Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübeck bekommt doch keinen Kältebus
Lokales Lübeck Lübeck bekommt doch keinen Kältebus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 14.12.2018
Winterhilfe und Obdachlosenhilfe sind jeden Abend zwischen 18 und 22 Uhr unterwegs, um Obdachlose zu versorgen.
Winterhilfe und Obdachlosenhilfe sind jeden Abend zwischen 18 und 22 Uhr unterwegs, um Obdachlose zu versorgen. Quelle: Agentur 54°
Anzeige
Lübeck

10 000 Euro hatte der Sozialausschuss der Bürgerschaft bewilligt, damit eine Hilfsorganisation einen Kältebus anschaffen kann. Mit diesem Bus suchen Helfer die Plätze auf, an denen sich Obdachlose aufhalten und bieten ihnen an, sich aufzuwärmen. „Ein Kältebus, der kurz vor Ort ist, ist nicht die Lösung des Problems“, sagt Sozialsenator Sven Schindler (SPD). „Wir werden künftig sicherstellen, dass Betroffene bei Bedarf in eine Unterkunft transportiert werden, um dort die entsprechenden Hilfeleistungen in Anspruch nehmen zu können.“

Schindler hatte sich zu Wochenbeginn mit Vertretern von Vorwerker Diakonie, Heilsarmee, DRK, Johanniter, Obdachlosen- und Winterhilfe getroffen. Alle seien sich einig gewesen, dass der Kältebus nicht die Lösung sei. Johanniter und DRK würden kurzfristig ein Konzept entwickeln, wie der Transport der Obdachlosen jede Nacht in die vorhandenen Unterkünfte erfolgen kann. Obdachlosen- und Winterhilfe seien jeden Abend zwischen 18 und 22 Uhr mit Speisen, Heißgetränken, Kleidung und Schlafsäcken unterwegs, erklärt der Bereich Soziale Sicherung.

Niemand wird abgewiesen

Mit Vorwerker Diakonie und Heilsarmee werde ein Verfahren zur Aufnahme der Betroffenen verabredet. Allen Obdachlosen werde eine Unterkunft angeboten, niemand werde in den Notunterkünften abgewiesen, versichert die Stadt. In Lübeck gebe es 123 Plätze in Unterkünften sowie 34 Notplätze. Die Behörden und die Hilfsorganisationen seien sich einig, dass die vorhandenen Unterkünfte ausreichen und keine zusätzlichen Wärmeräume erforderlich seien.

Aber genau das hatten die Sozialpolitiker beschlossen. Die Verwaltung soll beim Land vorstellig werden, das Container abgeben will. Diese Container sollen an verschiedenen Plätzen in der Stadt aufgestellt werden und frierenden Obdachlosen Schutz bieten.

Der Auftrag des Sozialausschusses werde wissentlich hintertrieben, kritisiert Linken-Kreisvorsitzender Sebastian Kai Ising. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Sozialpolitiker von Grünen, Linken und Unabhängigen reagieren mit deutlichen Worten auf Schindlers Kurs.„Ich fühle mich veräppelt“, sagt Michelle Akyurt (Grüne). „Der Senator agiert klar gegen den Beschluss des Ausschusses.“ Durch die Hintertür werde die Meinung der Verwaltung durchgesetzt, die sich gegen Kältebus und Wärmeräume ausspricht. „Was der Senator als Einigung feiert, ist das, was bereits an Obdachlosenhilfe geleistet wird“, sagt Akyurt. Der Auftrag des Sozialausschusses „wurde seitens der SPD und ihres Senators wissentlich hintertrieben“, kritisiert Sebastian Kai Ising (Linke). Der Kältebus ergänze städtische Angebote und sei kein reines Beförderungsmittel. „Ich bin ein wenig sprachlos“, sagt Gabriele Friemer (Unabhängige).

Grüne, Linke und Unabhängige beantragen eine Sondersitzung des Sozialausschusses in der nächsten Woche. Es habe keinen Hintergedanken gegeben, versichert dagegen Schindler. Wärmekooperation statt Kältebus sei das Ergebnis des Gespräches mit der Obdachlosenhilfe.

Kai Dordowsky