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20:29 11.10.2019
Der Lübecker Kältebus, der Herzenswärmebus genannt wird, ist startklar. Spätestens ab 1. November ist das Fahrzeug zu den Obdachlosen unterwegs. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Das Ereignis hat sich herumgesprochen: Zum feierlichen Start des Lübecker Kältebusses kamen sogar die großen Vorbilder aus Hamburg mit einem Team vorbei. Die Hamburger Initiative „Alimaus“, die eine Tagesstätte für Obdachlose, ein Gesundheitsmobil und einen Kältebus betreibt, machte den Lübeckern ihre Aufwartung. „Wir freuen uns, dass Lübeck jetzt auch einen Kältebus hat“, sagte Ronald Kelm von „Alimaus“.

Unterkünfte für Obdachlose

Wenn es draußen bitterkalt wird, füllen sich die Obdachlosenunterkünfte in der Hansestadt. Nach Angaben der Stadtverwaltung stehen seit vergangenem Jahr insgesamt 123 reguläre Schlafplätze sowie 34 Notplätze zur Verfügung.

Obdachlose Männer finden eine Unterkunft bei der Heilsarmee in der Engelsgrube sowie im Bodelschwinghheim der Vorwerker Diakonie am Meesenring. Obdachlose Frauen kommen im Franziska-Amelung-Haus in der Friedenstraße unter. Seit 2018 hält die Vorwerker Diakonie zudem das Sophie-Kunert-Haus mit 17 Plätzen für Frauen und 20 Plätzen für Jungerwachsene in der Dr.-Julius-Leber-Straße vor.

Die ehrenamtliche Obdachlosenhilfesucht die Menschen in den Wintermonaten abends regelmäßig an den bekannten Plätzen in der Stadt auf. Dazu verwenden die Mitglieder ihre Privatfahrzeuge. Seit vergangenem Winter kämpft der Verein um einen Kältebus, für den die Sozialpolitiker der Hansestadt mittlerweile Geld bereitgestellt haben.

Wie viele Menschen im Winter in Lübeck auf der Straße leben, darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Die Verwaltung schätzt die Zahl auf zehn bis 15. Die Obdachlosenhilfe und auch manche Parteien gehen von höheren Zahlen aus.

Im vergangenen November starb ein Obdachloser in der Hansestadt. Der Mann ist aber nicht erfroren. Trotzdem löste sein Tod eine Debatte darüber aus, ob Lübeck genug tut.

Jan Rühmling, Vorsitzender der Obdachlosenhilfe, hatte Spender, Förderer und Mitstreiter zu einer Schiffsfahrt gebeten, um den Start des Herzenswärmebusses zu feiern. „Als wir anfingen, haben wir im Schnitt sechs bis zehn Obdachlose pro Abend versorgt“, sagte Rühmling, „heute treffen wir im Schnitt 25 Personen an.“

Bundesweit werde die Zahl der Menschen ohne Bleibe von geschätzt 800 000 auf 1,2 Millionen steigen, zitierte Rühmling aus Untersuchungen. In Hamburg gebe es offiziell 2000 Obdachlose, berichtete Christina Pillat-Prieß von „Alimaus“, „wir gehen von 3000 Personen aus.“

14 Aktive fahren den Herzenswärmebus

Im Winter 2016/2017 wurde die Lübecker Obdachlosenhilfe gegründet. Vor allem über Facebook gewann die Initiative Mitstreiter. „Wir haben 2600 Follower“, sagte Rühmling. 14 Aktive fahren in diesem Winter die täglichen Touren von Zob und Hauptbahnhof durch die Innenstadt. Beispielsweise Kaja Petersen und Thore Bechtel, die als Team zusammenfahren.

„Ich bin Auszubildende und habe genug zum Leben“, erklärte die 24-jährige Kaja Petersen ihre Motivation, „ich sehe jeden Tag Menschen auf den Straßen, denen es nicht so gut geht und denen ich helfen will.“ Bei ihrem Arbeitskollegen Thore Bechtel (22) fiel die Idee auf fruchtbaren Boden: „Ich wollte etwas Soziales machen.“ Die Obdachlosen seien unendlich dankbar für die Hilfe. Thore Bechtel: „Viele freuen sich über das Essen, aber noch viel mehr über die Gespräche.“

10 000 Euro stellte die Stadt zur Verfügung

10 000 Euro stellten die Sozialpolitiker der Hansestadt für den Kältebus zur Verfügung. Für den symbolischen Preis von 999 Euro gaben die Johanniter den ehemaligen Sanitätsdienst-Wagen an die Obdachlosenhilfe ab. Die Stockelsdorfer Autowerkstatt Gorny rüstete das Fahrzeug in 80 Arbeitsstunden um, ohne Geld dafür zu nehmen.

Vereinsvorsitzender Rühmling bedankte sich bei zahlreichen Institutionen für unentgeltliche Hilfe. Bei der Lübecker Tafel, die Essen bereitstellt, bei der Flüchtlingshilfe, die Kleidung liefert, bei Rechtsanwälten und Steuerberatern, einer Werbeagentur, bei großen Unternehmen wie Erasco, Brüggen und den Schwartauer Werken. Sogar mit dem Stockelsdorfer Bestattungsunternehmen Dabringhaus arbeit die Obdachlosenhilfe zusammen, um verstorbenen Obdachlosen eine ehrenvolle, letzte Ruhe zu erweisen.

Das Fahrzeug versorgt Obdachlose auch im Sommer

Den Gesamtwert des Herzenswärmebusses bezifferte Jan Rühmling mit 20 000 Euro. Im Innenraum des Fahrzeugs gibt es drei Sitzplätze und beidseitig Regalsysteme. Für die Helfer stehen Seifen- und Desinfektionsspender zur Verfügung. Der ehemalige Mannschaftswagen der Johanniter verfügt über eine Standheizung und eine Klimaanlage. Das Blaulicht auf dem Dach wurde gegen ein Gelblicht ausgetauscht, die Lackierung des Fahrzeuges verändert.

Der Herzenswärmebus wird auch im Sommer unterwegs sein, dann allerdings nur drei Mal in der Woche. Denn Hitze könne Obdachlosen genauso zusetzen wie Kälte, wissen die Helfer.

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