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Lübeck Vorwerker Diakonie fragt: „Wer ist Jule?“
Lokales Lübeck Vorwerker Diakonie fragt: „Wer ist Jule?“
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18:09 10.09.2019
Schauspieler Andreas Hutzel unterstützt die Aktion der Vorwerker Diakonie und unterbrach für den Fototermin die Proben zu „Game of Crowns“: „Für mich war es keine Frage, ob ich die Aktion unterstütze.“ Quelle: Felix König
Innenstadt

So ziemlich jeden Tag im Jahr ist irgendein Welttag – sei es nun der Tag des Bieres, des Schneemanns oder der Komplimente. Der 10. September ist ein wirklich wichtiger Tag: der Welttag der Suizid-Prävention. Die Vorwerker Diakonie suchte sich eben jenen Tag aus, um die Kampagne „Wer ist Jule?“ zu starten – 100 leuchtend gelbe Plakate und Banner mit ebenso leuchtend blauer Schrift sind seit Dienstag im Stadtgebiet zu sehen.

Neugierig machen und sensibilisieren

„Die Plakate sollen neugierig machen, sie sollen leuchten, keine Antworten geben“, sagt Lutz Regenberg, Sprecher der Vorwerker Diakonie. Prominente „Paten“ der Kampagne sind Bürgermeister Jan Lindenau, Pröpstin Petra Kallies und Schauspieler Andreas Hutzel. Klar gibt es auch Antworten – und zwar auf der Homepage www.wer-ist-jule.de, auf die mittels eines roten Pfeils auf den Plakaten und 39 Bauzaun-Bannern im Stadtgebiet verwiesen wird. Hintergrund: Bundesweit nehmen sich 10 000 Menschen jährlich das Leben – bei jungen Menschen ist Selbstmord sogar die zweithäufigste Todesursache.

Diese Lübecker unterstützen die Kampagne

Kaum eine Nacht ohne Notaufnahme

In ihrer Fachklinik betreut die Vorwerker Diakonie jährlich rund 500 Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen stationär, viele nach einem Suizidversuch, andere mit Depressionen, Traumata oder Zwangsstörungen. Kaum eine Nacht vergehe ohne Notfallvorstellung eines Kindes oder Jugendlichen, sagt Oliver Soyka, Chefarzt der Fachklinik. Viele 13- bis 15-Jährige trügen sich mit Suizidgedanken, aber vor allem sei es „bewegend, immer wieder zu erfahren, dass teilweise schon Neunjährige nicht mehr leben wollen.“ Suizidgedanken, so Soyka, hätten in den vergangenen fünf bis sechs Jahren deutlich zugenommen.

Notfall-Nummern

In akuten Krisensituationenkönnen sich Kinder und Jugendliche kostenlos und vertraulich an Fachleute der folgenden Stellen wenden: Die Fachklinik der Vorwerker Diakonie ist 365 Tage im Jahr rund um die Uhr geöffnet. Erreichbar ist sie unter Telefon 04 51/400 25 04 00.

Telefonseelsorge Lübeck, Telefon 08 00/111 01 11 oder 08 00/111 02  22.

Kinder- und Jugendtelefon, Die Nummern gegen Kummer, Telefon 11 61 11 oder 08 00/111 03  33, montags bis sonnabends von 14 bis 20 Uhr oder: www.nummergegenkummer.de.

Notruf Ostholstein, Beratungsstelle Eutin, Telefon 045 21/730 43.

Notruf Ostholstein, Beratungsstelle Neustadt, Telefon 045 61/91 97.

Vielfältige Ursachen

Die Ursachen? Da gebe es viele, doch Soykas Erfahrung nach geht es zunehmend um Cyber-Mobbing, Stress in der Schule und ähnliches. Ständige Rankings in Social Media, das ständige Sich-miteinander-Messen unter Jugendlichen – das seien durchaus Ursachen für psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Auch Fred Mente, Chef der Vorwerker Diakonie, hat in den letzten Jahren „in meinem Bekanntenkreis die Erfahrung gemacht, dass ganz viele Kinder und Jugendliche erkrankt sind“. Chefarzt Soyka bittet Angehörige und Freunde, Warnsignale ernst zu nehmen, Interesse zu vermitteln, sich Zeit zu nehmen und Beobachtungen oder Sorgen anzusprechen.

Alte Fachklinik nicht mehr zeitgemäß

In der Fachklinik der Vorwerker Diakonie, deren Einzugsgebiet nicht nur Lübeck, sondern auch die Kreise Herzogtum Lauenburg, Stormarn und Ostholstein umfasse, versuchen die Mitarbeiter, den Kindern und Jugendlichen zu neuem Lebensmut zu verhelfen. Doch die Klinik ist rund 30 Jahre alt, „die Rahmenbedingungen sind nicht mehr gut“, so Mente. Deshalb soll ein Neubau auf dem Campus der Vorwerker Diakonie her. Und an dieser Stelle klärt sich auch, wer oder was „Jule“ ist: Die Klinik soll „Fachklinik für Junges Leben“ (Jule) heißen.

Neubau: 70 Prozent zahlt das Land

Die Bausumme beträgt rund 13,5 Millionen Euro. 70 Prozent der Kosten trägt das Land, die übrigen 30 Prozent – immerhin rund vier Millionen Euro – müssen aus Eigenmitteln finanziert werden. 50 000 Euro kamen Ende 2018 bei der LN-Aktion „Hilfe im Advent“ für den guten Zweck zusammen, weitere Zusagen gebe es von der Possehl- und der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung, so Mente. Momentan werde das Baufeld für die neue Klinik eingerichtet. Mente: „Ich freue mich auf die Grundsteinlegung!“ Bezugsfertig sein soll die neue Fachklinik, die 50 Plätze und deutlich bessere Rahmenbedingungen bietet, im Jahr 2021.

Mit der aktuell gestarteten Kampagne erhofft die Vorwerker Diakonie sich nicht nur eine stärkere Sensibilisierung für psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen, sondern auch zusätzliche Unterstützung für den Neubau der Klinik.

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