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Lübeck Lübecker Biologe fordert Vogelschutzinsel in der Pötenitzer Wiek
Lokales Lübeck Lübecker Biologe fordert Vogelschutzinsel in der Pötenitzer Wiek
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20:00 14.07.2019
Flussseeschwalben haben eine kleine, künstliche Insel in der Pötenitzer Wiek erobert. Brut- und Zugvögel brauchen noch viel mehr Platz. Der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer kämpft für eine Vogelinsel, aber das Projekt kommt nicht voran. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Travemünde

 Matthias Braun startet den Außenbordmotor der „Hyla“. Der „Laubfrosch“, ein 2009 gebautes Boot mit flachem Boden, dient zum Transport von Tieren, Geräten und Vogelkundlern. „Wir kommen damit in Gegenden, die mit dem Auto gar nicht und zu Fuß nur mühsam zu erreichen sind“, erklärt der Vorsitzende des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer.

Matthias Braun und Sina-Katharina Wohlgemuth, Leiterin der Naturwerkstatt auf dem Priwall, haben LN-Journalisten zur Bootstour eingeladen. Sie zeigen, an welcher Stelle der Pötenitzer Wiek eine riesige Düneninsel für Zwerg- und Flussseeschwalbe, für Fluss-, Sand- und Regenpfeifer, für Säbelschnäbler und Austernfischer entstehen soll.

Vogelschutzinsel in Pötenitzer Wiek seit Jahren geplant

Im September 2013 berichteten die LN erstmals über das geplante Vogelparadies. Anfang Juli dieses Jahres erhob der Biologe Braun auf einer öffentlichen Veranstaltung zur Hafenplanung Vorwürfe gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA). „Wir wollen eine Insel in der Pötenitzer Wiek aus Baggeraushub schaffen“, sagte Braun, „aber das WSA macht das nicht. Konkret passiert nichts.“

Aus Unterlagen geht hervor, dass es mehrere Gespräche der Behörden gab. Beteiligt waren das Kieler Umweltministerium, das WSA, die städtische Hafenbehörde LPA, das städtische Umweltamt und der Landschaftspflegeverein. Braun sieht im WSA den Blockierer: „Die haben eine Genehmigung, das Baggergut aus der Trave in der Ostsee zu verklappen. Für die Düneninsel müssten sie ein Planungsverfahren starten, und das wollen sie nicht.“

Seit Jahren ist eine Vogelschutzinsel vor dem Priwall in Lübeck-Travemünde geplant. Passiert ist bislang sehr wenig, kritisiert der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer.

Dabei könnte alles so schön sein. Anstatt alle sechs bis acht Jahre 200 000 Kubikmeter Baggeraushub aus der Trave 35 Kilometer auf die Ostsee hinauszufahren und zu verklappen, könnte das WSA um die Ecke fahren und es an einer Stelle südöstlich des Priwalls in die Pötenitzer Wiek abladen.

Eine Million Kubikmeter Sand werden für Vogelinsel benötigt

Auf einem Baggergutseminar in Rostock hat Braun die wichtigsten Daten für die Düneninsel vorgetragen. Etwa eine Million Kubikmeter Aushub wäre für die Insel nötig, 2045 könnte sie fertig sein. Zehn bis 15 Hektar würde sie groß sein, der Großteil wäre unter Wasser. Die Zahl der Brut- und Zugvögel, die sich hier niederlassen würden, bezeichnet der Biologe „als unendlich“. Braun: „An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste wäre die Düneninsel das größte Brutgebiet.“

Zahlreiche Voruntersuchungen hat es bereits gegeben. Die Insel würde weder ein in der Pötenitzer Wiek verlaufendes Seekabel berühren noch die Übungsfahrten der Seemannsschule. Ausflugsverkehr könne um die Insel herumfahren, sagt Braun. Für die Fischer würde sich die Lage sogar verbessern, behauptet der Biologe: „Die Insel würde einen Flachwasserbereich schaffen, der mehr Lebensqualität für die Fische bietet.“

Derzeit befindet sich in mehreren Metern Tiefe eine Schlammschicht. Meereswissenschaftlerin Wohlgemuth wuchtet eine Bodenprobe aus dem Wasser aufs Deck der „Hyla“: „Hier können wir nichts zerstören, das ist nur Faulschlamm.“

Der Kiebitz ist zurück

Das Kiebitzschutzprojekt des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer, das vom Kieler Umweltministerium gefördert wird, zeigt erste Erfolge: In diesem Frühjahr sind von neun brütenden Kiebitzpaaren aktuell 28 Jungvögel gezählt worden, von denen 22 bereits flügge geworden sind.

Auf dem Priwall brüteten bis Ende der 1960er Jahre durchschnittlich 50 Kiebitz-Paare, rechnet Biologe Matthias Braun vor. „Im Jahr 2000 war dort keiner mehr.“ Der Verein fordert weitere Maßnahmen. Das Brutgebiet müsse erweitert werden, die Vögel vor Füchsen und Marderhunden geschützt und Kiebitzinseln auf Äckern angelegt werden.

Die erste Vogelschutzkolonie der deutschen Küste bestand nach Angaben von Biologe Braun 1909 auf dem Priwall. Zwischen 1914 und 1945 wurde der Priwall militärisch genutzt. Nach Schließung eines Flugplatzes kehrten Kiebitze und Zwergseeschwalben zurück. Doch 1965 wurde die Halbinsel großflächig mit Hybridpappeln aufgeforstet. Küsten- und Wiesenvögel aber benötigen große, freie Landschaften. Erst seit Mitte der 90er Jahre die Pappeln durch Hochwasser absterben, kehren die Vögel wieder zurück.

Es gab Messungen der Strömungsgeschwindigkeit, der Wassertemperatur, des Sauerstoffgehaltes. Es gibt eine Masterarbeit über Baggergutmanagement am Beispiel der Düneninsel. Es gibt einen hochoffiziellen Managementplan Traveförde, in dem von einer „ökologisch nachhaltigen Maßnahme gesprochen wird. Das WSA will sogar das Baggergut unentgeltlich zur Verfügung stellen, aber nicht als Planungsträger auftreten.

Vogelschützer: Zwergseeschwalbe ist akut bedroht

Dem Landschaftspflegeverein läuft die Zeit weg. Eine bestehende, kleine Insel am östlichen Rand der Pötenitzer Wiek, die vor neun Jahren aufgeschüttet wurde, wird von Flussseeschwalben beherrscht. Braun macht sich Sorgen um die Zwergseeschwalben: „Die sind vom Aussterben bedroht. Wir brauchen die große Insel, damit sich die Arten aus dem Weg gehen können.“

Schon eine Ausbaggerung würde genügen, damit 2000 Quadratmeter aus dem Wasser gucken, ist der Biologe überzeugt. Ende 2020 will das WSA die nächste Baggerung in Auftrag geben. Das wird knapp. Der Landschaftspflegeverein überlegt jetzt, die kleine, künstliche Insel vorübergehend zu vergrößern – auf 5000 Quadratmeter. Braun: „Das ist aber bisher nicht mehr als eine Idee.“

Die „Hyla“ erreicht wieder den Passathafen. Nach dem Aussteigen Anruf beim WSA und bei der Generaldirektion in Bonn und eine E-Mail an die LPA. Kann die Düneninsel wirklich daran scheitern, dass keine Behörde die Planung übernehmen will? Bis Redaktionsschluss gab es keine Antworten.

Kai Dordowsky

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