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Lokales Lübeck Lübeck wird Anteile an Kohlekraftwerk in NRW nicht los
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20:48 04.10.2019
Die Beteiligung der Stadtwerke am Steinkohlekraftwerk in Lünen ist ein Minusgeschäft. Quelle: Trianel GmbH
Lübeck

„Ein historischer Schritt in der Geschichte der Stadtwerke“, schrieben die LN 2006, als der Aufsichtsrat des kommunalen Versorgers (Strom, Gas, Wasser, Wärme) beschloss, in die Stromerzeugung einzusteigen, Anteile an einem hochmodernen Steinkohlekraftwerk zu erwerben und nicht mehr nur Energie zu verteilen. 13 Jahre später hat sich die Lage vollkommen verändert. Kohlekraft gilt angesichts des Klimawandels als nicht mehr zeitgemäß.

Stadtwerke soll Anteile am Kohlekraftwerk verkaufen

Auf der jüngsten Einwohnerversammlung im Juni forderte eine Vertreterin der Jugendbewegung Fridays for Future, dass die Stadtwerke sich von ihrer Beteiligung am Steinkohlekraftwerk Lünen trennen sollen. Das haben die Grünen auch schon gefordert – in ihrem Mitte Mai veröffentlichten Zehn-Punkte-Plan für den Klimaschutz.

Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) erklärte in der Einwohnerversammlung, dass der Verkauf der Anteile von 2,1 Prozent schon lange beschlossen sei, es aber ein Problem gebe: Niemand will die Lübecker Anteile an dem Steinkohlekraftwerk in Lünen haben.

Gemeinsames Kraftwerk seit 2008

Im Mai 2008 gründeten 31 Stadtwerke die Trianel Kohlekraftwerk Lünen GmbH. Der Plan war, gemeinsam ein Steinkohlekraftwerk zu bauen und den darin produzierten Strom zu verkaufen. „Das ist eine unternehmerische Entscheidung, die in die richtige Richtung führt“, sagte der damalige Stadtwerke-Chef Kurt Kuhn. Der kommunale Versorger wollte dadurch ein Stück unabhängiger von den Strombörsen werden.

Die Stadtwerke erwarben zunächst fünf Prozent der Anteile, stießen aber kurz darauf knapp drei Prozent wieder ab, weil sie Geld für ein anderes Projekt brauchten, das aber nie verwirklicht wurde. Aus heutiger Sicht ist das ein Segen, denn fünf Prozent am Steinkohlekraftwerk würden sie heute erst recht nicht los werden.

Käufer für Anteile über drei Millionen Euro gesucht

Auch für die verbliebenen 2,1 Prozent im Wert von drei Millionen Euro suchten die Stadtwerke einen Käufer –lange, bevor Klimaschutz zum alles beherrschenden Thema wurde. Sogar schon, bevor Lünen überhaupt den Betrieb aufnahm. 2011 gab es die ersten Überlegungen, seit 2013 produziert Lünen Strom. Grund sei der enorme Preisverfall für Kohlestrom an den Börsen gewesen, erklärt Stadtwerke-Sprecher Lars Hertrampf auf Anfrage.

Energie aus Steinkohle ist unattraktiv

Nach der Katastrophe mit den Atomkraftwerken im japanischen Fukushima 2011 wurden in Deutschland die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut. Zugleich liefern Braunkohlekraftwerke billigeren Strom an die Börsen. Energie aus Steinkohlekraftwerken sei für den Markt nicht attraktiv, sagt Hertrampf. Die Folge: Statt bis zu 8000 Stunden im Jahr produziert Lünen nur 5500 Stunden im Jahr Strom.

Kraftwerk in Lünen ist Minusgeschäft

Die Stadtwerke müssen bestimmte Mengen Strom aus Lünen zu bestimmten Preisen abnehmen, können ihn aber nur zu schlechteren Preisen verkaufen. Das Ganze ist ein Minusgeschäft, das auf die Bilanz durchschlägt. Nach LN-Informationen bilden die Stadtwerke regelmäßig Rückstellungen zum Ausgleich der Verluste – aktuell stehen 15 Millionen Euro dafür in den Büchern.

Gespräche über Verkauf scheiterten

Das macht die Anteile unverkäuflich. Denn der Käufer müsste nicht nur die Strommengen abnehmen, sondern auch die Verluste ausgleichen. Trotzdem sprach 2017 ein regionaler Versorger aus Niedersachsen vor. Man kam nicht überein. Im Sommer 2018 wurde sogar mit vier Interessenten verhandelt, aber auch diese Gespräche sind geplatzt.

„Aus damaliger Sicht war das eine richtige Entscheidung“, erklärt Andreas Zander (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, „da sich die Strompreise anders als geplant entwickelt haben und inzwischen der Kohleausstieg kommen wird, sind die Anteile unverkäuflich.“

Von Kai Dordowsky

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