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Lübeck Gedenken an die NS-Opfer
Lokales Lübeck Gedenken an die NS-Opfer
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17:19 28.01.2019
Kranzniederlegung mit Jan Lindenau und dem Rabbiner Nathan Grinberg vor dem Zeughaus in Lübeck.
Kranzniederlegung mit Jan Lindenau und dem Rabbiner Nathan Grinberg vor dem Zeughaus in Lübeck. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Mit vier Veranstaltungen bedachte die Hansestadt den 27. Januar: Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wird am Jahrestag der Befreiung der Insassen des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch sowjetische Truppen begangen.

Am Morgen fand im Dom ein Gottesdienst statt, zu dem Bischöfin Kirsten Fehrs einlud. Bei einer offiziellen Kranzniederlegung an der Gedenktafel am Zeughaus gedachten Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), Mitglieder der Fraktionen und der Bürgerschaft sowie Mitglieder der jüdischen Gemeinde Lübeck der Opfer der NS-Zeit. „Wir gedenken der Menschen, die aufgrund ihrer politischen Meinung, sexuellen Orientierung oder ihres Glaubens ermordet wurden“, sagte Lindenau in seiner kurzen Rede. Er mahnte an, dass man heute nicht mehr weggucken darf. Ein aktives Aufstehen gegen rechtes Gedankengut, wie es eigentlich nötig wäre, vermisst er. „Auch in Lübeck muss jeder Stellung gegen Rechtspopulismus beziehen und für Demokratie einstehen. Egal ob zuhause, am Arbeitsplatz oder beim Gespräch mit dem Nachbarn am Gartenzaun“, sagt Lindenau.

Mit einer Kranzniederlegung gedenken Bürgermeister Jan Lindenau, Mitglieder der Bürgerschaft und der jüdischen Gemeinde Lübeck der Opfer des Holocaust. Quelle: Olaf Malzahn

Mit einem Themen-Rundgang durch das Domviertel erinnerte das Willy-Brandt-Haus am Nachmittag an Opfer und Verfolgte des Nationalsozialismus. Insgesamt 20 Menschen nahmen trotz Regen und Kälte an dem Rundgang teil, den der Historiker und ehemalige Leiter der Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Dr. Wolfgang Muth, durchführte. Der bietet den Themengang schon seit vielen Jahren an. „Früher haben Zeitzeugen die Führung gemacht. Die konnten aus ihrer Erinnerung erzählen, was damals passiert ist“, sagt Muth. Bei der Tour vom Holstentor über die Obertrave, Marles- und Dankwartsgrube bis zum Zeughaus am Dom blieb Muth immer wieder stehen und erzählte anschaulich aus der dunklen Zeit zwischen 1933 bis 1945. Spannend und detailliert griff Muth auf, welche Rolle die Nazigegner und Verfolgte aus der Arbeiterbewegung, wie Willy Brandt, Gertrud Meyer, Edmund Fülscher oder Maria Hartmann in der Zeit hatten und was aus ihnen geworden ist.

Ausflug in die Vergangenheit

Für den Lübecker Jörg Krischak (61) war der Rundgang ein sehr spezieller Ausflug in die Vergangenheit seiner eigenen Familie. Sein Großvater begleitete im Januar 1933 den damaligen Chefredakteur des „Lübecker Volksboten“ und Bürgerschaftsmitglied, Julius Leber, als dieser von SA-Leuten überfallen wurde. „Meine Großmutter hat diese Geschichte oft erzählt“, sagt er. Es war nicht das erste Mal, dass Jörg Krischak den Themen-Gang mitmachte. Bereits vor 20 Jahre begab er sich auf Spurensuche – damals noch mit einem Zeitzeugen. Als er nun von dem Rundgang hörte, hielt ihn nichts auf dem Sofa.„Ich hab gedacht, ich muss das unbedingt noch mal hören. Das bin ich den Leuten schuldig, die damals ihren Kopf hingehalten haben.“

Am Abend erinnerten der Landtag und die jüdische Gemeinde in der Kunsthalle St. Annen an das Geschehen vor 74 Jahren. An der zentralen Gedenkfeier des Landes nahmen unter anderem Landtagspräsident Klaus Schlie, der Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay und Bischöfin Kirsten Fehrs teil.

Der Landtag gedachte am Sonntag des Brandanschlags auf die Lübecker Synagoge vor knapp 25 Jahren

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