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Lokales Lübeck Lübeck: Dieser Mann filmte die Rettungsgassen-Sünder auf der A1
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19:18 16.05.2019
Norbert Lehmkuhl (53) hat mit dem Handy gefilmt wie Autofahrer nach einem Unfall auf der A1 die Rettungsgasse zum Wenden missbrauchten. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Der Mann, der am Dienstag nach dem schweren Unfall auf der A1 die Wendemanöver in der Rettungsgasse mit seinem Handy filmte, ist zum Medienstar geworden. Allein vier Fernsehteams hat Norbert Lehmkuhl (53) am Donnerstag empfangen. Gerechnet hatte er nicht damit, dass sein Video solche Wellen schlägt. Er habe eigentlich nur seinen Freunden und Verwandten zeigen wollen, was auf den Straßen los sei. „Aber ist ja nicht schlimm“, sagt er. „Es ist gut, dass es da endlich mal eine Mahnung gibt. Die Strafen sind nicht hoch genug.“

„Dass Rettungsgassen missbraucht werden, ist neu“

Das Video hat einen Nerv getroffen. Nachdem Lehmkuhl es auf seine Facebook-Seite gestellt hatte, wurde es 40 000 Mal geteilt. Auf LN-Online wurde es bis Donnerstagabend 50 000 Mal angesehen. „Dass Gassen nicht genügend gebildet werden, das ist ein altes Thema“, sagt Stefan Petersen von der Lübecker Berufsfeuerwehr. „Aber dass die Gassen missbraucht werden, das ist relativ neu.“

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote findet für solche Vorfälle deutliche Worte: „Wer auf die wahnwitzige Idee kommt, in einer Rettungsgasse auf der Autobahn zu wenden, der handelt unverantwortlich und bringt nicht nur sein eigenes Leben in Gefahr, sondern vor allem auch das anderer Menschen. Mir fehlt jegliches Verständnis für ein derart verantwortungsloses Handeln“, heißt es in einer auf LN-Anfrage schriftlich übermittelten Stellungnahme.

Fehlende Gassen bei 80 Prozent der Einsätze

Bei einem Unfall auf der Autobahn 1 ist ein Lkw auf einen anderen Laster aufgefahren.

Tatsächlich sind Verstöße gegen Rettungsgassen-Vorschriften in Deutschland fast der Normalfall. Bei einer Umfrage unter Rettungsteams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kam Ende vergangenen Jahres heraus, dass die Helfer in 80 Prozent ihrer Einsätze durch fehlende Rettungsgassen Zeit verlieren. Nur in 15,6 Prozent der Fälle wurde demnach spontan eine Gasse gebildet.

Das kann im äußersten Fall Menschenleben kosten. Bei einigen besonders schweren Diagnosen sollten höchstens 60 Minuten zwischen dem Notruf und der Behandlung in einer geeigneten Klinik vergehen, sagte der DRK-Arzt Florian Reiffenberg dem Portal Spiegel online: „Das ist selbst unter optimalen Bedingungen eine Herausforderung. Wenn dann noch die Rettungsgasse blockiert ist, verlieren wir wertvolle Zeit.“

Beim Wenden auf frischer Tat ertappt

Ein ähnlicher Vorfall wie der vom vergangenen Dienstag ereignete sich gut eine Woche vorher auf der A24 bei Rosenburg (Kreis Herzogtum Lauenburg). Zwei Autofahrer nutzten die Rettungsgasse als freie Fahrbahn – und wurden von der Polizei gestoppt.

Auch das Wenden in der Rettungsgasse ist keine Premiere in Schleswig-Holstein. Erst vor drei Wochen wendeten auf der A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und der Abfahrt Neumünster-Nord einige Autofahrer und fuhren durch die Rettungsgasse zurück. Einen von ihnen erwischte die Polizei auf frischer Tat.

Das ist die Strafe fürs Wenden auf der Autobahn

Wer erwischt wird beim Wenden in der Rettungsgasse, bekommt eine Strafe: Er muss den Führerschein für vier Wochen abgeben, erhält zwei Punkte beim Kraftfahrt-Bundesamt und muss 200 Euro zahlen. Das erklärt die Polizei auf Nachfrage.

Für ADAC-Sprecher Ulf Evert ist das zu wenig. „Da wird verhindert, dass Leute das Leben anderer Menschen retten.“ Formal gilt das Wenden in der Rettungsgasse als Ordnungswidrigkeit.

Allerdings: Wer beim Wenden in der Rettungsgasse einen Beinahe-Unfall verursacht, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft und oder eine Geldstrafe. Denn das ist ein Straftatbestand, bei dem „Leib und Leben gefährdet“ werden.

Besonders rabiat ging am vergangenen Montag auf der A8 in der Nähe des Chiemsees in Bayern ein Autofahrer aus der Schweiz vor: Er fuhr durch die Rettungsgasse, streifte zwei Autos, fuhr weiter und zeigte sich keiner Schuld bewusst, als die Polizei ihn schließlich anhielt.

Keine einheitlichen Regeln in Europa

Das Bilden von Rettungsgassen ist in Europa nicht einheitlich geregelt. In vielen Ländern gibt es nur allgemeine Vorschriften, die besagen, dass Autofahrer Einsatzfahrzeugen Platz lassen müssen. Ausdrücklich vorgeschrieben ist die Bildung einer Rettungsgasse in Österreich, Tschechien und Ungarn. Wie die Gasse zu bilden ist, ist wiederum uneinheitlich geregelt.

Eine Rettungsgasse kann Leben retten – denn durch sie gelangen Helfer schneller zur Unfallstelle. Die Bildergalerie zeigt, wie Sie im Ernstfall eine Gasse für die Retter bilden.

Hanno Kabel

Rebecca Poesch ist die neue Kirchenmusikerin in den Kirchengemeinden Friedrich-von-Bodelschwingh und Bugenhagen in Lübeck. Am Sonntag, 19. Mai, um 10 Uhr wird sie mit ihrer Kantorei Werke von John Rutter und Georg Friedrich Händel im Gottesdienst aufführen.

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