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Lübeck Lübecker Genossenschaft baut große Solaranlagen – außerhalb von Lübeck
Lokales Lübeck Lübecker Genossenschaft baut große Solaranlagen – außerhalb von Lübeck
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07:00 10.10.2019
Auf gewaltigen Rinderställen einer Agrargenossenschaft in Laase bei Schwerin hat die Bürgerenergiegenossenschaft Lübeck Solaranlagen gebaut, die Strom für rund 300 Haushalte liefern. Quelle: Bürgerenergiegenossenschaft/HFR
Lübeck

Die vor sechs Jahren gegründete Bürgerenergiegenossenschaft hat außerhalb von Lübeck drei große Solaranlagen errichtet. In Laase bei Schwerin wurden gewaltige Rinderställe sowie eine Maschinenhalle mit Photovoltaikanlagen bestückt. In Büchsenschinken bei Reinbek setzte die Genossenschaft eine Solaranlage auf das Dach eines Reiterhofes. Insgesamt investierte die Genossenschaft gut eine Million Euro. Die beiden Anlagen in Laase produzieren Sonnenstrom für rund 300 Haushalte. Die Anlage in Büchsenschinken kommt ebenfalls auf diese Leistung.

2013 gegründet

2013 gründeten Bürger die Energiegenossenschaft Lübeck. Sie hatte zunächst ein ehrgeiziges Ziel, wollte Anteile der Stadtwerke vom dänischen Mitinhaber Dong kaufen. Dieser Plan zerschlug sich, die Aachener Stawag übernahm die Anteile. Die Bürgerenergiegenossenschaft sucht seitdem Projekte, mit denen sie in größerem Umfang Strom produzieren kann. Langfristiges Ziel ist zudem die eigene Vermarktung von grüner Energie.

Derzeit zählt die Genossenschaft knapp 180 Mitglieder, die Anteile über fast 350 000 Euro gezeichnet haben. Der Mindestanteil beträgt 250 Euro. Bislang schüttet die Genossenschaft keine Dividende aus, das sei aber für die Zukunft geplant, sagt der Vorstand.

„Die Agrargenossenschaft in Laase ist auf uns zugekommen“, berichten Ralf Giercke, Friedrich Weigel und Peter Parge von der Bürgerenergiegenossenschaft. Die Bauern bekommen für die Nutzung ihrer Dächer eine Pacht. Der Solarstrom wird beim dortigen Netzbetreiber eingespeist. Die Lübecker Genossenschaft verdient mit dem Projekt Geld.

„Auch der Reiterhof in Büchsenschinken hat bei uns angefragt“, erklären die Vorstandsmitglieder. 52 Gutachten mussten für die Umsetzung eingeholt werden. Die Anlage wurde von einer Firma aus Fehmarn gebaut. Das Vorhaben wurde in nur elf Monaten umgesetzt, am 19. Oktober wird die Solaranlage feierlich in Betrieb genommen.

Sauberer Strom: Die aktuellen Projekte der Lübecker Bürgergenossenschaft.

Auch in Lübeck würde die Genossenschaft gerne zwei bis drei große Anlagen bauen. Dächer von Schulen und Sporthallen seien ideal, „aber wir kommen da nicht heran“, erklärt Ralf Giercke. Mal sind es statische Probleme, dann wieder denkmalpflegerische Gründe und auch die Sichtachsen auf das Weltkulturerbe müssen frei bleiben. „Es ist sehr schwierig“, sagt Giercke.

Stadt verfügt über rund 900 Gebäude

Dabei machen die Politiker seit Monaten Druck – nicht zuletzt, nachdem die Bürgerschaft im Mai die Ausrufung des Klimanotstands beschlossen hat. Mehrere Fraktionen fordern, dass die Stadt endlich die Dächer ihrer rund 900 Gebäude für Solaranlagen zur Verfügung stellt – zumindest, wo das möglich ist. Ende August beschloss die Bürgerschaft, dass bei Neubauten oder umfangreichen Gebäudesanierungen grundsätzlich die Anbringung von Solaranlagen geprüft werden muss. Sollte das nicht möglich sein, muss die Verwaltung das vor dem Bauausschuss begründen.

703 Solaranlagen in Lübeck

Laut Umweltbericht der Stadtwerke Lübeck gibt es in Lübeck aktuell 703 Photovoltaikanlagen, vier Windmühlen und ein Wasserkraftwerk. Die gesamte Stromproduktion beträgt 28 Gigawattstunden. Insgesamt werden in Lübeck jährlich 881 Gigawattstunden Strom an Haushalte und Betriebe abgegeben.

„Auch mit Solaranlagen auf freien Flächen sind wir in Lübeck bisher immer gescheitert“, erklärt Peter Parge, der die Öffentlichkeitsarbeit der Genossenschaft leitet. Auf dem früheren Metallhüttengelände wurde der Genossenschaft eine Ausgleichsfläche verweigert, weil dort Zauneidechsen leben, die durch Bautätigkeit gestört oder gar getötet werden könnten.

Vier Freiflächen werden derzeit geprüft

Die Boldwiesenkoppel in Kücknitz, die als nächstes auf dem Plan stand, wird für den Ausbau des Skandinavienkais benötigt. Immerhin hat die Stadtverwaltung für die Genossenschaft mögliche Flächen gesucht. Vier stehen auf dem Prüfstand – die Deponie Niemark, das Klärwerk Ochsenkopf sowie Wiesen in Moisling und Ivendorf.

Stets müssen umfangreiche Gutachten eingeholt werden. „Dafür brauchen wir 100 000 Euro“, rechnet Giercke vor. Die Genossenschaft hat beim Bürgerenergiefonds des Landes einen Antrag auf Förderung gestellt. Aber selbst wenn alles klappt: Bis zum Bau einer großen Solaranlage werden noch Jahre vergehen.

Wasserpflanzen verstopfen das Wasserkraftwerk

Im Februar 2017 übernahm die Genossenschaft von den Stadtwerken die Wasserkraftanlage am Mühlendamm. Die bereitet den Energiebürgern mehr Arbeit als gedacht. „Unsere Mitglieder fischen mittlerweile zwei Mal am Tag Wasserpflanzen aus dem Teich“, erklärt Vorstand Friedrich Weigel, „die Pflanzen verstopfen den Rechen, und dann lässt der Wasserdruck nach.“ Folge: Das Wasserkraftwerk produziert weniger Strom, als möglich wäre. Weigel: „Wir sind verärgert, denn das Freihalten eines Gewässers ist nicht unsere Aufgabe.“

Die Genossenschaft wünscht sich von der Stadt, dass sie die Wasserpflanzen aus dem Mühlenteich herausholt, macht sich aber wenig Hoffnung. Peter Parge: „Die Umweltbehörde sagt uns, dass dabei zu viel zerstört wird.“

Von Kai Dordowsky

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