Lübeck: Verunglückter Kanufahrer will Retter kennenlernen
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Lübeck Verunglückter Kanufahrer: „Ich will meinen Retter kennenlernen“
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Lübeck: Verunglückter Kanufahrer will Retter kennenlernen

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20:19 07.08.2020
Jörn Schäfer aus Leverkusen ist am Dienstagmorgen fast in der Trave ertrunken. Er ist beim Umstieg von seinem Kanu auf sein Segelboot ins Wasser gefallen.
Jörn Schäfer aus Leverkusen ist am Dienstagmorgen fast in der Trave ertrunken. Er ist beim Umstieg von seinem Kanu auf sein Segelboot ins Wasser gefallen. Quelle: Holger Kröger
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Innenstadt

Er hat es schon hunderte Male gemacht. Mit seinem Kanu ist Jörn Schäfer am Dienstagmorgen zu seinem Segelboot an der Wipperbrücke in Lübeck gefahren, hat es daran festgemacht und wollte in den Jollenkreuzer umsteigen. „Die Leine hatte zu viel Spiel, ein Fehltritt – und zack war ich im Wasser. Ich war wohl unkonzentriert“, sagt der 48-Jährige aus Leverkusen, der am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte. „Ich war im Wasser, habe leise um Hilfe geschrien, ich konnte nicht lauter – und dann bin ich im Krankenhaus aufgewacht. An mehr kann ich mich nicht erinnern.“

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Dramatische Rettungsaktion: Angler rettet Kanufahrer aus Trave

Normalerweise sei es kein Problem für Schäfer, sich aus dem Wasser in sein Segelboot zu ziehen. „Aber es ging nicht. Die Muskeln haben nicht mehr mitgespielt“, sagt Schäfer. Seine leisen Hilfeschreie wurden glücklicherweise gehört. Ein Angler hat sofort die Polizei gerufen, den Kopf von Jörn Schäfer solange über Wasser gehalten, bis die Beamten eingetroffen sind – und ihm damit das Leben gerettet.

Beim Umstieg in sein Segelboot ist es passiert – dabei hat er es vorher schon hunderte Male gemacht. Quelle: Holger Kröger

Kanufahrer muss sich nach Unfall noch erholen

„Oh jemine“, sagt Schäfer, wenn er hört, wie alles abgelaufen ist. „Da habe ich ja richtig Glück gehabt.“ Als er im Krankenhaus aufgewacht ist, hatte er „überall Schläuche und Nadeln im Körper“, und wusste nicht wie ihm geschah. Jetzt sind nur noch einige Schürfwunden zu erkennen, die an den Unfall erinnern. „Ich muss mich noch etwas erholen. Es ist alles noch etwas schummrig in meinem Kopf, und ich habe nicht viel Energie“, sagt Schäfer. „Mir wurde gesagt, dass meine Körperkerntemperatur auf 28,5 Grad gefallen ist – ich muss wohl länger im Wasser gelegen haben. Was ein Glück!“

Kanufahrer überglücklich: „Ich sollte wohl noch nicht sterben“

Es ist wohl nicht das erste Mal, dass Jörn Schäfer einen Schutzengel an seiner Seite hatte. „Es gab schon einige gefährliche Situationen in meinem Leben, die ich nur mit Glück überlebt habe“, sagt Schäfer und erzählt, wie er mit seinem Segelboot in einen Sturm geraten ist, wie sein Boot dadurch beschädigt wurde und wie er es trotzdem irgendwie geschafft hat. „Vielleicht will mich keiner, weder im Himmel noch in der Hölle. Ich sollte wohl noch nicht sterben.“

Jörn Schäfer ist seit drei Jahren mit seinem Segelboot auf Deutschlands Gewässern unterwegs. „Als meine Mutter gestorben ist, brauchte ich eine Auszeit. Seitdem segel ich durch Deutschland“, sagt Schäfer, der seit etwa zwei Wochen mit seinem Boot in Lübeck liegt. „Lübeck ist wunderschön. Es gefällt mir sehr gut hier. Aber ich will bald weiter, ich muss mal wieder das Meer sehen – vorher muss ich allerdings noch etwas erledigen.“

Geretteter Kanufahrer will seinen Retter kennenlernen

Denn wenn Jörn Schäfer wieder fit genug ist, will er zum Polizeirevier in der Innenstadt gehen und sich bei den Beamten bedanken. „Mir fehlen auch noch einige Sachen wie etwa eine orangefarbene Tasche mit meinen Papieren. Vielleicht liegt die ja bei der Polizei“, sagt Schäfer. „Und ich will unbedingt meinen Retter treffen. Ich weiß gar nicht, wie ich mich bei ihm bedanken soll.“

Von Hannes Lintschnig

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