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Lübeck Missbrauch: Gemeinde geht in die Offensive
Lokales Lübeck Missbrauch: Gemeinde geht in die Offensive
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07:27 29.09.2019
Die Propsteikirche Herz Jesu an der Parade ist die römisch-katholische Hauptkirche Lübecks. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Er trug den Titel „Katholische Kirche in schwerer See...“, der gemeindeinterne Gesprächs- und Diskussionsabend Anfang des Monats in St. Bonifatius in der Wickedestraße. Die Einladung hatte Propst Christoph Giering höchstpersönlich samt Pastoralteam ausgesprochen.

„Konflikte und tiefgreifende Veränderungen bestimmen die Wahrnehmung der Katholischen Kirche, ob nun innerhalb oder außerhalb. Schönheitsreparaturen reichen nicht mehr aus. Es geht um die zukünftige Gestalt und Kultur“, schreibt der Amtsträger an die Gemeindemitglieder.

Ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

Als alarmierende Stichworte auf dem Einladungsflyer tauchen unter anderem auf: Austritt, Frustration, „die da oben“ gegen „wir vor Ort“ sowie klerikaler Machtmissbrauch, religiöser Missbrauch und sexueller Missbrauch. Und gerade die Aufarbeitung des letztgenannten macht dem Erzbistum Hamburg, zu dem auch Lübeck gehört, nach wie vor sehr zu schaffen.

„Diesen Punkt empfinde ich auch nach wie vor wie ein Damoklesschwert“, kommentiert Petra Eilers, die in der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Lübeck arbeitet. „Insbesondere hier müssen wir ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen“, betont die Sozialpädagogin. „Und ich hoffe, dass uns dies mit dem neuen Schutzkonzept gelingen wird.“

Gültig ab 1. Oktober

Damit spielt sie auf einen Verhaltenskodex mit dem Titel „Hinsehen. Handeln. Schützen.“ zur Prävention sexualisierter Gewalt an, der in einer 16-seitigen DIN-A4-Broschüre als verbindliche Handreichung für alle in der Gemeinde Tätigen niedergeschrieben wurde und ab dem 1. Oktober in Kraft treten soll.

Zu dem sechsköpfigen Arbeitskreis der katholischen Pfarrei „Zu den Lübecker Märtyrern“, der seit Februar die Regeln erarbeitet hat, gehört auch Professor Werner Solbach, Vorsitzender des Fachausschusses Personal der Gemeinde. „Prävention heißt nach vorne schauen, natürlich unter Berücksichtigung der Vergangenheit“, erklärt der Uni-Mikrobiologe.

Nichts mehr unter der Decke halten

„Und im Mittelpunkt unserer Arbeit stand, dass wir Betroffenen niedrigschwellige Hilfs- und Beratungsangebote auf lokaler Ebene machen können“, so Solbach weiter. Entsprechend sind auf den Seiten acht und neun explizit sowohl interne als auch externe Anlaufstellen aufgelistet – darunter das Kinderschutz-Zentrum Lübeck –, bei denen man unmittelbar Unterstützung bekommen kann.

„Denn in der Vergangenheit hat man festgestellt, dass Opfer dieser Thematik das fünf-, sechs- oder siebenmal angesprochen haben, bevor ihnen überhaupt zugehört worden ist“, weiß Strafrechtler Frank-Eckhard Brand, „es geht hier also primär um den Schutz von Betroffenen, dass man sie schon beim ersten Vorfall hört und ernst nimmt.“

Propst Christoph Giering, Katholische Pfarrei Zu den Lübecker Märtyrern Quelle: HFR

In dem Schriftstück aufgeführt sind aber ebenfalls Verhaltensrichtlinien – „Sprache und Wortwahl bei Gesprächen“, „Angemessenheit von Körperkontakten“ oder „Mitteilungspflicht“, um Beispiele zu nennen. „Es geht uns einerseits um eine strukturierte Sensibilisierung aller Menschen, die in dieser Gemeinde mitarbeiten, und andererseits soll nichts mehr unter der Decke gehalten werden“, fasst es Jurist Andreas Hagenkötter zusammen, Vorsitzender des Kita-Ausschusses.

Dass man erst jetzt mit dem Konzept herauskomme, sei noch auf die junge Gemeindestruktur zurückzuführen. „Unsere Großgemeinde in dieser Rechtsform gibt es ja erst seit gut zwei Jahren“, so Hagenkötter. Für Propst Christoph Giering ist jedenfalls eine wichtige Weichenstellung gelungen. Und: „Es hat auch etwas mit einem Erschrecken zu tun, dass so etwas in unserer Kirche in diesen Ausmaßen möglich ist. Solche Dinge hat wohl fast niemand für möglich gehalten“, sagt der Geistliche.

In Gedenken an die vier Lübecker Märtyrer

Im März 2017 wurden die katholischen Pfarreien Propstei Herz Jesu, St. Joseph-St. Georg, St. Bonifatius, Heiliger Geist, St. Birgitta und Maria Königin in der Hansestadt aufgelöst und in einer neuen Pfarrei zusammengefasst.

Entsprechend ist so die damals neu errichtete Groß-Gemeinde namens „Zu den Lübecker Märtyrern“ mit über 24 000 Katholiken zur größten katholischen Gemeinde in Schleswig-Holsteins geworden. Denn mit dabei sind jetzt unter anderem auch die Gläubigen in Bad Schwartau, Lüdersdorf, Groß Grönau sowie Scharbeutz.

Von Von Michael Hollinde

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