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Lübeck Der Ur-Nordsee auf den Grund gehen
Lokales Lübeck Der Ur-Nordsee auf den Grund gehen
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19:41 30.07.2019
Doktorandin Daria Carobene zeigt Muscheln aus Groß Pampau, die bereits im Museum archiviert sind. Quelle: Tim Jelonnek
Lübeck

Sie interessiert sich für eine Periode in der Erdgeschichte, die weit außerhalb unseres Vorstellungsvermögens liegt; zehn bis elf Millionen Jahre ist das her. Und dass sich Jung-Wissenschaftlerin Daria Carobene auf diese Zeitspanne, in der sich die Ur-Nordsee erstreckte, fokussieren kann, hat sie dem „Schaufenster“ Groß Pampau vor den Toren Schwarzenbeks im Kreis Herzogtum Lauenburg zu verdanken.

Denn in der dortigen Tongrube kommen immer wieder Überreste fossiler Wale und weiterer Meerestiere zum Vorschein, die vor so langer Zeit dort existiert haben. „Sie sind in dem sogenannten Glimmerton sehr gut erhalten und können geborgen und präpariert werden“, sagt die Stipendiatin des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) der Universität Lübeck.

Das „Lübecker Modell“ des ZKFL

Zwar sitzen die akademischen Betreuer der italienischen Doktorandin am Berliner Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, aber es gibt auch eine direkte fachliche Anbindung an die Hansestadt. So fungiert Dr. Susanne Füting, Leiterin des Museums für Natur und Umwelt, ebenfalls als Supervisorin.

Das hat seinen triftigen Grund: Das ehrenamtliche Grabungsteam unter Leitung von Gerhard Höpfner ist im Auftrag der lübschen Einrichtung in der riesigen Tongrube im Herzogtum Lauenburg unterwegs und kann die Fundstücke am Mühlendamm zu Sammlungen zusammenführen und temporär ausstellen. „Deshalb ist das vierjährige ZKFL-Forschungsstipendium, das von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung gefördert wird, mit einem wissenschaftlichen Volontariat in unserem Museum gekoppelt“, erläutert Füting. Diese besondere Kombination nennt sich „Lübecker Modell“.

Muscheln, Schnecken, Kahnfüßer

Seit Oktober ist die 26-Jährige, die an der Universität in Padua ihren Master in „Natural Sciences“ abgeschlossen hat, nun hier. „Zuerst habe ich die bereits vorhandene Sammlung gesichtet und archiviert“, erzählt sie. Dabei interessiert sich die Forscherin für bestimmte Tiergruppen von damals – für Muscheln, Schnecken und Kahnfüßer, die auch mit dem Begriff der Weichtiere, der sogenannten Mollusken, zusammengefasst werden. Knapp 100 Arten seien davon in der Sammlung des Museums repräsentiert, „und der Erhaltungsgrad ist schon bemerkenswert“, so ihr Kommentar.

Doch diese Bestandsaufnahme reicht für ein Forschungsvorhaben natürlich nicht aus. Carobene möchte im Detail die Wechselwirkungen der Organismen – Fachbegriff Paläoökologie – in sogenannten „whale fall Communitys“ untersuchen, und diesbezüglich ist Groß Pampau ein sehr geeigneter Ort. Schließlich konnten dort bereits 18 Wale von den Hobby-Paläontologen freigelegt werden, und weitere zwei sind bereits entdeckt.

Toter Wal als Festessen

„Wenn ein Wal verendet und auf den Meeresboden absinkt, dann ist das für andere marine Lebewesen wie ein Festessen“, so die Wissenschaftlerin. Man muss sich dies wie ein veritables Gewimmel und Getümmel auf dem verstorbenen Meeressäuger vorstellen. Und für Mollusken sei so ein Ereignis ebenfalls eine tolle Gelegenheit gewesen, um sich richtig satt zu fressen.

Hinweisschild, dass wissenschaftliche Untersuchungen im Gange sind. Quelle: Timo Jann

Entsprechend ist Daria Carobene zusammen mit Museumsmitarbeiter Max Vodel zu dieser einzigartigen Lagerstätte, die öffentlich nicht zugänglich ist, gefahren, um in einem sechs Meter langen Bodenschnitt alle 20 Zentimeter Proben für die genaue Analyse im Labor zu ziehen.

600 Kilogramm Ton lagern nun zur Auswertung in der Museumswerkstatt. „Da kommt eine Menge Arbeit auf mich zu“, sagt die Doktorandin, „aber Arbeit, die Spaß macht.“ Für Museumsleiterin Susanne Füting ist das Vorhaben ein Segen. „Es stellt Zusammenhänge zwischen unseren Funden her, und die wissenschaftlichen Gesamtergebnisse können schließlich der breiten Öffentlichkeit einen anschaulichen Blick auf ein ,Meer vor unserer Zeit’ ermöglichen“, fasst sie zusammen. So könne ein weiteres neues Level erreicht werden.

Michael Hollinde

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