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Lübeck Lübecker Abenteurer in schwerer Not: Pieskes dramatische Stunden im Westpazifik
Lokales Lübeck Lübecker Abenteurer in schwerer Not: Pieskes dramatische Stunden im Westpazifik
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20:00 14.06.2019
Luftaufnahme der Retter: Die „Ana-Varu“ ist durchgekentert, Burghard Pieske (hinten im Schlauchboot) und seine Mitsegler harren fast zwölf Stunden mitten im Westpazifik aus. Quelle: Picasa
Guam/St. Gertrud

Er ist zurück. Viel früher als geplant, „ein bisschen schlapp“, wie er sagt, aber ansonsten unversehrt. Doch jetzt muss sich der Weltumsegler erst einmal ein wenig erholen. Sein selbstgebautes polynesisches Auslegerboot „Ana-Varu“ treibt immer noch kopfüber im Westpazifik. „Ich bin traurig, dass ich mein Schiff verloren habe“, sagt Pieske. „Und darüber, dass ich meiner Frau so viele Sorgen bereitet habe.“

Abenteuer nach zwei Tagen gescheitert

Dramatische Stunden liegen hinter dem Lübecker Weltumsegler und seinen beiden mikronesischen Mitseglern Larri und Eseah. Stunden, die die drei in offenen Kleinbooten im Westpazifik trieben, abseits aller Schifffahrtsrouten. Erst am Donnerstag vergangener Woche hatten Pieske und seine Begleiter, „besser vorbereitet als je zuvor“, ihr neuestes Abenteuer gestartet.

Klitschnass steht Burghard Pieske auf dem Ausleger der gekenterten „Ana-Varu“. Fotografieren konnten die Schiffbrüchigen, weil Pieske eine Kamera in seinem Notfallkoffer hatte. Quelle: Privat

Pieske und seine Mitsegler waren unterwegs zum Lamotrek-Atoll, wo ein großer Empfang für sie geplant war. „Auf Lamotrek bauen die Leute noch die ursprünglichen Auslegerboote, genannt Proas“, berichtet Pieske. Unterwegs wollten sie das Navigieren ganz ohne Hilfsmittel, also nach den Sternen, ausprobieren.

Da war sie noch in Ordnung: Die „Ana-Varu“ im vergangenen Jahr kurz vor Pagan. Quelle: Privat

Schiff wurde von Mega-Bö erfasst

Rund 70 Meilen vor der Karolinen-Insel Gaferut und etwa 160 Meilen vor Lamotrek passierte es am Sonnabend, 8. Juni. Eine Gewitterfront hatte die kleine Crew die ganze Nacht wachgehalten. „Wir waren gerade durch die Front durch, ich hatte Freiwache und war gegen 8 Uhr morgens unter Deck eingenickt, als ich plötzlich einen Schrei hörte“, erzählt der Lübecker. Eine gewaltige Bö hatte das Auslegerboot gepackt. Und dann ging alles rasend schnell: Durch einen kleinen Fehler an Deck kenterte die „Ana-Varu“, Pieske, noch im Halbschlaf, spürte plötzlich seine Matratze über statt unter sich, am Boden verstauter Proviant fiel ebenfalls auf ihn.

Rettungs-Knopf gedrückt

Und sofort war der erfahrene Weltumsegler hellwach: Er schnappte sich seinen Notfall-Koffer und tauchte aus der „Ana-Varu“. Draußen im Wasser trieben bereits Larri und Eseah, alle drei retteten sich ins Beiboot und ein kleines Schlauchboot. „Ich habe dann sofort den Knopf gedrückt, der die Seenot-Rettung alarmiert, von da an waren wir in der Hand der Coast Guard.“

Und dann, um ziemlich genau 8.45 Uhr, begann das Warten. Ein wenig Proviant und Frischwasser hatten seine Mitsegler noch tauchend aus dem gekenterten Boot geholt, verletzt war niemand. Aber: Obwohl sie sich in warmen Gefilden befanden, war die Kälte nach einiger Zeit überwältigend. Immer wieder seien sie von Wellen überspült worden, „der Wind zog die Wärme und die Energie aus dem Körper“, so Pieske. Fast zwölf lange Stunden mussten die drei Segler ausharren.

Pieskes Mitsegler Larri und Eseah im Dinghi vor der „Ana-Varu“. Die treibt jetzt allein durch den Westpazifik. Quelle: Privat

Mentale Brücke gebaut

Keine Panik, doch so etwas wie abgrundtiefe Erschöpfung habe ihn erfasst, aber: „Ich habe mir eine mentale Brücke gebaut, indem ich daran gedacht habe, dass ich meinem Enkel in den Sommerferien das Segeln beibringen will“, so Pieske. Zunächst wurde von einem Flugzeug aus Proviant abgeworfen, abends um 20 Uhr traf endlich ein russischer Frachter ein, der die drei erschöpften Segler an Bord nahm. Hier wurden sie versorgt, ärztlich untersucht und sehr gastfreundlich aufgenommen.

Mitmenschlickeit und Hilfe in der Not

200 Seemeilen vor Guam übergab der Captain des Containerschiffes die Geretteten an die Coast Guard, von einem größeren Schiff ging es auf ein kleineres und zurück nach Guam. „Irgendwie scheint manchmal solch eine Katastrophe nötig zu sein, um zu sehen, zu welcher Mitmenschlichkeit Leute fähig sind“, zieht der Lübecker Bilanz der Rettung, die sich insgesamt über zwei Tage erstreckte.

Aufgeben kommt nicht in Frage

Jetzt, wieder in der Heimat, ist Pieske traurig, dass die so lange vorbereitete Reise schon nach zwei Tagen endete und dass seine nicht versicherte „Ana-Varu“ irgendwo im Pazifik treibt. „Nach 100 000 Seemeilen, die ich bisher gesegelt bin, darf man auch mal Schiffbruch erleiden“, sagt sich der Lübecker und fügt beinahe trotzig an: „Kopf hoch, es geht weiter!“

Mehr als nur Reisen und Abenteuer

Vor einigen Jahren hatte Pieske sein Projekt „Ana-Varu“, den Nachbau eines Bootes, wie es die Polynesier bereits vor 3000 Jahren bauten, gestartet (die LN berichteten). „Früher“, erklärte er im vergangenen September den LN, „habe ich mir die Welt angeguckt – heute möchte ich etwas bewirken.“ Fasst man seine Aktivitäten der vergangenen vier Jahre zusammen, geht es dem Lübecker darum, die einstige Migrationsroute der Völker des Südpazifiks zu ersegeln und zu erfahren, einstige und fast in Vergessenheit geratene Kulturen der Völker wieder aufleben zu lassen.

Einsatz für Marianen-Insel Pagan

Stets holte er sich Einheimische an Bord, er ist in engem Austausch mit der Universität Guam, der größten und südlichsten Insel des Marianen-Archipels, die Außengebiet der USA ist. Seine Tour im vergangenen Jahr führte ihn zur Insel Pagan, die zu den Nördlichen Marianen gehört. Seit einem Vulkanausbruch 1981 ist die paradiesische Insel unbewohnt, viele Bewohner würden gern zurückkehren. Seit Jahren allerdings planen die USA, Pagan mehrmals im Jahr zum Truppenübungsplatz zu machen und die Insel zu bombardieren. Sein Ziel: einen Beitrag zur Rettung der Insel zu leisten.

Wer mehr über Pagan lesen möchte:

Vor drei Jahren erlebte Pieske bereits eine kritische Situation mit der „Ana-Varu“:

Sabine Risch

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