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Lübeck Spitzenpolitiker: „Prostitution und Gewalt am Lübecker Krähenteich müssen aufhören“
Lokales Lübeck Spitzenpolitiker: „Prostitution und Gewalt am Lübecker Krähenteich müssen aufhören“
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15:21 02.07.2019
Bruno Hönel, Fraktionschef der Grünen im Rathaus: „Ich habe Sorge, dass sich vermehrt Clanstrukturen bilden.“ Quelle: Lutz Roeßler
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Innenstadt

„Die Situation am Krähenteich ist untragbar. Die aktive Duldung von Kriminalität seitens der Stadtverwaltung muss schnellstmöglich beendet werden.“ Worte, die von der Anwohnerinitiative stammen könnten, die im Mai eine umfangreiche Dokumentation der Lage am und um den Drogentreff und einen Hilferuf an die Kommunalpolitiker verschickten. Doch diese Einschätzung stammt von einem Grünen-Politiker – dem Fraktionschef im Rathaus, Bruno Hönel.

43 Einsätze ist die Polizei von Januar bis Ende Mai 2019 am Krähenteich gefahren. Quelle: LN-Archiv

Hönel hat mit der Bürgerinitiative gesprochen, war mehrfach auf dem Platz und hat mit Süchtigen geredet und er hat auch die Szene im Umfeld mitbekommen. Am Krähenteich gehe es nicht nur um „kleinkriminelle Machenschaften oder Beschaffungskriminalität“, sagt der junge Politiker, „Prostitution, Aggression und Gewalt sowie die zunehmende Ausstrahlung der kriminellen Aktivitäten in die umliegenden Straßen können Anwohnern und Passanten nicht weiter zugemutet werden.“ Zudem habe er Sorge, „dass sich vermehrt Clanstrukturen ausbilden.“

550 Personen kontrolliert

2017 wurde der Drogentreff am Krähenteich von der Polizei zum gefährlichen Ort erklärt. Die Polizei kann in diesem Bereich ohne Anlass Personen kontrollieren, ihre Identität feststellen und deren Sachen durchsuchen. Seit 2017 wurden laut Polizei 550 Personen dort kontrolliert.

Von Januar bis Ende Mai fuhr die Polizei am Krähenteich 43 Einsätze, erklärte Torsten Wähling, Leiter des 1. Polizeireviers, im Polizeibeirat der Bürgerschaft. Am 25. Juni tauchten Beamte des 1. Polizeireviers am Vor- und am Nachmittag auf dem Platz auf und beschlagnahmten Heroin, Kokain, Marihuana und Tabletten. Es wurden Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie gegen das Arzneimittelgesetz eingeleitet.

Hönel: „Ich gebe zu, dass ich die Situation bisher unterschätzt habe.“ Politik und Verwaltung müssten jetzt mal zu Potte kommen und ein Konzept erstellen, wie die Situation entspannt werden könnte. Der Grünen-Fraktionschef will sich dabei nicht in die Law-and-Order-Ecke schieben lassen. Hönel: „Es ist mir wichtig, zwischen suchtkranken Menschen und kriminellen Aktivitäten zu differenzieren.“

Also statt Videokameras mehr Streetworker. Auch über eine Verlagerung des Treffpunktes sollte wenigstens diskutiert werden – für Polizei und Verwaltung war das bisher kein Thema. Sogar den Rückschnitt von Hecken nennt Hönel – eine Idee, die von der BfL stammt, die das auch schon in der Bürgerschaft beantragt hat.

Lothar Möller (BfL): „Eine Fehleinschätzung zuzugeben, zeigt Größe.“ Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Wir freuen uns sehr über die bessere Einsicht der Grünen beim Thema Drogentreff am Krähenteich“, kommentiert BfL-Vorsitzender Lothar Möller die Äußerungen Hönels, „eine Fehleinschätzung zuzugeben, zeigt Größe.“ Möller fordert seit Wochen eine härtere Gangart am Krähenteich – konsequente Strafverfolgung für Dealer, Maßnahmen wie Führerscheinentzug, Verfolgung durch Steuerbehörden und Angebote zum Ausstieg aus der Szene. Jetzt legt Möller nach: „In der Innenstadt und in anderen Problembereichen müssen insbesondere in den Abend- und Nachtstunden mehr Fußstreifen eingesetzt werden.“

Von Gangs und Clanstrukturen weiß Ingo Schaffenberg (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses der Bürgerschaft, nichts. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Von Gangs und Clanstrukturen weiß Ingo Schaffenberg (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, nichts. Der SPD-Politiker setzt auf weitere Gespräche mit der Awo-Drogenhilfe, dem Innensenator, der Polizei, der Bürgerinitiative und den Politikern. Schaffenberg will zudem ein Drogenmobil an den Start bringen. Weiteres Reden und ein Drogenmobil helfe nicht, sagt dagegen Grünen-Fraktionschef Hönel. Aber auch die Polizei sagt auf LN-Anfrage: „Erkenntnisse zu Prostitution und etwaigen Clanstrukturen im Bereich des Krähenteichs liegen uns nicht vor.“

Hochburg der Rauschgiftdelikte

Die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg in Lübeck von 1529 im Jahr 2017 auf 1704 im Jahr 2018 an. Das geht aus der Kriminalstatistik der Lübecker Polizei hervor. Der landesweite Vergleich zeigt, dass die Hansestadt sogar mit Abstand die Hochburg in Schleswig-Holstein ist. Die Lübecker Polizei begründet das mit vielen Kontrollen. Die Zahl sei „ein Beleg für die intensive Polizeiarbeit“.

Innensenator Ludger Hinsen (CDU) stellt klar, dass Drogenkriminalität nicht geduldet werde, „aber dass es eine Tolerierung von Süchtigen auf dem Platz gibt.“ Hinsen wehrt sich auch gegen den Eindruck, „dass Polizei und Verwaltung die ganze Zeit tatenlos daneben gestanden haben.“ Aber der Senator macht unmissverständlich deutlich: „Wenn in Sachen Kriminalität rote Linien überschritten werden, kommt eine Verlagerung der Szene und im Extremfall eine völlige Auflösung in Betracht.“

Am 29. Juli soll es ein nicht-öffentliches Treffen der Politiker aus Sozial- und Sicherheitsausschuss sowie der Anwohnerinitiative, der Polizei und der Verwaltung geben.

Kai Dordowsky

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