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Lübeck Possehlbrücke: Der Stau-Stress hat bald ein Ende
Lokales Lübeck Possehlbrücke: Der Stau-Stress hat bald ein Ende
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17:38 28.09.2019
Dauerstau: Arne-Matz Ramcke steht an der Wallstraße Quelle: Max von Schwartz
Lübeck-Innenstadt

Arne-Matz Ramcke ist 2012 mit seiner Frau in die Wallstraße gezogen. „Damals ist nach 20 Uhr kaum noch ein Auto vorbeigefahren“, erinnert sich der 40-jährige. Doch dann änderte sich alles. „Als die Possehlbrücke gesperrt wurde, konnten wir nicht mehr bei offenen Fenstern schlafen“, erzählt Ramcke. Zu stark sei die Belastung durch Lautstärke und Abgase der Fahrzeuge gewesen, die vor allem die Wallstraße als Umgehung benutzten. Ramcke: „Teilweise mussten wir im Wohnzimmer schlafen, weil es so laut war.“

Viel Verkehr in Wallstraße

Irgendwann wurde die Belastung durch den Verkehr so groß, dass Ramcke seinen Mietvertrag kündigen wollte. „Wir haben die Kündigung rausgeschickt, weil es zu anstrengend war“, erinnert er sich. „Doch die haben wir dann wieder zurückgezogen, weil ein Umzug zu dem Zeitpunkt zu stressig gewesen wäre.“ Besonders hoch war die Belastung durch die Abgase der Autos, Busse und Lastwagen. „Wir hätten wöchentlich die Fenster putzen können, die waren teilweise schwarz vor Ruß“, so Ramcke. „Durch das hohe Verkehrsaufkommen konnte man teilweise nicht einmal die Straße überqueren, um auf den Radweg auf der anderen Straßenseite zu kommen. Eigentlich bräuchte man einen Radweg auf jeder Seite der Straße“, kritisiert er. Mit der eingeführten Ampelschaltung habe sich die Situation dann zwar ein wenig entspannt, gut sei sie aber immer noch nicht.

Sie ist Mitte November wieder beidseitig befahrbar: Die Possehlbrücke ist bald keine Baustelle mehr. Quelle: Holger Kröger

Eröffnung im November

Aber es naht weitere Besserung, auch wenn die Hansestadt Lübeck noch keinen konkreten Termin für das Ende der Baustelle nennen kann. Stadtsprecherin Nicole Dorel teilte auf LN-Anfrage mit: „Fest steht, dass die Fahrspuren der Possehlbrücke Mitte November 2019 für den Verkehr wieder freigegeben werden.“ Die weiteren Termine – zum Beispiel für Fuß- und Radwege oder die Spazierwege unter der Brücke – würden sich, laut Stadt, in den kommenden Wochen ergeben.

Genin will zweite Brücke

Mit vielen Problemen hatte auch das Gewerbegebiet Geninzu kämpfen. Für die dort ansässigen Unternehmen ist die Possehlbrücke der einzige und schnellste Weg in die Innenstadt. Durch die Sperrung mussten sie oft lange Umwege oder Standzeiten im Stau in Kauf nehmen. Deshalb fordert der Verein „Wir in Genin“ schon lange eine weitere Brücke, die die Straße Bei der Gasanstalt mit der Nelkenstraße verbinden soll.

Sperrung der Possehlstraße

Aufgrund von Asphaltierungsarbeiten wird die Possehlstraße zwischen der Possehlbrücke und der Lachswehrbrücke vom 4. bis 6. Oktober 2019 von 6 Uhr bis etwa 18 Uhr gesperrt. Die Lachswehr- und Possehlbrücke sind ebenfalls voll gesperrt. Für den Rad- und Fußgängerverkehr hingegen wird es durch diese Sperrung keine Einschränkungen geben. Die Stadt will die Possehlbrücke Mitte November eröffnen, der Termin hatte sich mehrfach verzögert.

Ampelschaltung sorgte für Besserung

Alexander Kunkel, Geschäftsführer des Dachdeckers Cavier+Sohn, erinnert sich an die Zeiten der Vollsperrung. Er wurde mit dem Verein Wir in Genin aktiv, damit sich die Situation für die Unternehmen verbessert. „Wir sind in einen produktiven Dialog mit der Stadt getreten“, findet Kunkel. Gemeinsam mit dem Verein machte er sich Anfang 2017 für eine Ampelschaltung an der Possehlbrücke stark, die vorher nur stadteinwärts befahrbar war. „Obwohl der Verein nicht politisch ist, sind wir politisch an der Brücke gewachsen“, so Kunkel. „Wir haben uns für die Brücke emanzipiert und dadurch auch teilweise eine neue Identität gefunden.“

Alexander Kunkel machte sich mit dem Verein „Wir in Genin“ für eine Ampelschaltung stark. Quelle: Lutz Roeßler

Das Unternehmen von Kunkel musste durch die Sperrung oft große Umwege in Kauf nehmen. „Wir sind ein 30 Leute starkes Team, teilweise hatten die Angestellten Wegzeiten von über einer Stunde, nur um zur Arbeit zu kommen“, erzählt Kunkel. „Das ist natürlich alles unbezahlte Zeit, von den zusätzlichen Spritkosten mal ganz abgesehen.“ Kunkel sieht der Eröffnung der Brücke hoffnungsvoll entgegen: „Das wird eine enorme Entlastung für unseren Betrieb.“

Dramatischer Einbruch der Kunden

Besonders hart getroffen hat die Sperrung Norbert Kuczewski. Er betreibt die Autowaschanlage in der Geniner Straße. „Wir hatten Einbußen von 15 bis 20 Prozent“, erklärt der Unternehmer. „Aufgrund der Sperrung konnten wir den gesamten Bereich von St. Lorenz Süd bis nach Moisling nicht mehr bedienen, das hat uns echt Kunden gekostet.“ Um mit dem Einbruch klarzukommen, musste Kuczewski die Verträge seiner drei Angestellten von Festanstellung auf Stundenlohn umstellen. „Bevor die Brücke gesperrt war, haben wir spielend über 43 000 Kunden im Jahr gehabt, nun kommen wir mit Hängen und Würgen gerade noch auf 40 000.“

Er kann sich auf bessere Zeiten mit seiner Waschstraße freuen: Norbert Kuczewski betreibt die Waschanlage in der Geniner Straße. Quelle: Lutz Roeßler

Trotz der schweren Zeit hat Kuczewski mit seinem Team durchgehalten. „Wir haben in der Zeit auch viel Solidarität der Lübecker erfahren, das muss man echt loben“, freut er sich. „Stammkunden haben einen langen Weg auf sich genommen, um ihr Auto bei uns zu waschen oder andere Kunden haben ein größeres Programm gewählt, das hat uns noch mal sehr motiviert.“ Auch durch die Treue der Lübecker kann Kuczewski sich nun auf bessere Zeiten freuen. „Wir haben unser Kämpferherz gezeigt, dass wir uns von der Situation nicht unterkriegen lassen. Ich bin guter Dinge, dass es jetzt wieder bergauf gehen wird.“

Alle Lübecker Problem-Brücken in unserem multimedialen Brücken-Check finden Sie hier.

Von Max von Schwartz

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