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Lübeck Lübecker Waldorfschüler haben eigene Imkerei
Lokales Lübeck Lübecker Waldorfschüler haben eigene Imkerei
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06:00 11.06.2019
Lehrer Ansgar Eckstaedt zeigt Liva, Clara und Malte in der Waldorfschule die Waben mit den Bienen daran. Die Bienenhäuser (Beuten) haben die Kinder bunt bemalt. Quelle: Lutz Roeßler
St. Gertrud

15 Kinder stehen mit Schleierhüten, weißen Jacken und Handschuhen im Garten. Sie sind leise, gespannt und sehr geduldig. Vereinzelt fliegen ein paar Bienen vorbei. Die Kinder schauen hinterher, wie die Tiere im Bienenhaus verschwinden. Die Schwärme gehören zur eigenen Schulimkerei der Waldorfschule. Die Kleinen lernen dort den Umgang mit den Insekten und verstehen, wie Honig entsteht.

Besuch bei den Bienenvölkern

Clara (7) steht mit den Mitschülern in einer Reihe und flüstert: „Ich mag Bienen, sie sehen nett aus und sind immer so fleißig. Außerdem esse ich gerne Honig.“ Lehrer Ansgar Eckstaedt geht zu einem der Holzkästen und erklärt: „Jetzt wollen wir den Bienen aber erst mal sagen, dass wir sie besuchen kommen.“ Er greift zu einem silbernen, dosenähnlichen Objekt. Es ist ein Rauchapparat mit selbst gemachtem Imker-Tabak darin. „Wir machen ein bisschen Rauch, das beruhig die Bienen“, erklärt der 47-Jährige. Schnell ist er von weißem Rauch umgeben und hüllt auch die Kinder ein.

Aufbau der Schulimkerei in der Waldorfschule

Der Werklehrer hat vor Jahren einen Imkerschein gemacht und betreut seit einem Jahr die Bienen-Arbeitsgemeinschaft. Diese ergänzt den umfangreichen Gartenbauunterricht der Waldorfschule. Insgesamt machen 25 Kinder aus den Klassenstufen 1 bis 8 in der Schulimkerei mit. Die Idee dafür wurde 2018 im Zusammenhang mit dem 100-jährigen Bestehen der Waldorfschulbewegung entwickelt. Dank einer Spende der „Hindenburghaus Lübeck Stiftung“ konnten unter anderem Imkeranzüge für die Kinder angeschafft und die AG realisiert werden.

Besuch bei den Bienenvölkern

Die Bienenwohnungen (Beuten) stehen hinter der Schule neben Kräuter- und Gemüsebeeten. Vor ein paar Wochen sind zwei große Schwärme mit rund 30 000 Bienen in die bemalten Holzkisten eingezogen. „Es war ein wundervoller Anblick, wie sich aus dem anfänglichen Durcheinanderlaufen plötzlich ein geordneter Strom in Richtung Flugloch bewegt“, sagt Eckstaedt und weiter: „Wie immer verhielten sich die Schwarmbienen dabei so friedlich, dass keiner von uns überhaupt an Stiche dachte und auch keinen einzigen bekam.“ Inzwischen gehören drei Völker zur Schulimkerei und die Kinder wollen nachschauen, wie der Bau der Waben vorangegangen ist.

Nur die Bienenkönigin kann sich vermehren

Die Kinder wissen schon, dass ein Bienenvolk als gemeinschaftlicher Organismus funktioniert. „Sie teilen sich die Arbeit perfekt auf“, sagt Malte (8). Die Arbeiterinnen sind unfruchtbar und machen den Großteil des Volkes aus. Sie übernehmen die Brutpflege, das Nektarsammeln und vieles mehr. Vermehren kann sich nur die Königin. Nach der Begattung durch einen Drohn legt die Königin ihre Eier in die Wabenzellen, bis zu 2000 Stück am Tag. „Die männlichen Bienen leben nur für wenige Wochen im Jahr“, erklärt der Achtjährige.

Wie kann man Bienen helfen?

Lübecker Nachrichten: Warum sind Bienen bedroht?

Schulimker Ansgar Eckstaedt: In der Umwelt hier bei uns finden die Bienen nicht mehr genügend Nahrung (Pollen und Nektar), weil zu wenige Blumen auf Wiesen und Feldern blühen dürfen. Außerdem machen einige Spritzmittel, die gegen andere Schädlinge eingesetzt werden, die Bienen sehr krank oder töten sie sogar.

Wie kann man ihnen helfen?

Man hilft den Bienen und allen anderen Insekten, wenn man auf Spritzmittel im Garten und auf den Feldern verzichtet! Wir müssen auch noch mehr Blumen stehen lassen: Das heißt: nicht mehr so oft mähen. Auch die Anlage von mehr Streuobstwiesen würde allen Wildtieren guttun.

Ist es nicht gemein, den Bienen ihren Honig wegzunehmen?

Nein, wenn man es im rechten Maße tut und sie dafür füttert und pflegt. Der Honig ist ein wertvolles Geschenk der Natur an die Menschen, weil er auf so einmalige Weise durch die Bienen entsteht und deshalb so gesund ist.

Mehr Infos zur Hilfe für Bienen gibt es hier:

Blühwiese statt Ackerland in Bresahn

Uni-Kurs thematisiert Bienensterben

Insektenwand im Lübecker Schulgarten

Rettet die Bienen

Jetzt können die Kinder die Waben bestaunen. Der Lehrer zieht einen der Holzstege aus der Bienenwohnung und in einer großen Traube hängen Hunderte Tiere daran. Die Insekten haben die perfekten und gleichmäßigen Sechsecke wie nach einem geheimen Bauplan selbst gebaut. Eckstaedt erklärt, dass das Wachs ein Ausscheidungsprodukt aus den Drüsen der Bienen ist. „Dafür erhöhen sie ihre Körpertemperatur bis auf 42 Grad und schwitzen das Wachs aus.“

Bienen sammeln Pollen und Nektar

Die Wabenzellen sind außerdem das Vorratslager. „Schaut mal“, sagt der Imker, „hier haben sie schon Honig gelagert. Den dürft ihr probieren.“ In Zeitlupe bewegt Liva (8) einen Finger Richtung Honig und Eckstaedt erklärt, dass die Bienen Nektar sammeln, um sich und ihre Brut zu ernähren. Auf einer Blüte saugen sie den Nektar in ihren Honigmagen und fliegen zur nächsten Blüte, die dabei bestäubt wird. Im Stock geben die Arbeiterinnen den Nektar immer wieder über den Rüssel weiter und wandeln ihn so zu Honig um. „Hmmm“, sagt Liva, als sie ihren Finger abschleckt. Zum Schluss pflanzen die Kinder noch Sonnenblumen und Kräuter, damit die Bienen auch immer genug zu fressen haben. „Ein Imker ist auch immer ein halber Gärtner“, sagt Eckstaedt lachend.

Cosima Künzel

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