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17:45 22.11.2018
Die Berufsfeuerwehr schafft drei neue Drehleitern an – Kosten pro Stück: rund 700 000 Euro. Quelle: 54°/Felix König
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Lübeck

30 neue Stellen für die Berufsfeuerwehr und den Rettungsdienst, drei statt zwei neue Drehleitern und ein neues Feuerlöschboot: Die Hansestadt greift tief ins Stadtsäckel, um die Feuerwehr zu modernisieren. 2,1 Millionen Euro werden die Drehleitern kosten, zwei Millionen das Feuerlöschboot und rund 1,7 Millionen Euro die neuen Stellen. Kann Lübeck sich das leisten? „Ja, Lübeck muss und kann sich das leisten“, stellt Innensenator Ludger Hinsen (CDU) klar, und spricht von „Spar-Orgien der Vergangenheit und sachwidrigen Sparbeschlüssen“.

„Mit den Verstärkungen beim Personal kommt die Feuerwehr jetzt auf den Stand, den alle Berufsfeuerwehren haben sollen“, erklärt der Senator. Insbesondere der gehobene Führungsdienst sei in den vergangenen Jahren in einer Weise ausgedünnt worden, dass komplexere Einsatzlagen kaum noch zu bewältigen gewesen wären. Hinsen: „Lübeck hat einfach Glück gehabt, dass nichts Schlimmes passiert ist. Von den enormen Überstunden und den gesundheitlichen Folgen, die diese Belastungen mit sich brachten und bringen ganz zu schweigen.“

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Feuerwehrchef Bernd Neumann: „Wir schließen zum Standard anderer Wehren auf.“ Quelle: 54°/Christian Schaffrath

Ein Gutachten habe ergeben, dass der Führungsdienst der Berufsfeuerwehr um zehn Stellen aufgestockt werden müssen, um die Arbeit zu bewältigen. Die Stadt muss auch zusätzliche Rettungssanitäter einstellen. „Die Einsätze steigen stetig“, berichtet Feuerwehr-Chef Neumann, „in diesem Jahr werden es mehr als 70 000 sein.“ Dazu zählen neben Notfällen auch Krankentransporte. Täglich würden die Berufsfeuerwehr, der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter-Unfallhilfe 200 Fahrten in der Stadt abwickeln. Die Stellen für den Rettungsdienst werden von den Krankenkassen bezahlt.

1972 wurde das Feuerlöschboot „Senator Emil Peters“ in Dienst gestellt. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Zwei neue Drehleitern hatten die Politiker schon im Juli abgesegnet. Die beiden Fahrzeuge seien 20 Jahre alt, die Unterhaltung werde immer kostspieliger, rechnet Bernd Neumann vor. Deshalb hat die Feuerwehr die Politiker gefragt, ob man nicht gleich noch eine dritte Drehleiter anschaffen sollte. Neumann: „Dann haben wir für 15 Jahre Ruhe.“ Denn die vierte Drehleiter wurde 2017 gekauft, ist also noch neuwertig. Der Auftrag für die neuen Drehleitern soll noch in diesem Jahr herausgehen. Für Ende 2019 erwartet Neumann die Lieferung: „Man kann nicht einfach in einen Laden gehen und ein solches Gefährt mitnehmen.“ Es gebe nur wenige Hersteller – und die Lieferzeiten würden ein bis zwei Jahre betragen.

„Die Fahrzeugtechnik war Gegenstand von sachwidrigen Sparbeschlüssen“, kritisiert Innensenator Hinsen die Politik der Vergangenheit, „ein ohnehin auf Kante genähtes Fahrzeugkonzept wurde zusätzlich über all die letzten Jahre mit Sparauflagen versehen, die teilweise nicht einmal mehr die Hälfte der eigentlich notwendigen Beschaffungen erlaubte.“ Man könne eine Feuerwehr eben nicht ohne Folgen auf Verschleiß fahren. Genau dies sei aber sowohl der Berufs- wie auch der Freiwilligen Feuerwehr in den letzten Jahren widerfahren.

Auch die jahrelangen Debatten um das Feuerlöschboot „Senator Emil Peters“ nähern sich einem Ende. Für einen Ersatz des 46 Jahre alten Bootes werden 2019 und 2020 jeweils eine Million Euro in den Haushalt eingestellt. Hinsen: „Das Boot muss ersetzt werden, denn die Unterhalts- und Reparaturkosten sind inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen.“ Auch falle es immer schwerer, Ersatzteile zu beschaffen, diese müssten mittlerweile zum Teil von Hand gefertigt werden. Das Löschboot absolviert jährlich zwischen sechs und zwölf Einsätzen.

Kai Dordowsky

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