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Lübeck Auf Entdeckungstour im Schabbelhaus
Lokales Lübeck Auf Entdeckungstour im Schabbelhaus
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12:00 22.06.2019
Nehmen wir diesen Teppich oder den anderen? Britta Mönkediek und Joachim Stern wählen im Landschaftszimmer aus. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Die große Diele 48 wirkt noch größer, nun, da keine Tische und Stühle mehr auf dem kürzlich gereinigten und neu verfugten Steinfußboden stehen. Nur noch die extrem tief hängenden Lampen erinnern daran, dass hier vor nicht allzu langer Zeit der Haupt-Gastraum des Schabbelhauses war. An den Wänden zwei fachgerecht eingepackte Schränke und eine Standuhr. „Sie sind eine Leihgabe des St.-Annen-Museums und werden nach Rücksprache mit diesem restauriert“, sagt Hartmut Richter.

Hartmut Richter (l.) und Christian Diemer, Geschäftsführer, blicken von der Empore auf die große Diele 48 mit ihrem sanierten Steinfußboden und den verhüllten Möbeln aus dem St.-Annen-Museum. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Richter, seit Jahresbeginn Präses der Kaufmannschaft, führt voller Begeisterung durch die großen verwinkelten Häuser Mengstraße 48 und 50, die gemeinsam das Schabbelhaus bilden. Mitglieder der Kaufmannschaft sind eingeladen, sich das Haus in der Sanierungsphase anzusehen, vor der Dornse, die Roberto Rossi als Küche nutzte, stehen Wasser- und Bierkästen.

Pächter sucht Teppiche und Wandfarben mit aus

Auch der neue Pächter Joachim Stern und seine Frau Britta Mönkediek, die bislang das „Alte Jagdhaus“ in Hannover geführt haben, sind an diesem Tag wieder einmal nach Lübeck gekommen. Was in Zukunft häufig der Fall sein wird, schließlich müssen oder dürfen sie in Absprache mit dem Hausherren, der Kaufmannschaft, zum Beispiel Teppiche und Wandfarben aussuchen.

Begeistert von den Gartensälen

„Die beiden Gartensäle“, verrät Stern, „habe ich auf Fotos gesehen – und sie haben den Ausschlag gegeben für meine Entscheidung.“ Die Säle im Seitenflügel bieten einige Entdeckungen: Stockelsdorfer Fayence-Öfen, die noch in Ordnung sind, Stuck, Wandmalereien. „Der Stuck über dem Ofen ist gerissen und muss gemacht werden“, erklärt Richter. Beim Gang durch die Räume zeigt er immer wieder auf Wände, die sich an einigen Stellen ausbeulen und eigentlich einen neuen Anstrich bräuchten – „Wackel-Tapeten“, wie Richter sie nennt, denn sie sind mit Rupfen, einer Art Leinwand aus Jute oder Flachsgarn, bespannt. Da könne man nicht einfach drüberstreichen. Und auch im „Landschaftszimmer“ geht nicht alles, was wünschenswert wäre: So sind die Holzdielen offenbar zu oft abgeschliffen worden, um das noch einmal zu tun. Jetzt kommt eine Schutzvlies aufs Holz und darauf Teppich. Der „Rote Salon“ hingegen, der laut Richter nie rot war, wird nun karminrot gestrichen.

Fayence-Öfen, Kronleuchter und viel Stuck: Einer der Gartensäle, in die sich der neue Pächter verliebt hat. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Wie in Norwegen

Über die bereits abgeschliffene Treppe zur Galerie geht es in die Obergeschosse und zu neuen Entdeckungen: „Schabbels gute Stube“ nennt Richter einen Raum, ein anderer, ganz offensichtlich lange nicht genutzter, ist das Bergenfahrer-Zimmer. Dunkelgrüne Holzbohlen an den Wänden, getrocknete Fische, die unter der mit Mauresken verzierten Kassettendecke hängen – wer den Raum betritt, fühlt sich nach Norwegen versetzt. Nebenan zwei bereits fertig gestrichene Zimmer mit Blick Richtung Garten: „Das werden Büro und Ruheraum für Herrn Stern“, erklärt Richter.

Norwegen-Flair: das einstige Bergenfahrer-Zimmer. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Viele Zimmer jahrelang nicht genutzt

Auch das frühere Vorsteher-Zimmer in der Diele der Mengstraße 50, von Rossi jahrelang als Lagerraum genutzt, soll wieder ein Gastzimmer werden. Wie er die vielen einzelnen Räume des Hauses nutzen möchte, weiß Gastronom Joachim Stern noch nicht genau. Aber er und seine Frau Britta Mönkediek sind froh, dass sie nun die Möglichkeit für Veranstaltungen aller Art haben. Denn das war der Ursprung der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld: „In Hannover“, so Stern, „hatten wir eigentlich nur einen großen Raum mit Flügeltüren.“ Für größere Veranstaltungen reichte das nie aus. Im Schabbelhaus haben sie die Wahl zwischen ganz groß, mittelgroß und klein – und das mehrfach!

Thomas Timm, Mitglied der Kaufmannschaft: „Ein tolles Gebäude. Schön, dass es Gastronomie bleibt!“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Die Besucher sind beeindruckt von der Führung durchs Haus, Thomas Timm, Leiter des Firmenkundengeschäftes der Sparkasse zu Lübeck, sagt: „Es ist ein tolles Gebäude. Schön, dass es Gastronomie bleibt!“ Er erinnert sich noch gut an die früheren Sitzungen der Kaufmannschaft, „da war es hier immer rappelvoll.“

Küche künftig im Keller

Den Sommer über sollen noch Anstriche erfolgen, zudem wird eine neue Küche im Keller eingerichtet, in den Räumen werden neue Heizkörper angebracht. Vieles muss mit der Denkmalpflege abgestimmt werden, wobei die Absprachen mit Denkmalpfleger Florian Scharfe „sehr kooperativ“ gelaufen seien, wie Richter sagt.

Kaufmannschaft investiert eine halbe Million Euro

Insgesamt stellt die Kaufmannschaft 500 000 Euro für die Sanierung des Schabbelhauses zur Verfügung. Man sei im Zeitplan und werde definitiv am 1. September eröffnen. Für den 4. September hat Joachim Stern bereits eine größere Veranstaltung ins Terminbuch eingetragen. „Jetzt hoffen wir nur, dass wir bald eine Wohnung, möglichst in der Altstadt, finden“, sagt Stern.

Sabine Risch

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