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Lübeck Rettet ein Lübecker Museumsschiff bald Flüchtlinge vor Marokko?
Lokales Lübeck Rettet ein Lübecker Museumsschiff bald Flüchtlinge vor Marokko?
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16:17 09.07.2019
Die „Sirius“ von Norbert Liebscher steht zum Verkauf. Die „PixelHelper“ wollen es nutzen, um vor den Kanaren afrikanische Flüchtlinge in Seenot aufzuspüren. Quelle: Sabine Risch
Lübeck

Sie sind bekannt für ihre Aktionen, mit denen sie auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen wollen: Die 2011 als gemeinnützige GmbH gegründeten „PixelHelper“. Geschäftsführer ist der Lichtkünstler und bekennende Freimaurer Oliver Bienkowski. Wem das nichts sagt: Die wohl erfolgreichste Aktion war die Lichtprojektion „NSA in da House“ auf die US-Botschaften in Hamburg, Düsseldorf und Berlin im Jahr 2017. Ziel: „Wir wollten so den medialen Druck auf dem Thema Überwachung durch die amerikanische NSA am Laufen halten“, sagte Bienkowski seinerzeit in einem Interview.

Flüchtlinge aufspüren und retten

Jetzt gehen Fotos eines Lübecker Museumsschiffes durch die sozialen Medien: Es ist der einstige Kriegsfischkutter „Sirius“, der zum Verkauf steht. Unter dem Arbeitstitel „Freimaurer retten“ wollen Bienkowski und seine Mitstreiter sobald als möglich mit der „Sirius“, die umbenannt werden soll in „Grundgesetz“, Flüchtlinge aus Westafrika im Atlantik vor den Kanaren aufspüren und retten.

„Gestorben wird nicht nur im Mittelmeer

Denn: „Gestorben wird nicht nur im Mittelmeer, sondern auch zwischen den Kanarischen Inseln und Westafrika. Dort wollen wir dem stillen Sterben ein Ende setzen“, begründet der gebürtige Hesse sein Engagement. Bienkowski gründete noch vor seinem Fachabitur in Timmendorfer Strand eine Firma für IT-Sicherheitsdienstleistungen gründete. Der Wirtschaftsingenieur hat ein Faible für Licht. 2007 präsentierte er erstmals Licht-Installationen, bei denen er das gebündelte Licht von Lasern und Projektoren verwendete. Darauf hat er sich spezialisiert.

„Sirius“ steht schon länger zum Verkauf

Doch zurück zum aktuellen Projekt: Für die Rettungsaktion im Atlantik wollen er und seine Mitstreiter die „Sirius“ von Norbert Liebchen kaufen. Der hatte das Schiff für fast 600 000 Euro aufwendig restauriert. Jetzt liegt es im Museumshafen gegenüber der Fischergrube. „Sofort fahrbereit“ und „zu verkaufen“ steht auf einem Schild an der Kajüte, gemeinsam mit dem Preis 115 000 Euro. Über den Bootsmakler Rabenstein ist es allerdings für 85 000 Euro inseriert. Soviel wollen Bienkowski & Co. dafür bezahlen. Liebchen bestätigt die Anfrage Bienkowskis per E-Mail, mag aber nicht so recht an ein ernsthaftes Kaufinteresse glauben.

Spenden sammeln für den Kauf

Oliver Bienkowski und die „PixelHelper“ haben jedenfalls schon eine Spendensammlung für die „Sirius“ gestartet. Bienkowski: „Die Dräger-Stiftung hat uns schon einen Ablehnungsbescheid geschickt, die Possehl-Stiftung antwortet erst gar nicht.“ Jetzt hoffe er, „dass es jemanden aus der Bevölkerung gibt, der uns das Schiff kauft. Als gemeinnützige Organisation können wir Spendenquittungen ausstellen.“

Überführung nach Marokko geplant

Die Wahl sei ausgerechnet auf die „Sirius“ gefallen, weil das Museumsschiff als Motorsegler niedrige Betriebskosten habe. Wenn man das Schiff noch in diesem Jahr erwerben könne, sei eine Überführung ins marokkanische Tarfaya geplant. Danach wollen die „PixelHelper“ eine Kabine zur Werkstatt umbauen für Drohnen mit Wärmebildkameras. Bienkowski: „Mit einer marokkanischen Segelcrew halten wir die Betriebskosten weiterhin niedrig.“ Ach ja: Bienkowski lebt seit einiger Zeit im marokkanischen Marrakesch, „weil wir dort Dosenbrot backen für Katastrophen und Flüchtlingslager“.

„PixelHelper“ Oliver Bienkowski mit dem „PixelHelper“-Mobil an der spanischen Küste. Quelle: PixelHelper

Menschenrechtsverletzungen dokumentieren

Hauptziel sei, Boote in Seenot der spanischen Küstenwache zu melden und Rettungswesten zu verteilen. „Nur bei akuter Gefahr für Menschenleben wollen wir Menschen an Bord nehmen.“ Durch die Größe des Bootes könnten die „PixelHelper“ natürlich nicht „mit 40 Personen tagelang vor den Kanarischen Inseln kreuzen. „Im schlimmsten Fall nehmen wir die Migranten dann in unseren Heimathafen nach Tarfaya mit zurück.“ Und dann macht der Aktivist noch einmal ganz klar, was der Sinn der gesamten Aktion ist: „Die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen und der Seenotmeldung an die spanische Küstenwache.“

Spenden werden sinnvoll verwendet

Sollte das Geld nicht für den Erwerb der „Sirius“ oder eines anderen Schiffes reichen, werde das bereits gespendete Geld in die Dosenbrot-Nothilfe fließen. Doch Bienkowski gibt sich zuversichtlich: Alternativ könne man die Spendensumme durch den harten Unterstützer-Kern der Freimaurer erhöhen. Bleibt also abzuwarten, ob die „Sirius“ nach Marokko geht oder zuvor einen anderen Käufer findet.

Sabine Risch

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