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Lokales Lübeck Lübeck: Unfall mit Fahrerflucht – Ermittlungen eingestellt
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09:13 02.12.2019
Hans-Peter Heinemann geriet an der Kreuzung Fackenburger Allee / Schönböckener Straße fast unter einen Laster. Quelle: Felix König/Agentur 54°
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Die Passantin zögerte nicht. Sie schwang sich aufs Fahrrad und fuhr dem Lastwagen nach, der gerade fast einen Mann überfahren hätte. Gerade noch konnte sie das Kennzeichen lesen, dann war der Laster weg. Ein anderer Passant half Hans-Peter Heinemann (83) auf. Er lag unter seinem Fahrrad, dessen vorderer Teil unter die großen Räder des Anhängers gekommen war, als der Laster von der Fackenburger Allee rechts auf die Schönböckener Straße abbog und dabei den Radfahrer übersah.

Bei dem Unfall am 21. März 2019 kam Heinemann mit dem Schrecken, einem beschädigten Pedelec und einer zerrissenen Jacke davon. Er hatte im letzten Augenblick gebremst und war vom Rad gesprungen, als der schwere Anhänger des Lasters dicht am Bordstein die Kurve nahm. Die linke Pedalkurbel des Fahrrads war völlig verbogen. „Wenn mein Fuß da noch drauf gewesen wäre, weiß ich nicht, was passiert wäre“, sagt er.

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Staatsanwaltschaft: „Geringe Schuld“

Nachdem die Frau das Kennzeichen notiert hatte, kam der Lastwagen noch einmal zurück. „Der Fahrer kurbelte das Fenster herunter“, erinnert sich Heinemann, „aber dann fuhr er plötzlich wieder weg.“ Kurz nach dem Unfall stellte Heinemann Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Der Fahrer wurde ermittelt: Es war ein Mann aus Lettland. Im Oktober aber teilte die Staatsanwaltschaft Hans-Peter Heinemanns Rechtsanwalt mit, dass sie das Verfahren einstelle, „weil die Schuld als gering anzusehen wäre und ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung nicht besteht“.

„Sanitäter gratulierten mir zum zweiten Leben“

Vor allem über diese Erklärung zeigt sich Hans-Peter Heinemann empört. „Diese beiden Gründe haben mich auf die Palme gebracht“, sagt er. „Wenn ich nicht geistesgegenwärtig angehalten hätte, hätte es einen Toten gegeben.“ Per E-Mail beschwerte er sich bei der Staatsanwaltschaft: „Die Sanitäter der hiesigen Feuerwehr, bei denen ich im Unfallwagen lag, gratulierten mir zum zweiten Leben!“, schrieb er, „und Sie bezeichnen das als geringe Schuld des Lastwagenfahrers, (...) der dann auch noch Fahrerflucht beging?“

Beschuldigter lebt im Ausland

Im Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft heißt es: Da der Beschuldigte im Ausland wohne, seien weitere Ermittlungen „weder verhältnismäßig noch in der Sache als erfolgversprechend zu beurteilen“, zumal der zivilrechtliche Schaden reguliert sei. Tatsächlich bekam Heinemann von der Spedition die Reparaturkosten erstattet, dazu 1500 Euro Schmerzensgeld. „Ohne die Frau, die ihm hinterhergefahren ist, hätte ich gar nichts bekommen“, sagt er.

Heinemanns Beschwerde hatte keinen Erfolg. Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes in Schleswig ist der Argumentation der Lübecker Behörde gefolgt. Christian Braunwarth, Sprecher der Staatsanwaltschaft Lübeck, erklärt, dass ein Auslieferungsverfahren keine Aussicht auf Erfolg hätte: „Die Straferwartung ist zu gering.“ Die Verletzungen Heinemanns seien nicht gravierend. Der Nachweis, dass der Fahrer einen Schaden bemerkt habe, sei „hier so ganz einfach sicher auch nicht zu führen“. Selbst wenn der Fahrer in Deutschland lebte, sagt Braunwarth, „wäre es wahrscheinlich auch nicht anders ausgegangen.“

Unfallopfer: „Solche Fahrer zur Rechenschaft ziehen“

Ein entscheidendes Argument der Staatsanwaltschaft ist das Geld, das Heinemann von der Spedition bekommen hat. Braunwarth: „Der Grund, warum man sich nicht vom Unfallort entfernen sollte, ist ausschließlich der, dass man es dem Gegner möglich macht, seine Ansprüche zivilrechtlich durchzusetzen. Das ist in diesem Fall geschehen.“

Hans-Peter Heinemann kann dieser Argumentation nicht folgen. „Die Öffentlichkeit soll schon das Gefühl haben, dass solche Fahrer zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt er. „Im Wesentlichen habe ich deswegen Anzeige erstattet.“

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Von Hanno Kabel