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Lübeck Lübeck würde den Flughafen notfalls wieder selbst betreiben
Lokales Lübeck Lübeck würde den Flughafen notfalls wieder selbst betreiben
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22:42 25.06.2014
Weg von den Fluglinien wie Ryan Air oder Wizz Air: Die Stadt will im Notfall den Flughafen mit abgespecktem Konzept übernehmen. Quelle: dpa
Lübeck

Das ist der Plan B: Die Stadt will den insolventen Flughafen Lübeck übernehmen, wenn kein Investor einsteigt. Das geht aus dem nicht-öffentlichen Papier hervor, dass am Dienstagabend im Hauptausschuss debattiert wurde. Die Stadt würde Blankensee ab dem 1. August als Verkehrsflughafen betreiben. Der Schwerpunkt liegt dabei dann nicht mehr auf Linienflügen mit Ryanair oder Wizz Air, der Flughafen würde sich auf Charter- oder Sonderflüge konzentrieren. Statt der jetzt 93 Mitarbeiter würden nur noch 25 in Blankensee beschäftigt. Die Kosten werden auf jährlich eine Million Euro taxiert. Das Geld soll durch den Verkauf von 20 Hektar in der Nähe des Airports hereinkommen. Geschätzte Einnahme: vier Millionen Euro.

„Die Flughafen-Infrastruktur soll nicht verloren gehen“, begründet SPD-Wirtschaftssenator Sven Schindler das Vorhaben. Denn die Stadt will damit die Betriebsgenehmigung in Blankensee in der jetzigen Form sichern und den Flughafen als sogenannte „langfristige Kapazitätsreserven“ erhalten. Schindler sagt: „In der Metropolregion Hamburg wäre eine dritte Start- und Landebahn sinnvoll.“

Alternativ hat die Stadt auch das Thema Abwicklung des Flughafens in dem Papier dargelegt. Die Kosten: zwischen 10,7 und 38,5 Millionen Euro. Die Option eines Sonderlandeplatzes für Segelflieger lehnt die Stadt ab. Würde die Betriebsgenehmigung dafür heruntergestuft, sei dann eine spätere Rückkehr zum Betrieb mit Linienflügen ausgeschlossen, heißt es.

Weiterlesen: Stadt legt Plan B für den insolventen Flughafen vor

Wegen der Zukunft des Airports ist eine Sondersitzung der Bürgerschaft anberaumt – am Donnerstag, 10. Juli. Sollte der Insolvenzverwalter Klaus Pannen bis dahin einen Geldgeber präsentieren, der den insolventen Flughafen übernimmt, müssen die Politiker über einen Vertrag mit dem neuen Investor entscheiden. Denn die Flughafen-Flächen gehören der Stadt. Wenn es aber niemanden gibt, der den Airport übernehmen will, wird der vorgelegte Plan B debattiert.

Klar ist: SPD und Grüne lehnen eine Übernahme des Flughafens durch die Stadt ab. „Es gibt keine Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. „Ich bin fassungslos, dass der Bürgermeister das vorschlägt“, erklärt Grünen-Vormann Thorsten Fürter. Linken-Fraktionsvize Ragnar Lüttke: „Es gibt keinen Cent mehr für den Flughafen.“ SPD, Grüne und Linke favorisieren einen Sonderlandeplatz für Segelflieger, wenn es keinen Investor für den Flughafen gibt. CDU und BfL sehen das anders. „Bevor wir 40 Millionen Euro in die Abwicklung stecken, sollten wir den Flughafen auf kleiner Flamme betreiben“, so CDU-Fraktionschef Andreas Zander. BfL-Vormann Marcel Niewöhner: „Wir müssen den Airport auf jeden Fall erhalten.“

Zum Thema: Sondersitzung der Bürgerschaft - Investor steht bereit

Ryanair sagt Pisa-Flüge komplett ab

Die irische Fluggesellschaft zieht sich fast völlig aus Lübeck zurück. Ryanair-Flüge für August von und nach Lübeck sind bereits abgesagt, jetzt werden auch die Pisa-Flüge für September und Oktober gestrichen. „Dies ist notwendig, um unsere Kunden vor etwaigen Betriebsstörungen zu schützen“, sagt Sprecher Robin Kiely. Damit fliegt Ryanair nur noch im September und Oktober nach Palma de Mallorca und Bergamo/Mailand.

Von Josephine von Zastrow