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Lokales Lübeck Lübeck: Was ist bio beim Bio-Friseur?
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08:52 23.08.2019
So bio kann Haareschneiden sein: Die Meisterin und der Minister. Friseurin Albertina Flaverny mit Bernd Buchholz (FDP) im Salon in der Großen Burgstraße in Lübeck. Quelle: Felix König
Innenstadt

Bio, bio, bio. Biologisches wohnen, vegetarisch speisen, vegan einkaufen und jetzt auch noch ein Bio-Friseur. Wozu das gut sein soll? Minister Bernd Buchholz (FDP) will es wissen – und hat Lübecks einzige Bio-Friseurin besucht. Für Meisterin Albertina Flaverny gibt es drei Gründe für das Bio in ihrem Beruf: die Haare der Kunden, die Hände der Friseure und den Nachwuchs des Handwerks.

100 Prozent biologischer Anbau

Alles ist natürlich, alles biologisch in der Großen Burgstraße 30. „Alles zu 100 Prozent aus biologischem Anbau – zertifiziert“, sagt Flaverny. Vom Haarfärbemittel über Shampoos und Haarkuren bis hin zur Styling-Creme. Bio-Friseur gleich Bio-Produkte. Das ist das ganze Geheimnis?

Die Haare des Kunden

So einfach ist es nicht. Beispiel: Haare färben. „Man braucht viel Erfahrung, um das gewünschte Ergebnis zu bekommen“, sagt Flaverny. Oftmals werden die Haare zu dunkel. Damit das nicht passiert, muss ein Friseur über die Beschaffenheit von Haaren Bescheid wissen, die Zusammensetzung des Färbemittels aus Pflanzen genau kennen und dann eine individuelle Mischung herstellen.

Einmal färben, bitte: Das grüne Pulver wird mit Wasser angerüht – und kommt dann auf die Haare des Kunden. Quelle: Felix König

Die Analyse

Los geht es mit einer Analyse. Die Haare jedes Kunden werden beim ersten Friseur-Besuch untersucht, um die richtige Behandlung zu finden. Die Schnell-Analyse von Buchholz’ Haar. „Da würde ich erst einmal gar nichts machen“, sagt Flaverny. Aber: „Man kann die Zeit um fünf Jahre zurückdrehen und das bisschen Weiß im Haar etwas blonder machen.“

Die individuelle Mischung

Ihre Philosophie: „Ich möchte dabei den natürlichen Farbton treffen“, sagt Flaverny. Deshalb wird für die Farbe individuell gemischt – für jeden Kunden extra. Das macht Rebecca Jeß. Sie managt den gemeinsamen Salon. „Bei uns gibt es keine Chemie“, sagt sie. Vor allem: Die Haarstruktur bleibt dabei heil. Jeß: „Denn die Pflanzenfarbe ummantelt das Haar und zerstört es nicht.“ Außerdem wird die Kopfhaut nicht angegriffen.

Die Mischung macht’s: Damit kennt sich Rebecca Jeß aus. Für jeden Kunden gibt es ein extra gemixtes Pflanzenfärbemittel. Das stellt sie her und managt den Salon. Quelle: Felix König

Die Hände des Friseurs

Neben dem Kunden profitiert auch der Friseur. Vor allem seine Hände. „Häufig kriegen Friseure Allergien, wenn sie die ganze Zeit mit Chemie arbeiten“, sagt Flaverny. Das hat sie selbst in ihrer Ausbildung erlebt. Daher hat sie Bio-Produkte ausprobiert. Aber sie war nicht zufrieden mit dem Farbergebnis. Deshalb hat Flaverny experimentiert, sich über chemische und biologische Zusammenhänge informiert und dabei festgestellt: Es funktioniert auch ohne Chemikalien. Einzig: „Man braucht mehr Zeit“, sagt sie. Haarefärben auf konventionelle Art dauert etwa 20 bis 30 Minuten, auf ökologische Art kann es schon länger als eine Stunde dauern.

Die Friseur-Ausbildung

Jetzt soll der Bio-Friseur auch ein eigener Beruf werden. So will es jedenfalls die Handwerkskammer Lübeck und hat einen Vorstoß auf Bundesebene gemacht. Denn der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDA) überarbeitet gerade seine Ausbildungsordnung. „Der Beruf Bio-Friseur wäre hochinteressant für junge Menschen“, sagt Christian Maack, stellvertretender Geschäftsführer. Sie würden sich viel mit Umweltfragen und ökologischer Lebensweise auseinandersetzen. Eine Ausbildung wäre „anspruchsvoller als herkömmlicherweise“, sagt Maack, denn es müsste viel Wissen über Chemie und Biologie vermittelt werden.

Konsequent biologisch

Alles bio – nicht nur die Haar-Produkte. Im Salon von Albertina Flaverny und Rebecca Jeß ist alles ökologisch. Die Handtücher sind mit Bio-Waschmittel gewaschen, die Kämme werden mit biologischem Desinfektionsmittel gereinigt. Sowieso sind alle Putzmittel bio. Der Fußboden ist mit Bio-Öl einbalsamiert, die Wände sind in Bio-Farbe gestrichen, Strom und Gas sind öko. Der Tee selbstverständlich auch. Und manchmal gibt es Obst aus dem eigenen Kleingarten. Selbst die Folie, die um die Haare gewickelt wird, damit das Pfanzenfärbemittel einwirkt, ist aus Mais hergestellt.

Zahl der Azubis hat sich mehr als halbiert

Und: Nachwuchs im Handwerk wird dringend gebraucht. Die Zahl der Auszubildenden im Friseur-Handwerk hat sich mehr als halbiert. Die Zahlen für Lübeck: 58 Lehrlinge gab es 2018. Vor zehn Jahren waren es noch 145 Azubis. Der Trend ist derselbe in ganz Schleswig-Holstein: 2018 machten 736 junge Menschen die Ausbildung zum Friseur, 2008 waren es mit 1420 noch doppelt so viele.

Ein Handwerk: Immer weniger wollen Friseur werden. Jetzt will die Handwerkskammer Lübeck die Ausbildung zum Bio-Friseur voranbringen – auch um mehr junge Menschen für den Beruf zu interessieren. Quelle: Felix König

Traditionelle Friseure versus Bio-Friseure

Zwei Dinge gibt es jedoch nicht beim Bio-Friseur: Blondieren und Dauerwelle. Das geht nicht ohne Chemie. Daher ist das Thema Bio-Friseure auf Bundesebene nicht so gut angekommen. „Es ist der Kampf der Tradition mit der Moderne“, sagt Maack. Denn für viele Friseure ist die Dauerwelle ein wichtiger Kern der Ausbildung.

Erstmals Bio-Kurse für Friseure

Aber Maack ist überzeugt davon, dass eine Ausbildung zum Bio-Friseur richtig gut ankommen würde. „Die Bio-Branche ist im Wachstum.“ Jetzt startet die Handwerkskammer mit einer Fortbildung für Meister und Friseure, die ausbilden. Es sind die ersten Bio-Friseur-Kurse. Flaverny wird sie 16 Stunden unterrichten. Los geht es im Januar. Minister Buchholz ist angetan von Maacks Vorstoß. „Wir brauchen Flexibilität.“ Auch im Handwerk. Buchholz: „Durch gesellschaftliche Entwicklungen kann sich eine Ausbildung auch wandeln.“ Und: „Ökologische Aspekte haben heute einen hohen Wert.“

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