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Lübeck Lübecker Forscher entwickeln Box für Zelltransporte
Lokales Lübeck Lübecker Forscher entwickeln Box für Zelltransporte
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08:27 23.05.2018
Präsentieren die Box: Dr. Philipp Ciba (l.) und Diplom-Ingenieur Dennis Wendt. Quelle: Felix König
Lübeck

Forscher Dr. Philipp Ciba arbeitet mit echten Sensibelchen – „könnte man so sagen“, bestätigt der Arbeitsgruppenleiter der Lübecker Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik, EMB abgekürzt. Denn am wohlsten fühlt sich sein „Labor-Experimentiermaterial“ in einem großen Brutschrank, auch Inkubator genannt, also in einem klar definierten, warmen Mikroklima mit eng geregelten Luftfeuchtigkeits- und Temperatur-Bedingungen.

„So ein Brutschrank steht daher in jedem Labor“, sagt er und zeigt auf ein entsprechendes, schwergewichtiges Exemplar in der Raumecke. Doch was ist, wenn sich auch andere Wissenschaftler, zum Beispiel Kooperationspartner in einem Forschungsverbund, für „seine“ Zellen interessieren und folglich die Zellen per Warensendung verschickt werden müssen? „Bisher ist es Standard, dass sie in Trockeneis verpackt tiefgekühlt werden und dann am Zielort wieder aufgetaut werden müssen“, berichtet der Wissenschaftler.

Ein Vorgehen, dass jedoch häufig nicht bei jedem Winzling auf Verständnis stößt. „Bei vielen Zelltypen ist vor allem das Auftauen an sich problematisch“, weiß Ciba, „sie können bei dem Vorgang sogar absterben, oder es gehen dabei spezielle, wichtige Zellfunktionen verloren.“ Entsprechend wird es oft problematisch, die Resultate aus Versuchen mit frischen Zellen direkt mit den Ergebnissen aus Experimenten mit aufgetauten Zellen in Beziehung zu setzen. „Forschung lebt aber von Reproduzierbarkeit“, erklärt Biologe Ciba.

Angesichts dieser Problematik verwundert es nicht, dass die Transport-Optimierung im Fraunhofer-Institut zum Thema wurde. „Ja, die Idee entstand vor längerer Zeit aus dem Eigenbedarf und aus einer gewissen Sach- und Fachkenntnis heraus“, berichtet Dennis Wendt. Der Diplom-Ingenieur ist zuständig für Geräteentwicklung und 3-D-Prototyping am Mönkhofer Weg. Entsprechend sei eine „Vor-Vor-Vor-Vor-Version“ des momentanen Zellbox-Prototypen entstanden. „Diese einfache Kiste haben wir weiter optimiert, damit einen Investor überzeugt, der ebenfalls den großen Bedarf für diese Innovation erkannt hat, und schließlich eine Firma, die Cellbox Solutions GmbH gegründet“, so Wendt.

Im Herbst nun soll der mobile Mini-Brutschrank – Gewicht 16 Kilogramm – auf den Markt kommen. Er macht es möglich, acht normierte Multiwell-Platten mit Zellkulturen zu versenden. „Die Dienstleister für Biomedizinprodukte, mit denen wir gesprochen haben, versicherten, dass es so möglich ist, die vitalen Zellen in 48 Stunden wohlbehalten an fast jeden Ort der Welt zu liefern“, erklärt Ciba. Es sei zwar kein Hightech-Produkt – „es ist aber eine komplexe Zusammenführung und Weiterentwicklung von verschiedenen Technologien in einem kompakten Format“, resümiert sein Kollege Wendt.

 Von Michael Hollinde

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