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12:00 13.04.2019
Klaas-Peter Krabbenhöft hat 36 Jahre lang die Stiftungen der Hansestadt verwaltet. Ende April verlässt er sein Büro im Langhaus des Heiligen-Geist-Hospitals. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

 Noch sitzt er in seinem Büro oberhalb der Kabäuschen im Langhaus des Heiligen-Geist-Hospitals, doch schon bald wird Klaas-Peter Krabbenhöft das Gebäude am Koberg verlassen. 36 Jahre lang hat der 65-Jährige die Lübecker Stiftungen verwaltet, zuletzt viel Stress durch immer wieder neue Hiobs-Botschaften und Baulärm im Heiligen-Geist-Hospital verkraftet. Dennoch sagt der gebürtige Niendorfer: „Ich gehe mit einer gewissen Wehmut.“

Geschichten und Anekdoten

Mit vier Bürgermeistern und drei Senatoren hat Krabbenhöft zu tun gehabt. Wenn er zurückblickt, fällt der Name Gerd Rischau (CDU) am häufigsten. Schmunzelnd und voller Respekt erinnert sich Krabbenhöft zum Beispiel daran, dass Villeroy & Boch vor etlichen Jahren WCs und Waschbecken in der Kirchenhalle des Heiligen-Geist-Hospitals ausstellen wollte, „Ich fand das unpassend, Herr Rischau nicht.“ Um eine faire Lösung zu finden, habe der Senator ein Streitgespräch bei Bürgermeister Michael Bouteiller (SPD) vorgeschlagen. Das auch stattfand – mit einer salomonischen Lösung des Bürgermeisters: Die Badkeramik durfte ausgestellt werden, aber im Kellergewölbe des Heiligen-Geist-Hospitals.

Auch die Geschichte mit der nackten Eva erzählt der Stiftungsverwalter immer wieder gern: Im Zuge eines Symposiums war 1983 eine Skulptur geschaffen und im Garten der Gemeinnützigen aufgestellt worden. Einige Zeit später habe Gerd Rischau einen Anruf von der Gemeinnützigen bekommen, die nackte Dame im Garten errege Anstoß. Kurzerhand ließ Rischau sie nach Rücksprache mit Krabbenhöft versetzen – in den Innenhof des Heiligen-Geist-Hospitals. „Ein oder zwei Tage später“, so Krabbenhöft, „hatten die Bewohnerinnen des Altenheims einen BH für Eva gehäkelt.“

Vielseitiger Job

Natürlich haben nicht nur derlei Geschichten dafür gesorgt, dass Krabbenhöft auch nach 36 Jahren sagt: „Ich bin fast jeden Tag lächelnd und frohen Mutes ins Büro gegangen.“ Vielmehr war es auch die „ungeheure Vielseitigkeit“ seiner Aufgaben. „Ich hatte zu tun mit Landwirten, Gastronomen, Restauratoren, Förstern, Angelsportlern, um nur einige zu nennen.“

Die Stiftungen

Sechs Stiftungen werden von der Hansestadt Lübeck verwaltet:

Die Stiftung Heiligen-Geist-Hospital ist die wohl bekannteste. Sie hat die Errichtung eines Altenheimes, die Förderung der Betreuung alter, bedürftiger Menschen in Lübeck sowie die Förderung der Denkmalpflege und die Pflege von Kulturwerten zur Aufgabe. Zum Vermögen gehören unter anderem die Stiftsgüter Albsfelde und Behlendorf sowie der Krumbecker Hof in der Gemeinde Stockelsdorf.

Die Stiftung Kriegsopferdank betreibt in der Weberkoppel eine Wohnanlage für Menschen mit Behinderung und für ältere, bedürftige Damen.

Die Lübecker Wohnstifte sorgen ausschließlich für bedürftige, ältere Menschen.

Das St. Johannis-Jungfrauenkloster bietet bedürftigen Damen jenseits der 50 eine Unterkunft und Unterstützung.

Die Vereinigten Testamente betreiben die Alten- und Pflegeheime in der Prassekstraße, der Dornbreite, der Elswigstraße und im Dreifelderweg.

Die Westerauer Stiftung gewährt Alters- und Ausbildungsunterstützungen.

Erfolge und Niederlagen

Einige seiner Aufgaben sind erfreulich, andere weniger. Stolz ist Krabbenhöft darauf, dass er – gemeinsam mit Bauforscher Jens-Christian Holst – die Pilgerherberge des Heiligen-Geist-Hospitals in der Großen Gröpelgrube wieder zum Heiligen-Geist-Hospital zurückführen und somit eine öffentliche Nutzung ermöglichen konnte. Eigentlich hatte nämlich die Stiftung den Gebäudekomplex an die „Gröpels“, eine private Bauherren-Gemeinschaft, verkauft. Als dann im Jahr 2006 wertvolle mittelalterliche Wandmalereien in der Herberge entdeckt wurden, musste man sich mit den „Gröpels“ verständigen.

Mit ein wenig Stolz erfüllt Krabbenhöft auch, dass er schon früh in seiner Karriere, nämlich 1985, „als Erster ein Grundstück für die Öffentlichkeit versteigert habe“: das Forsthaus Schwinkenrade, das meistbietend verkauft wurde. Den Verkauf des Forsthauses Waldhusen in Kücknitz hingegen rechnet der Stiftungsverwalter eher einer Negativ-Liste zu. „Das ist sehr schade, aber es ging leider nicht anders.“

Die Lieblings-Stiftung des Verwalters

Die Stiftung, die ihm am meisten ans Herz gewachsen ist, ist das St. Johannis-Jungfrauenkloster. Unter den 20 Bewohnerinnen seien einige Damen, die es ablehnten, von der ,Fürsorge’ leben zu müssen. „Wir unterstützen sie durch sehr günstige Mieten“, erklärt Krabbenhöft. Wofür die Bewohnerinnen sehr dankbar seien. Gerade hier habe er gemerkt, „dass man etwas Sinnvolles tun kann.“

Die Stiftung St. Johannis-Jungfrauenkloster gegenüber dem Johanneum ist Krabbenhöft am meisten ans Herz gewachsen. Quelle: Sabine Risch

Sorge um die Altenheime

Eines bereitet dem scheidenden Stiftungsverwalter ein wenig Kummer: „Ich hätte gern noch die Konsolidierung der Altenheime betrieben.“ Dafür hat er die Sanierung des Heiligen-Geist-Hospitals für insgesamt 4,2 Millionen Euro bis fast zum Schluss begleitet. Und natürlich ist Klaas-Peter Krabbenhöft dabei, wenn am 3. Juli das sanierte Heiligen-Geist-Hospital offiziell übergeben und den vielen Spendern gedankt wird. Seine Nachfolge tritt eine Frau an –seine bisherige Mitarbeiterin Katrin Sinner.

Sabine Risch

Durch das Aufstellen von Granitquadern soll die Aufenthaltsqualität des Kobergs verbessert werden. Der Platz ist bereits eine reine Fußgängerzone – aber nicht jeder hält sich daran.

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