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Lübeck Stadtwerke: Aufsichtsratschefin tritt zurück
Lokales Lübeck Stadtwerke: Aufsichtsratschefin tritt zurück
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14:46 20.12.2018
Krach hinter den Kulissen: Bei den Lübecker Stadtwerken hat die Aufsichtsratschefin Valerie Wilms (Grüne) das Handtuch geworfen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Krach beim lübschen Energieversorger: Die Aufsichtsratschefin Valerie Wilms (Grüne) tritt zurück. Denn bei den Stadtwerken gibt es Streit wegen teurer Beraterverträge. Wilms wollte eine Kostengrenze für solche Leistungen einziehen. Doch der Aufsichtsrat der Stadtwerke Lübeck Holding zog nicht mit. Jetzt verlässt die Ex-Bundestagsabgeordnete das Gremium zum 1. Januar 2019 – nach zehn Jahren.

Offiziell will niemand diese Geschichte erzählen. Es gibt eher zurückhaltende Äußerungen. „Den Rücktritt von Frau Wilms bedaure ich“, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). „Ich sehe darin eine Überreaktion“, sagt Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt. Die Grünen hatten Wilms 2008 in den Aufsichtsrat des Energieversorgers geschickt. Sie meint: „Der Rücktritt war mit uns nicht abgestimmt.“ Irritiert reagiert auch der Aufsichtsratschefs der Stadtwerke Lübeck Holding, Ulrich Pluschkell: „Ich bedauere es, wenn jemand vorzeitig das Handtuch wirft.“ Und Wilms selbst will sich nicht konkret äußern. „Es geht um organisatorische Dinge.“ Die Stadtwerke selbst äußern sich gar nicht dazu.

Rücktritt: Stadtwerke-Aufsichtsratschefin Valerie Wilms (Grüne) verlässt ab 1. Januar 2019 den Konzern – nach zehn Jahren. Quelle: LN

Das steht hinter dem Rücktritt

Von der Geschichte hinter dem Rücktritt gibt es zwei Versionen. Nummer eins: Es geht um Befindlichkeiten. Es knirscht schon lange zwischen Aufsichtsratschefin Wilms und Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner. Beide kommen nicht miteinander klar. Jetzt wirft Wilms das Handtuch, weil unsicher ist, ob sie den Posten behält. Denn: Im Mai war Kommunalwahl. Jetzt wählt die Bürgerschaft Ende Januar wieder neue Aufsichtsräte. Unklar dabei ist, ob die Grünen den Vorsitz des Stadtwerke-Aufsichtsrates behalten – und ob sie Wilms wieder aufstellen.

Zoff wegen Beraterverträgen

Und es gibt eine zweite Version der Geschichte: Die Stadtwerke haben viel Geld für einen Berater ausgegeben. Es ist die Rede von einem fast siebenstelligen Betrag. Begleitet hat der Berater den Zusammenschluss zwischen Netz Lübeck und Schleswig-Holstein Netz. Dabei geht es um die Expansion der Stadtwerke ins Umland. Der Aufsichtsrat findet den Zusammenschluss gut und weiß auch, dass Berater solche großen Prozesse begleiten. Aber: Bei dem Thema hat es mächtig Zoff gegeben zwischen Wilms und Schäffner. Denn: Die Höhe des Honorars hat dann alle überrascht. Daher hat der Aufsichtsrat Schäffners Verhalten missbilligt – und einstimmig eine Grenze für solche Beraterverträge beschlossen.

Konzern-Konstrukt

Das Konstrukt der Stadtwerke ist kompliziert. Einfach ausgedrückt: Die Stadtwerke Holding vereint die Stadtwerke GmbH und die Stadtverkehr GmbH. Der Kern dieses Gebildes: Der Energieversorger Stadtwerke verdient das Geld. Über die Stadtwerke Holding fließt es an den Stadtverkehr. Der fährt ein Minus ein mit dem Betrieb der öffentlichen Busse. Unterm Strich werden die Busse mit den Gewinnen des Energieversorgers subventioniert.

Wem gehört der Stadtwerke-Konzern? Das ist noch etwas komplizierter, da an den einzelnen GmbHs weitere Unternehmen beteiligt sind. Die Holding gehört zu 100 Prozent der Stadt. Bei den Stadtwerken hat die Hansestadt ebenfalls die Mehrheit mit 74,9 Prozent (über die Anteile der Holding). Die Stadtwerke Aachen halten 25,1 Prozent. Beim Stadtverkehr hat die Stadt ebenfalls die Mehrheit mit 50,1 Prozent (über die Anteile der Holding), und 49,9 Prozent gehören der Hamburger Nahverkehrsbeteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG.

Grenze bei 100 000 Euro

Im Detail: Kostet ein Beratervertrag mehr als 100 000 Euro, muss der Stadtwerke-Aufsichtsrat informiert werden. Auch das Beteiligungscontrolling der Stadt fand das gut. Diese Abteilung ist zuständig für alle Beteiligungen der Stadt an Unternehmen. So weit so gut. Jetzt sollte der Aufsichtsrat der Stadtwerke-Holding das Ganze absegnen. Doch das tat er nicht. Er hat das Thema vertagt. Denn das Gremium wollte erst wissen, wie viele Beraterverträge bei den Stadtwerken überhaupt abgeschlossen werden. Das wiederum fand Wilms überhaupt nicht gut und wertet es als Beweis des Misstrauens.

Entscheidung im März?

Dabei hat die Aufsichtsrat Holding selbst eine Grenze für Beraterverträge – und das seit längerem. Bereits ab 50 000 Euro muss die Aufsichtsrat Holding informiert werden, wenn ein Beratervertrag für die Holding abgeschlossen wird. Der Grund, warum die Aufsichtsrat Holding das Ganze vertagt hat: Sie will das Thema für Stadtwerke und Stadtwerke Holding unter die Lupe nehmen – und im März wieder darüber entscheiden. Bürgermeister Lindenau hat Verständnis dafür, „das die Aufsichtsrat Holding „weitreichende Entscheidungen intensiv berät, bevor sie entscheidet“.

Josephine von Zastrow

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