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Lübeck Lübeck legt neue Treibhausgasbilanz vor: Elf Prozent gespart
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Lübeck legt neue Treibhausgasbilanz vor: Elf Prozent gespart

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11:01 17.03.2021
Klimaschutz-Demo am Rittbrook: Anfang Mai vergangenen Jahres verkleideten sich Klimaaktivisten als Eisbären und Bienen.
Klimaschutz-Demo am Rittbrook: Anfang Mai vergangenen Jahres verkleideten sich Klimaaktivisten als Eisbären und Bienen. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Die Hansestadt legt die dritte Treibhausgasbilanz seit 2010 vor. 2019 wurden danach rund 1,5 Millionen Tonnen in Lübeck ausgestoßen. Im Vergleich zur letzten CO2 -Bilanz von 2015 wurden elf Prozent an Treibhausgasen eingespart. „Das reicht bei weitem nicht aus“, sagt die Bereichsleiterin der Umweltbehörde, Birgit Hartmann.

Der Autoverkehr bleibt das Sorgenkind der Lübecker Klimapolitik. Die Autos verbrauchen zwar immer weniger, aber es wird mehr gefahren. Quelle: Holger Kröger

Denn die Hansestadt will bis 2030 auf rund 750 000 Tonnen herunter, um internationale Klimaziele zu erreichen. „Bereits jetzt wird deutlich, dass die ermittelte Reduktion zwischen 2015 und 2019 dafür nicht ausreichend ist“, so Hartmann. Klimaneutralität soll Lübeck 2040 erreichen. Bei dem jetzigen Tempo ist eine Hansestadt ohne klimaschädliche Emissionen erst zum Ende dieses Jahrhunderts erreicht.

Öl- werden gegen Gasheizungen ausgetauscht

Der größte Anteil der CO2 -Emissionen wird durch das Heizen produziert. Etwa 630 000 Tonnen haben die städtischen Fachleute dafür errechnet. Immerhin ist der Ausstoß bei der Wärmeerzeugung seit Jahren rückläufig, weil immer mehr private Haushalte ihre alten Öl- gegen moderne Gasheizungen austauschen.

Die Stromerzeugung verursacht rund 380 000 Tonnen Kohlendioxid und andere klimaschädliche Gase. Auch hier geht der Ausstoß zurück, weil immer mehr Lübeckerinnen und Lübecker auf „grünen“ Strom zurückgreifen.

Birgit Hartmann, Bereichsleiterin der Umweltbehörde: „Es reicht nicht.“ Quelle: Agentur 54°

Das Sorgenkind bleibt der Straßenverkehr. Dort fällt die Abnahme des Treibhausgas-Ausstoßes am geringsten aus. „Die Fahrzeuge werden immer effizienter, aber die Anzahl der zugelassenen Pkw in Lübeck wächst“, erklärt Jan Goedecke von der Klimaleitstelle. Und, so Bereichsleiterin Hartmann: „Es wird mehr Auto gefahren in Lübeck.“ 66 Prozent trägt der private Autoverkehr zur Klimabelastung bei, 28 Prozent der Güterverkehr auf der Straße. Schiffe und Züge sowie der Busverkehr haben nur geringe Anteile.

37 von 63 Klimaschutzmaßnahmen in der Umsetzung

Die vor zwei Jahren gestarteten Bemühungen um mehr Klimaschutz seien in die neueste CO2 -Bilanz noch nicht eingeflossen, sagt Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU). Im Mai 2019 rief die Bürgerschaft für Lübeck den Klimanotstand aus. Größere Maßnahmenpakete sind erst seit vergangenem Jahr in Arbeit. 37 von 63 Maßnahmen zum Klimaschutz würden sich in der Umsetzung befinden, berichtet Birgit Hartmann.

So viele Maßnahmen sind nötig. Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) präsentierte den Politikern vor Jahren die anstehenden Aufgaben zum Klimaschutz. Quelle: Kai Dordowsky

Den großen Durchbruch soll der Masterplan Klimaschutz bringen. In diesem Plan wollen die Fachleute erläutern, wie der CO2 -Ausstoß beispielsweise in privaten Haushalten abgesenkt werden muss, um die Klimaziele zu erreichen. Die Stadt plant im Sommer eine breite Beteiligung der Bürger und Institutionen. Umweltsenator Hinsen spricht von einem völlig neuen Ansatz: „Bisher haben wir geschaut, was können wir machen. Künftig denken wir von den Zielen her.“

Hinsen: Es wird politischen Streit geben

Hinsen ist überzeugt, dass der Masterplan politischen Streit auslösen wird. Bereichsleiterin Birgit Hartmann appelliert an die Politiker, „den Rücken für den Klimaschutz durchzudrücken.“ Ganz konkret: Wenn die Stadt Verträge mit Bauherren und Entwicklern abschließt, müsse sie ihre klimapolitischen Auflagen auch durchsetzen.

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Klimaschutz wird auch viel Geld kosten. Lübeck hofft auf Fördermöglichkeiten. „Ab Ende April darf Lübeck sich Europäische Klimaschutzkommune nennen“, erklärt Birgit Hartmann. Die Stadt habe im Oktober 2019 an dem Qualitätsmanagement- und Zertifizierungsprogramm European-Energy-Award teilgenommen. Ab einer bestimmten Punktzahl werden Kommunen zertifiziert. Birgit Hartmann: „Das ist hilfreich bei Fördermaßnahmen.“

Von Kai Dordowsky