdung von Radfahrern und Fußgängern, kein Hochwasserschutz: Die Kritik an der Verkehrssituation auf dem Priwall wird lauter. Auch, weil mit dem zunehmenden Touristenstrom immer mehr Autos auf die Halbinsel kommen. Deshalb hatte die Gemeinschaft der Priwallbewohner zu einem Informationsabend in das Restaurant „Seglermesse“ eingeladen. Und das Interesse war groß: 80 Besucher wollten sich über das Thema informieren und diskutieren. Benjamin Werner, Verkehrsplaner der Abteilung Stadtentwicklung, stellte das vorläufige Verkehrskonzept für den Priwall vor. Kritisiert daran wird unter anderem, dass es keinen Ansatz gebe, den Verkehr grundsätzlich zu reduzieren.

Immer mehr Autos auf dem Priwall. Die Anwohner fordern Lösungen. Dies sind die Probleme.

Waterfront wird Situation verschärfen

Ein Problem ist laut Verkehrsplaner Werner der Fährverkehr zwischen Travemünde und dem Priwall, der bisher mit zwei Autofähren betrieben wird. Eine dritte Fähre soll angeschafft werden. Mit den beiden bisher eingesetzten Fähren werde eine Kapazität von 180 Pkw pro Stunde erreicht, bei einer dritten wären es 270 Pkw. „Wir haben heute schon eine höhere Nachfrage, die Situation wird sich verschärfen, wenn Waterfront im nächsten Jahr fertig ist“, prognostiziert der Verkehrsplaner. Er befürchtet: „Das ist immer noch nicht die Spitze.“ Der Zuwachs werde nach den Untersuchungen etwa 50 Prozent betragen, diese würden die Kapazitäten der Fähren übersteigen. Um die Situation auf der Mecklenburger Landstraße zu entspannen, solle der Fährplatz umgestaltet werden, mit einem größeren Puffer für die wartenden Kraftfahrzeuge.

Keine weitere Wohnbebauung für den Priwall

Ein Parkplatzproblem auf dem Priwall sieht Benjamin Werner indes nicht: „Wir haben zwar keine großen Reserven, aber auch noch keinen Parkdruck.“ Probleme gebe es lediglich partiell. Mögliche Maßnahmen seien zeitliche Beschränkungen, kostenpflichtiges Parken und eine Parkberechtigung ausschließlich für Bewohner. Letztere sei jedoch rechtlich schwierig umsetzbar. Für den Ausbau der Mecklenburger Landstraße gebe es mehrere Varianten, auch unter Hinzunahme des Baumbestands. Falls möglich, sollen Schutzzonen für Radfahrer und Fußgänger eingerichtet werden. Die vor zweieinhalb Jahren vorläufig instandgesetzte Straße sei bereits jetzt ein Problem, weil die Kanten wegbrechen würden. Insgesamt spricht sich der Stadtplaner dafür aus, dass es keine weitere städtebauliche Verdichtung auf dem Priwall geben solle - im Klartext: keine neue Wohnbebauung.

Planung für Hochwasserschutz fehlt

Frank Scharlaug von der Priwallbewohner-Gemeinschaft stellt fest: „Mit dem Projekt Waterfront entstehen weitere Verkehrsprobleme auf dem Priwall.“ Er kritisiert, dass bei den Planungen der Stadt geeignete Maßnahmen für den Hochwasserschutz fehlten. Eine Geh- und Radwegführung solle neben der Mecklenburger Landstraße erfolgen. Gemeinschafts-Vorsitzender Eckhard Erdmann dazu: „Hier werden konsequent Verkehrsverstöße begangen. Es wird im Wald geparkt, auf dem Trampelpfad, der eigentlich für Fußgänger gedacht ist, die dann auf der Fahrbahn gehen müssen.“ In der Straße Helling würden die Parkplätze vor den Wohnhäusern regelmäßig von Pendlern genutzt.

Anwohner wollen weniger Autoverkehr

Ortsratsmitglied Jan Ingwersen (CDU) ist sich sicher: „Wenn es mehr Fähren gibt, kommen auch mehr Autos auf den Priwall.“ Ein anderer Besucher bemängelt: „Ich vermisse im Verkehrskonzept jeglichen Ansatz, den Verkehr zu reduzieren. Seebädern etwa in Mecklenburg-Vorpommern ist es gelungen, durch entsprechende Konzepte den Autoverkehr im Ort herauszuhalten.“ Ulrike Westphal von der Bürgerinitiative Nachhaltigkeit für Travemünde und Priwall, erinnert daran, dass sich sowohl das Land Schleswig-Holstein als auch Lübeck ein nachhaltiges touristisches Konzept auf ihre Fahnen geschrieben hätten. Christian Stolte, Chef der Stadtentwicklung, dazu: „Es wäre Aufgabe der Politik, ein völlig neues Verkehrskonzept zu bestimmen.“

Seit Jahrzehnten verbinden sie Travemünde und den Priwall: die Priwall- und Norderfähren. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie für mehr Fotos.

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Von Thomas Krohn

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