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Lübeck Lübecker Familie kämpft ums Überleben
Lokales Lübeck Lübecker Familie kämpft ums Überleben
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09:18 27.04.2014
Die kleine Johanna (6) und ihre Mutter kämpfen gegen Blutkrebs.
Die kleine Johanna (6) und ihre Mutter kämpfen gegen Blutkrebs. Quelle: Fotos: Privat
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Lübeck

Es sind bittere Wochen für eine Lübecker Familie: Bei der 32-jährigen Diana ist vor wenigen Wochen akute Leukämie diagnostiziert worden. Ohne medizinische Hilfe hätte sie nur noch wenige Monate zu leben. Doch es kam noch schlimmer: Nur kurze Zeit später bekam die Familie die traurige Mitteilung, dass auch Tochter Johanna (6) an Blutkrebs leidet. „Dass beide betroffen sind, ist sehr selten und besonders tragisch“, erklärt Sascha Bernot von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). „Es gibt keine auswertbaren Statistiken darüber, ob Blutkrebs vererbbar ist. In diesem Fall liegt das nahe, aber genau wissen kann man das nicht.“

Weiterlesen: Typisierungsaufruf für Johanna und Diana

Während Mutter und Tochter in einer Spezialklinik behandelt werden, läuft in Lübeck eine große Hilfswelle an: Am 10. Mai findet eine große Typisierungsaktion statt, bei der sich Menschen zwischen 18 und 55 Jahren bei der DKMS registrieren lassen können. Denn: Bei Blutkrebspatienten vermehren sich bösartige Blutzellen unkontrolliert, die Blutbildung ist gestört. Die Krankheit kann oft nur durch eine Stammzellspende besiegt werden.

Federführend bei der Aktion sind Bekannte der Familie aus der Kirchengemeinde. Eine Initiativgruppe von neun Leuten hat sich gebildet, um möglichst viele Menschen zu informieren und den Termin vorzubereiten. „Die Rückmeldungen sind überwältigend“, sagt Simon Egehave (34). Vor zwei Wochen hat er mit seiner Frau Anica (34) eine Facebook-Seite gegründet. Die Nachricht verbreitet sich dort wie ein Lauffeuer: Mehr als 950 „Gefällt-mir“-Angaben gab es in kürzester Zeit, Menschen bieten ihre Hilfe an. „Wir werden uns testen lassen, um euch helfen zu können (. . .) Wir denken ganz fest an euch (. . .)“, schreibt etwa Sabrina Ebert in dem Portal. „Ich wünsche Euch ganz ganz viel Kraft und dass schnell ein Spender gefunden wird“, sagt Melanie Najm. Saskia Maria Brandenburg und Inga Kammler-Schmidt helfen spontan dabei, die ersten Flyer zu verteilen. Spender berichten von ihren Erfahrungen und verbreiten die Aktion weiter. Der Lübecker Verein Vermisste Kinder Deutschland hat am vergangenen Wochenende bei einer Osteraktion Geld gesammelt und zudem 10 000 Flugblätter drucken lassen, die heute zwischen 10 und 16 Uhr in der Breiten Straße verteilt werden. „Wir dachten, die Welt kennt keine Hilfsbereitschaft mehr. Aber es gibt noch Menschen, die uneigennützig sind“, ist Simon Egehave dankbar. „Es hat sich jetzt schon gelohnt.“ Trotzdem arbeitet das Helferteam am Limit. Eine solche Aktion hat es laut DKMS in den letzten 15 Jahren in Lübeck nicht gegeben. „Viele Menschen sind hier noch nicht registriert“, so Sascha Bernot.

Zur Typisierungsaktion werden etwa 1000 Leute erwartet. Geplant wird aber mit einem Maximum von 2000. „Wir sprechen Freunde an, ob sie Blutproben entnehmen“, sagt Anica Egehave, die genau wie ihr Mann aus dem medizinischen Bereich kommt. Zudem muss ein Arzt anwesend sein, ein Notfallkoffer muss besorgt werden — und rund 30 Personen müssen Daten notieren. Andere Helfer sind dabei, Sponsoren zu gewinnen — die größte Herausforderung. Denn jede Typisierung kostet 50 Euro. Es wird für die Bestimmung der Gewebemerkmale im Labor benötigt. „Jeder kann sich kostenlos registrieren lassen.

Spenden sind deshalb enorm wichtig“, sagt Simon Egehave. Auch zehn oder 20 Euro sind möglich. Die Initiativgruppe hofft auf größere Summen von Firmen und Stiftungen.

Vielleicht wird ein passender Stammzellen-Spender gefunden. „Diana und Johanna sind sich bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist“, so Egehave. Doch Hoffnung gibt es immer. „Durch die Aktion bekommen auch viele andere Betroffene eine Chance, zu leben.“

Freiwillige gesucht
Die Typisierungsaktion findet am Sonnabend, 10. Mai, von 10 bis 16 Uhr in der Neuapostolischen Kirche im Ellerbrook 2-14 statt. Menschen von 18 bis 55 Jahren kommen infrage.


Was wird gemacht? Es wird eine kleine Blutprobe (fünf Milliliter) oder ein Wangenschleimhautabstrich entnommen. Die Proben werden dann ins Labor geschickt. Diese Daten werden anonym im Zentralen Knochenmarkregister in Ulm (ZKRD) gespeichert und stehen weltweit zur Verfügung.
Ist ein Spender gefunden, werden in der Regel lediglich mit einem Verfahren Stammzellen aus dem Blut gesammelt. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich zu spenden, beträgt etwa 1,5 Prozent.
Es werden dringend Geldspenden benötigt, um diese Lübecker Aktion zu finanzieren.

DKMS-Spendenkonto:

IBAN: DE 2310 0708 4801 5123 1810
BIC: DEUTDEDB110
Berliner Bank

Irene Burow