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Lokales Lübeck Lübeck streicht zwei Verkaufssonntage
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14:03 15.12.2018
Rund 100000 Menschen strömen an verkaufsoffenen Sonntagen in die Stadt, sagen Schätzungen. Wirkliche Zahlen gibt es nicht. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Verkaufsoffene Sonntage zu Frühlingsbeginn oder zu Erntedank wird es in Lübeck nicht mehr geben. Der Senat will ab 2019 nur noch zwei Veranstaltungen zulassen. Grund: Die gesetzlichen Auflagen sind in der Vergangenheit gestiegen und Gerichte lassen in anderen Bundesländern immer mehr verkaufsoffene Sonntage platzen. „Mein Ziel ist es, Planungssicherheit für alle Beteiligten zu erreichen“, erklärt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD).

Am Sonntag, 21. Juli haben die Geschäfte in Lübeck von 13 bis 18 Uhr, in Travemünde von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Anlass ist die Travemünder Woche und das Motto lautet „Lübeck klingt zur 130. Travemünder Woche“.

Am Sonntag, 3. November, öffnen die Geschäfte erneut, diesmal in Lübeck und Travemünde von 13 bis 18 Uhr. Das Motto lautet „61. Nordische Filmtage“.

In den vergangenen drei Jahren feierte die Hansestadt „Hallo Frühling“, „Lübeck klingt“, „Eine Stadt feiert Erntedank“ und „Nordische Filmtage“. Olivia Kempke vom Lübeck Management, das die verkaufsoffenen Sonntage organisiert: „Mit ’Hallo Frühling’ hatte ich Bauchschmerzen, weil Frühling kein besonderer Anlass ist.“ Auch Erntedank sei überall, nicht nur in Lübeck. „Die Förderung des Einzelhandels darf kein Grund zur Ladenöffnung sein“, betont der Bürgermeister. Der zuständige Innensenator Ludger Hinsen (CDU): „Ein Anlass darf einen verkaufsoffenen Sonntag nach sich ziehen, aber es darf nicht umgekehrt ein Anlass geschaffen werden, um einen Sonntag verkaufsoffen zu halten.“

„Wir bedauern diese Reduzierung“, sagt Sascha Warnke, Center-Manager des Citti-Parks, „in anderen Städten gibt es diese Sorgen nicht.“ Zwei Sonntage weniger würden hohe Umsatzausfälle bedeuten. An diesen Shopping-Tagen kommen rund 20000 Kunden in den Citti-Park. Warnken: „Viele Kunden kommen aus dem Umland, und die kommen nicht an einem Montag oder Dienstag.“ Der Handelsverband Nord spricht von „einem schlechten Signal“. Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt: „Verkaufsoffene Sonntage sind für den Handel durchaus wichtig.“

Das sagen Experten

Böckenholt bestätigt, dass die gesetzlichen Hürden so hoch gehängt wurden, „dass ein verkaufsoffener Sonntag kaum noch zu verwirklichen ist.“ In der Stadt muss es ein herausragendes Ereignis geben wie beispielsweise das Hansekulturfestival. Die Menschen müssen wegen dieser Veranstaltung in die Stadt strömen und nicht wegen der geöffneten Geschäfte. Die Stadt muss zudem Zählungen und Befragungen vornehmen, um die Motive der Besucher und deren Zahl zu ermitteln. „Wir haben in Lübeck nicht einmal Passanten-Frequenzmessungen“, sagt Olivia Kempke vom Lübeck Management.

Zwei Anlässe genügen den Kriterien

„Es gibt zwei Anlässe, die den Kriterien stadtweit genügen“, erklärt Innensenator Hinsen. Am 21. Juli öffnen die Geschäfte ihre Türen während der Travemünder Woche. Kempke: „Das Event muss von Travemünde in die Stadt getragen werden, einfach die Tür aufzuschließen, wird nicht reichen.“ Als unstrittig gilt der verkaufsoffene Sonntag am 3. November zu den Nordischen Filmtagen. Kempke: „Die Filmtage sind international bekannt und locken viele Menschen in die Stadt, die Hotels sind ausgebucht.

Der größte Alptraum des Einzelhandels ist, wenn die Gewerkschaft Verdi wenige Tage vor einem verkaufsoffenen Sonntag eine gerichtliche Verfügung erstreitet und das Ereignis abgesagt werden muss. In Nordrhein-Westfalen habe Verdi zahlreiche verkaufsoffene Sonntage gekippt, berichtet Olivia Kempke. In Schleswig-Holstein gab es noch keine Klagen von Verdi. „Wir haben bisher nicht geklagt, aber das kann sich ja ändern“, erklärt Matthias Baumgart, Fachbereichsleiter Handel von Verdi für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Baumgart bezeichnet die Reduzierung der Tage in Lübeck „als gutes Signal und klare Botschaft“. Auch die evangelische Kirche kann mit den Absagen leben, obwohl ein verkaufsoffener Sonntag mit Erntedank verknüpft war. „Es ist gut, dass es in Lübeck nur vier Tage waren“, sagt Pröpstin Petra Kallies, „und dass es noch weniger werden, begrüßen wir grundsätzlich.“ Der Tag sollte den Gottesdiensten und der Freizeit der Menschen vorbehalten bleiben.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck begrüßt die Entscheidung des Senats. Damit werde den teilnehmenden Unternehmen ausreichend Rechts- und Planungssicherheit gegeben, sagt Rüdiger Schacht, Leiter Standortpolitik der IHK. Diese Regelung sollte aber in allen Kommunen angewandt werden, „um keine Wettbewerbsverzerrung zwischen den Handelsstandorten im Lande zu provozieren. IHK, Handelsverband und Lübeck Management fordern den Gesetzgeber auf, endlich für klare Verhältnisse zu sorgen. Das Ziel lautet: Vier Mal im Jahr sonntags öffnen – ohne einen besonderen Anlass.

Kai Dordowsky

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