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Lübeck Lübecker Schüler feiern das Grundgesetz
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19:56 23.05.2019
70 Jahre Grundgesetz: Neuntklässler des Katharineums bei einem Flashmob in der Königstraße. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt/St. Gertrud

„Grund-, Grund-, Grund-ge-setz!“ rufen die Schüler des Katharineums. Sie tragen gelbe Din-A-4-Blätter, auf denen Stichworte wie „Frieden“, „Würde“ oder „Gleichheit“ stehen, und wedeln mit Taschenbuchausgaben des Grundgesetzes. Nach 20 Minuten, in denen sie sich erst auf die Straße gesetzt, dann die kurze Strecke vom Willy-Brandt-Haus zum Katharineum gelaufen und sich an und auf der Mauer vor der Schule versammelt haben, ist die Spontan-Demo in Form eines Flashmobs vorbei. Sie war, professionell inszeniert vom Theater-Regisseur Sascha Mink, das Ergebnis eines Projekttags der 9. Klassen im Willy-Brandt-Haus.

„Tag der Demokratie“

Lübecker Schulen haben am Donnerstag auf vielfältige Art an die offizielle Verkündung des Grundgesetzes vor genau 70 Jahren erinnert. Besonders intensiv und lange haben sich die Schülerinnen und Schüler der Dorothea-Schlözer-Schule mit dem Thema auseinandergesetzt. Seit Beginn des Schulhalbjahrs haben sie sich in ihren Klassen mit einzelnen Aspekten beschäftigt. Am Donnerstag präsentierten sie mit einem „Tag der Demokratie“ ihre Ergebnisse.

„Frischfleisch“: Sexismus gegen die Menschenwürde

Eine Gruppe von angehenden Erzieherinnen hatte sich intensiv mit Sexismus befasst – als ein Angriff auf die vom Grundgesetz garantierte Menschenwürde. „Unsere Lehrerin war total erschrocken, als wir sagten: Im Club ist das normal, dass einen da jemand anfasst“, sagt Lina-Marie Behrens (21). Sie haben für ihre Stellwand viel Material zusammengetragen – darunter die Werbung eines Landhandels mit dem Slogan „Frischfleisch gibt’s bei uns“ zu dem Bild einer Frau im knappen Bikini-Oberteil; einschlägige Songtexte von Bushido und anderen; Berichte von Mitschülern wie dieser: „Ein Freund wurde nach seinem Outing im Sportverein von Teamkollegen nackt in der Umkleide empfangen und anschließend aus dem Verein geworfen.“

Dorothea-Schlözer-Schule, Projektgruppe zum Thema Sexismus, v. l.: Pauline Krischer (22), Lena Kuczewski (21), Bente Gottsmann (24), Lina-Marie Behrens (21). Quelle: Hanno Kabel

Grundgesetz und Popmusik

Mit Popsongs, in denen es um Demokratie und Grundrechte geht, haben sich die angehende Pflegeassistentin Cheyenne Bohnstedt (23) und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler befasst. „Ich habe mich für das Grundgesetz sonst nicht so interessiert – das ist ja Politik. Aber wenn man so sieht, wie die Klassen sich damit beschäftigen, dann merkt man auf einmal: Ach, das gehört also auch dazu.“ Interessiert hat sie unter anderem das sehr aktuelle Thema Fake News. Für ihr eigenes Projekt hat sie ein Plakat über das Lied „Wind of Change“ von den Scorpions gestaltet, das 1990 zu einer Art inoffizieller Hymne der politischen Wende im Ostblock wurde.

Cheyenne Bohnstedt (23) von der Dorothea-Schlözer-Schule erklärt ihre Präsentation über den Scorpions-Song "Wind of Change". Quelle: Hanno Kabel

Freiheit der Kunst

Was passieren kann, wenn Rechtsstaat und Demokratie zusammengebrochen sind, war das Thema einer Klasse der Berufsoberschule, die eine Ausstellung über „entartete Kunst“ präsentierte. Tobias Tonn (23) hat ein Bild des von den Nazis verfemten Expressionisten Werner Scholz (1898-1982) nachempfunden und sich intensiv mit dessen Biografie auseinandergesetzt. Die Freiheit der Kunst hält er für ein hohes Gut: „Solange sie keine anderen Grundrechte verletzt, darf Kunst alles.“

70 Jahre Grundgesetz: Projekttag an der Dorothea-Schlözer-Schule. Tobias Tonn (23) zeigt seine Kopie eines Bildes von Werner Scholz. Quelle: Hanno Kabel

Diktatur oder Demokratie? Das Los entscheidet

Drei Klassen aus dem Beruflichen Gymnasium und der Berufsfachschule Gesundheit und Ernährung boten ein großes, abwechslungsreiches Kuchenbüffet an – allerdings nur für die, die aus der Lostrommel am Eingang einen Zettel mit der Aufschrift „Demokratie“ zogen. Wer „Diktatur“ zog, musste in einen mit Flatterband abgesperrten Teil des Raums gehen. Dort stand ein Teller mit Zitronenkuchen, ohne Wahlmöglichkeit. „Meine Eltern haben mir von der Saddam-Diktatur erzählt“, sagt Biland Mohamed (20), dessen Familie aus dem Irak stammt. „Deswegen sagen sie: ,Schätzt das hier in Deutschland, ihr habt unzählige Möglichkeiten!’“

Projekttag an der Dorothea-Schlözer-Schule: Biland Mohamed (20) erklärt eine Präsentation zum Thema Diktatur. Quelle: Hanno Kabel

Hanno Kabel

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