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Lübeck Lübecker Brücken: Stadt stellt Panzersperren unter Denkmalschutz
Lokales Lübeck Lübecker Brücken: Stadt stellt Panzersperren unter Denkmalschutz
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15:22 14.05.2019
Sieht aus wie ein Gulli-Deckel: Die Panzersperren vor der Lübecker Burgtorbrücke stehen unter Denkmalschutz. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Jeder kennt sie. Die Gulli-Deckel vor den Altstadt-Brücken. Jetzt stehen sie unter Denkmalschutz. Denn es sind keine Gullis, sondern Panzersperren. Relikte des Kalten Krieges. Sie sollten die Lübecker Altstadt schützen und verhindern, dass Panzer in die Altstadt fahren. Sie sind alle vor den Brücken im Osten der Altstadtinsel angebracht, denn von dort drohte einst die Gefahr. Damit sind sie Zeitzeugen einer Epoche, die mit dem Mauerfall vor 30 Jahren endete.

Denkmale des Kalten Krieges

„Wir haben die Panzersperren als Denkmale des Kalten Krieges erkannt“, erklärt Irmgard Hunecke, Leiterin der Denkmalpflege. Damit stehen sie jetzt unter Schutz. Errichtet wurden sie in den 1980er Jahren. Warum die Denkmalpfleger sich gerade jetzt um das Thema kümmern? Ursache ist der Abriss der alten Possehlbrücke 2015. Diese Querung hatte Panzersperren, die jetzt weg sind. „Das war der Anlass für uns“, erklärt Hunnecke. Nun untersuchen die Denkmalpfleger die Sache genauer.

Die Possehlbrücke: Sie wird seit 2015 neu gebaut. Die Panzersperren vor der Brücke wurden dabei weggerissen. Quelle: Timon Ruge

Fünf Brücken mit Panzersperren

Denn es gibt noch fünf Querungen mit Panzersperren: Burgtorbrücke, Hüxtertorbrücke, Rehderbrücke, Mühlentorbrücke, Moltkebrücke. Davon stehen als Brücken-Bauwerke bereits unter Denkmalschutz: Burgtor-, Hüxtertor- und Mühlentorbrücke. Bei der Rehderbrücke wird gerade geprüft, ob sie als Bauwerk ebenfalls unter Schutz gestellt wird. Das grundsätzliche Problem: Die Brücken gehören der Stadt, aber die Panzersperren gehören der Bundeswehr. Brisant dabei: „Es gibt einen gültigen Bundeswehr-Befehl, zum Abbau der Anlagen“, erklärt der Archäologe Dirk Rieger. Doch bisher hat die Bundeswehr die Panzersperren gelassen, wo sie sind.

Die Panzersperren gehören der Bundeswehr

Völlig unklar sind daher zwei Dinge. Nummer eins: Was ist wichtiger – der Denkmalschutz der Panzersperren oder der Befehl der Bundeswehr zum Abriss der Panzersperren? Eine mögliche Lösung: „Es könnte ein Angebot des Bundes kommen, dass die Stadt die Panzersperren übernehmen muss“, sagt Hunnecke. Das kostet aber Geld. Denn dann müsste die Stadt für deren Erhalt aufkommen. Nummer zwei: Die Brücken sind allesamt marode. Wenn sie saniert werden, was passiert dann mit den denkmalgeschützten Panzersperren? Sie können dann nicht mehr abgerissen werden wie bei der Possehlbrücke. Möglicherweise müsste außen drumherum gebaut werden oder die alten Panzersperren in die neue Brücke eingesetzt werden.

Alle Lübecker Problem-Brücken in unserem multimedialen Brücken-Check: http://multimedia.ln-online.de/lubecks-brucken-alle-sanierungen-alle-baustellen

So funktionieren die Panzersperren

Im Detail: Die Panzersperren bestehen aus mehr Teilen als den sichtbaren Gulli-Deckeln. Grob gesagt setzen sie sich aus drei Elementen zusammen. Erstens: einem massiven Riegel aus Stahl. Er ist unsichtbar, weil er vor den Brücken im Boden versenkt ist. Wahrscheinlich ist er mehr als 2,50 Meter tief. Zweitens: Es gibt die sichtbaren Gullideckel vor den Brücken. Darunter befinden sich die Öffnungen für die Panzersperren. Drittens: Diese Sperren sind T-Träger aus Stahl, ähneln überdimensionierten Pollern in Kreuz-Form. Sie sind 2,20 Meter lang und rund – wiegen 81,5 Kilo. Wo sie genau lagern, ist unklar. Wahrscheinlich in dem Munitionslager in der Wüstenei im Westen der Stadt oder in einer Panzerhalle. Konkret: Diese Sperren werden in die Öffnungen gesteckt und heißen daher auch Stecksperren. Sie sollten die Panzer von der Einfahrt in die Altstadt abhalten. Rieger: „Einmal eingesteckt kommen sie dort nie wieder heraus.“

Die Mühlentorbrücke vor der Altstadt: Das Bauwerk steht bereits unter Denkmalschutz. Jetzt sind auch die Panzersperren vor der Querung ein Denkmal. Quelle: Timon Ruge

Geschwärzte Unterlagen von der Bundeswehr

Allerdings: Die Denkmalpfleger kriegen kaum Informationen über diese Panzersperren. Die hütet die Bundeswehr. „Die Unterlagen sind unter Verschluss und teilweise geschwärzt“, sagt Rieger. Das Problem: Die Denkmalpfleger müssen begründen, warum sie die Panzersperren für schützenswert halten. Denn das müssen sie dem Eigentümer mitteilen. Aber im Fall der Panzersperren ist der Eigentümer die Bundeswehr – und die rückt die Unterlagen nur teilweise heraus. „Wir kriegen kaum belegbare Auskunft“, sagt Rieger. Aber klar ist: „Die Panzersperren sind nicht für Sprengladungen vorgesehen.“

Panzersperren sind mehr als Gulli-Deckel

Für Stadt-Archivchef Jan Lokers ist klar, dass die Panzersperren erhalten bleiben müssen. „Es gibt kaum Denkmale des Kalten Krieges in Lübeck.“ Aber AfD-Mann Heiko Steffen warnt: „Ich sehe die Gefahr, dass die Lübecker vor den Brücken im Stau stehen.“ Wenn die Brücken wegen der denkmalgeschützten Panzersperren nicht oder nur teilweise saniert werden. „Der Bürger kann die Panzersperren nur als Gullli-Deckel wahrnehmen.“ Lokers widerspricht. „Es geht darum Verständnis zu wecken, dass es mehr als Gulli-Deckel sind.“

Josephine von Zastrow

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