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Lübeck Lübecker Aktionswoche wirbt für behutsamen Umgang mit Alkohol
Lokales Lübeck Lübecker Aktionswoche wirbt für behutsamen Umgang mit Alkohol
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15:46 10.05.2019
Organisieren die Aktionswoche Alkohol: Uwe Krimpe (Clean ist Cool), Stine Staben (Gesundheitsamt Lübeck), Tina Knappik (Diakonie-Suchtberatung), Gosbert Nebel (Guttempler Lübeck) und Peter Röhling (Perle Lübeck).
Organisieren die Aktionswoche Alkohol: Uwe Krimpe (Clean ist Cool), Stine Staben (Gesundheitsamt Lübeck), Tina Knappik (Diakonie-Suchtberatung), Gosbert Nebel (Guttempler Lübeck) und Peter Röhling (Perle Lübeck). Quelle: Friederike Grabitz
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 Am Ende trank er eine Flasche Schnaps am Tag. „Ich brauchte das, um zu funktionieren, und lange hat es keiner gemerkt“, sagt Gosbert Nebel. Dreißig Jahre hat er Alkohol getrunken, davon war er die letzten zehn süchtig. „Bei der Arbeit habe ich keinen Tag wegen meiner Sucht gefehlt“, sagt der Modedesigner. „Ich habe die besten Entwürfe und Zuschnitte gemacht. Aber irgendwann ist es gekippt.“ Da hat sein Chef ihn vor die Option gestellt: Entweder ein Entzug oder die Kündigung.

Aus der Abhängigkeit zum Suchtberater

Er entschied sich für eine Therapie. Heute ist der Lübecker Suchtberater im Selbsthilfe-Netzwerk der Guttempler und hilft Menschen aus der Alkoholabhängigkeit heraus. Gemeinsam mit anderen Suchtberatern und dem Gesundheitsamt der Hansestadt organisiert er in Lübeck die „Aktionswoche Alkohol“, die alle zwei Jahre bundesweit stattfindet. Mit verschiedenen Veranstaltungen und einem Aktionstag am 25. Mai auf dem Klingenberg hat sie diesmal den Themenschwerpunkt „Kein Alkohol am Arbeitsplatz!“.

Vielfach unterschätzte Droge

Mehr als 96 Prozent der Deutschen trinken gelegentlich oder regelmäßig. Die Grenzen zur Abhängigkeit und schließlich zur (körperlichen) Sucht sind fließend: „Entscheidend ist, ob Alkohol noch ein Genussmittel ist oder eine Funktion erfüllt, zum Beispiel gegen Stress“, sagt Tina Knappik von der Suchtberatungsstelle der Vorwerker Diakonie. Weil es eine alltägliche und vielfach unterschätzte Droge ist, „kommen Betroffene oft erst nach zehn Jahren exzessiven Konsums in die Beratung“. Alkohol tötet jedes Jahr mindestens 74 000 Menschen. Zum Vergleich: An illegalen Drogen starben 2018 knapp 1300 Menschen.

Für behutsamen Umgang mit Alkohol

In der Selbsthilfe gibt es unterschiedliche Strategien. So setzen die Anonymen Alkoholiker auf komplette Abstinenz. Sie sind bei der Aktionswoche nicht dabei, weil diese unter dem Motto „Weniger ist besser!“ für einen behutsamen Umgang mit der Droge wirbt. Der erste Vorsitzende des Vereins Clean ist Cool (CliC), Uwe Krimpe, grenzt sich von der Abstinenzbewegung ab, „weil ich mich selbst nie als krank gesehen habe. Ich habe mein Alkoholproblem überwunden, weil ich mich persönlich entwickeln wollte.“

Alkoholsucht, sagt Nebel, sei ein Tabuthema: „Gerade Jugendliche sind oft überrascht, dass ganz normale Menschen Alkoholiker sein können.“ Doch wie seine eigene Geschichte zeigt, sitzt der Großteil der Betroffenen „eben nicht mit Bierdose und roter Nase auf der Straße“.

Sucht-Ansprechpartner in den Betrieben

Um betroffenen Mitarbeitern zu helfen, bieten einige große Betriebe Unterstützung durch speziell geschulte Sucht-Ansprechpartner an. „Das rechnet sich auch“, sagt Uwe Krimpe. „Wenn ein Mitarbeiter aus dem Entzug zurückkommt, bleiben seine Kenntnisse im Betrieb. Er leistet mehr und ist in der Regel loyaler.“ Ehemalige Alkoholiker seien oft besonders charakterstark und diszipliniert. „Sie haben einen Bonus. Schließlich haben sie es geschafft, aus der Sucht auszubrechen.“

Informationen zur Aktionswoche:www.aktionswoche-alkohol.de.

Friederike Grabitz

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