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Lübeck Lübeck bekommt doch einen Kältebus – aber erst 2019
Lokales Lübeck Lübeck bekommt doch einen Kältebus – aber erst 2019
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09:54 20.12.2018
So einen Kältebus wie in Berlin will die ehrenamtliche Obdachlosenhilfe in Lübeck mit Hilfe der Stadt anschaffen. Quelle: OZ-Bild
Lübeck

Einstimmig hat der Sozialausschuss am Mittwochabend auf einer Sondersitzung beschlossen, dass Lübeck einen Kältebus bekommen soll, allerdings erst zum Winter 2019. Bis dahin muss die Obdachlosenhilfe, die die Idee hatte, einen Verein gegründet haben. Denn nur an eine offizielle Organisation kann die Hansestadt 10 000 Euro überweisen, die die Bürgerschaft bereits Ende November bereitgestellt hat.

Außerdem muss die Obdachlosenhilfe spätestens zum September 2019 ein Konzept vorgelegt haben, wie genau das mit dem Kältebus funktionieren soll. Die Sozialverwaltung muss bis Juni 2019 ein Konzept vorlegen, wie die Unterkünfte für Obdachlose menschenwürdiger hergerichtet werden können.

Jan Rühmling von der Obdachlosenhilfe Lübeck hatte die Idee: „Ab nächstem Winter wollen wir mit einem Kältebus durch Lübeck fahren.“ Quelle: Kai Dordowsky

Die Sondersitzung war notwendig geworden, weil Sozialsenator Sven Schindler (SPD) statt des Kältebusses eine Wärmekooperation mit mehreren Hilfsorganisationen verabredet hatte. Die startet am 21. Dezember und sorgt dafür, dass ein Fahrdienst bereitgestellt wird, wenn frierende Obdachlose schnell in warme Unterkünfte gebracht werden sollen. Schindler musste sich einige Kritik anhören, dass er den ursprünglichen Beschluss des Sozialausschusses anders umgesetzt hat.

Ingo Schaffenberg (SPD),r.). Vorsitzender des Sozialausschusses, kritisierte Sozialsenator Sven Schindler (l.) für sein eigenmächtiges Vorgehen. Quelle: 54° / Felix Koenig

Er begrüße das, was Schindler mit der Wärmekooperation geschaffen habe, sagte Ausschussvorsitzender Ingo Schaffenberg (SPD). „Aber Beschlüsse des Sozialausschusses sind umzusetzen.“ Das Vorgehen habe ihn „massiv geärgert“, sagte Schaffenberg. „Wir waren schon schockiert, als wir hörten, dass der Kältebus nicht umgesetzt werden soll“, erklärte Bruno Hönel (Grüne). Gabriele Friemer (Unabhängige) warf Schindler eine Pflichtverletzung vor.

Bruno Hönel (Grüne) war geschockt, als er hörte, dass die Verwaltung den Kältebus nicht umsetzen wollte. Quelle: Lutz Roeßler

Der Sozialsenator rechtfertigte sein Vorgehen mit dem ungeheuren Zeitdruck. Der Sozialausschuss hatte bis Ende Dezember ein Konzept für den Kältebus und die Umsetzung verlangt. „Wir können nicht 10 000 Euro an einen Verein geben, der noch gar nicht existiert.“ Der Kältebus sei nicht vom Tisch, „aber wir müssen mit einer schnellen Lösung über den Winter kommen“.

Ist ein Kältebus die richtige Hilfe für Lübecks Obdachlose?

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CDU, Grüne, Linke, Unabhängige, aber auch Susanne Majora von der Winterhilfe machten klar, dass es eine Lücke im bestehenden Hilfesystem für Obdachlose gebe. Nämlich für jene, die partout nicht in eine Unterkunft wollen. „Wir haben mit den Obdachlosen gesprochen“, sagte Majora, „die wünschen sich einen warmen Raum, in dem sie nicht registriert werden.“

Susanne Majora von der ehrenamtlichen Winterhilfe hat Obdachlose nach ihren Wünschen gefragt. Quelle: Kai Dordowsky

Auch Jan Rühmling von der Obdachlosenhilfe, der einen Kältebus nach dem Tod eines polnischen Obdachlosen ins Gespräch gebracht hatte, beharrte auf der Initiative: „Wir möchten einen Kältebus nach Berliner Vorbild installieren.“ Die Obdachlosenhilfe sei bereit, einen Verein zu gründen. Die Ehrenamtlichen wollen den Bus betreiben. Rühmling wies daraufhin, dass „die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, steigt“. Eine Wärmekooperation ersetze nicht den Kältebus.

Kai-Uwe Preuß von den Johannitern machte den Politiker klar, dass es nicht bei einmalig 10 000 Euro bleibt: „Der Betrieb kostet jedes Jahr 5000 bis 10 000 Euro.“

Die LN berichteten zum Thema „Obdachlosigkeit in Lübeck“

20 Dezember: Ein Obdachloser in Lübeck berichtet über das Leben auf der Straße

20. Dezember: Lübeck bekommt doch einen Kältebus – aber erst 2019

18. Dezember: Hilfsorganisationen bieten Fahrdienst für frierende Obdachlose an

17. Dezember: Grüne, Linke und Unabhängige erzwingen neue Sitzung zum Kältebus

14. Dezember: Sozialsenator: Lübeck soll keinen Kältebus, sondern eine Wärme-Kooperation bekommen

5. Dezember: Sozialausschuss beschließt: Lübeck soll einen Kältebus bekommen

30. November: Debatte in der Bürgerschaft – Lübeck streitet über den Kältebus

27. November: Polizei: Obdachloser Darius ist nicht an Kälte gestorben

26. November: Obdachloser in Lübeck gestorben – Helfer fordern Kältebus

Obdachlose in der Kälte: So können Sie helfen!

Kai Dordowsky