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Lübeck Lübecker und Rostocker Feuerwehr evakuieren Scandlines-Fähre
Lokales Lübeck Lübecker und Rostocker Feuerwehr evakuieren Scandlines-Fähre
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15:23 29.01.2019
Notfall-Übung an Bord der Scandlines-Fähre „Berlin“; Quelle: Andreas Meyer
Rostock,  

Sieben kurze Töne, dann ein langer. Spätestens jetzt ist jedem Passagier an Bord der Scandlines-Fähre „Berlin“ klar, dass etwas nicht stimmt. Das Schiff ist auf dem Weg von Gedser zurück nach Rostock – als unter Deck ein Brand ausbricht. In einem Raum für die Hydraulikpumpen. Als die Crew das Feuer nicht allein unter Kontrolle bekommt und es erste Verletzte gibt, schaltet der Kapitän das Havariekommando in Cuxhaven ein. Und das wiederum löst Großalarm aus – für die Spezialretter der Berufsfeuerwehren aus Rostock und Lübeck. An Bord der „Berlin“ und im Rostocker Seehafen übten sie am Montagabend gemeinsam für den Notfall.

Rostock ist Notfall-Hafen

Für die Lübecker Berufsfeuerwehr haben Übungen wie die Evakuierung der Scandlines-Fähre großen Wert: „Wenn man die Presse verfolgt, sieht man ja, dass immer mal wieder etwas passiert. Wir müssen auf Szenarien wie das gestrige vorbereitet sein“, sagt Dennis Langhoff, Koordinator für Schiffsbrandbekämpfung in Lübeck. Um für Notfälle dieser Art gewappnet zu sein, fänden jeweils zwei bis drei Übungen im Jahr statt. „Die haben allerdings alle einen anderen Hintergrund. Dann geht es mal um Gefahrstoffe und mal um die Brandschutzbekämpfung“, so Langhoff. Doch gerade praktische Übungen seien nicht zu unterschätzen. „Natürlich besprechen wir solche Szenarien auch in der Theorie, aber eine praktische Übung bringt da definitiv sehr viel mehr.“

„Ein Brand ist an Bord eines Schiffes eines der schlimmsten Szenarien“, sagt Stefan Kieckhöfer, Sprecher der Rostocker Berufsfeuerwehr. Die hauptamtlichen Retter sind darauf aber vorbereitet, haben speziell geschulte Teams für die Brandbekämpfung und auch die Verletztenrettung auf See. „Bei einem echten Notfall würden wir die Mannschaften mit Hubschraubern der Bundespolizei raus zu den Schiffen fliegen – und aus den Helikoptern auf das Deck abseilen“, ergänzt Christian Braun vom Havariekommando des Bundes. Sie nehmen dann nur das Nötigste an Material mit und nutzen primär die Löschmittel an Bord. Bei der Übung aber konnten die Retter im Hafen an Bord gehen – und das Löschen während der regulären Überfahrt proben.

An Bord, auf dem Wasser und an Land: So übten die Berufsfeuerwehren Rostock und Lübeck sowie Hilfsorganisationen.

Dass auch Teams der Berufsfeuerwehr Lübeck mit zehn Mann vertreten sind, hat einen einfachen Grund: „So viele Fachleute für die Schiffsbrandbekämpfung gibt es an der Ostsee nicht. Und alleine wäre so ein Brand nicht zu händeln“, sagt Kieckhöfer. „Wir müssen und wollen zusammenarbeiten.“ Vergangenes Jahr waren die Rostocker auch zu einer Übung in der Lübecker Bucht eingeladen. „Nur eine Berufsfeuerwehr in Deutschland hat genügend eigene Kräfte – und das ist Hamburg.“

Vor allem für die Rostocker ist das Üben aber enorm wichtig: „Wir sind Notfall-Hafen für solche Schiffsunglücke“, sagt Johann Edelmann, Chef des Brandschutz- und Rettungsamtes. Heißt: Bei einer Havarie werden die Schiffe in den Seehafen gelotst. „Im Zweifel sogar riesige Kreuzfahrtschiffe.“ Ein Liegeplatz ist dafür vorgesehen, mit einer riesigen Halle neben an. In der könnten im Notfall Verletzte behandelt und unverletzte Passagiere registriert werden.

Rutschpartie in die Sicherheit

Bereits während des Einlaufens sind das Löschboot der Rostocker Feuerwehr und auch ein Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) zur Stelle: Sie kühlen die Außenhaut der „brennenden“ Fähre. An Land hat indes der Katastrophenschutz Stellung bezogen: Das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehr und der Malteser Hilfsdienst haben Zelte aufgebaut. In ihnen sollen die Verletzten versorgt und behandelt werden. Die provisorischen Lazarette sind beheizt und bieten Schutz vor dem Schnee-Regen-Mix, der vom Himmel fällt. Jeder Verletzte erhält eine Karte: Rot haben die Schwerverletzten. Wer Grün hat, hat auch Glück gehabt – und nur leichte Blessuren. Auch schwarze Karten gibt es. Dass sind jene Patienten, für die jede Hilfe zu spät kommt. Denen die Ärzte nur noch die Schmerzen lindern können. „Auch das gehört dazu, wenn man solche Szenarien probt. Es kann vorkommen, dass wir Menschen nicht mehr retten können“, sagt Feuerwehr-Chef Edelmann.

Doch zunächst müssen die „Opfer“ – allesamt gespielt von Scandlines-Mitarbeitern – von Bord gebracht werden. Drei Schwerverletzten werden mit der Drehleiter vom Deck geholt. Alle anderen müssen springen – in einen Schlauch, der vom obersten Deck nach unten führt. „Das ist unser ,Maritime Evacuation System’ – das MES“, erklärt Scandlines-Chefkapitän Hartmut Adam. „In dem Schlauch rutschen die Passagiere hinunter zu den Rettungsflößen.“ Die werden von Bord geworfen, blasen sich mit Hilfe von Gas-Flaschen automatisch auf. Auf den insgesamt acht Flößen an Bord der Fähre „Berlin“ finden bis zu 1300 Menschen Platz. Weitere 300 können die Rettungsboote aufnehmen. „Wir sind verpflichtet, das Evacuation System ein Mal alle sechs Jahre zu testen – also auszulösen und zu Wasser zu lassen“, so Adam. Pro Jahr und Schiff kostet allein die Wartung der beiden MES mehr als 120 000 Euro. „Im Ernstfall müssen die Flöße und die Rutsche aber binnen Sekunden einsatzbereit sein – und sie müssen sich per Hebel auslösen lassen.“

Noch in der Nacht wurde für das ausgelöste MES ein Ersatz an Bord installiert. Damit die „Berlin“ am Dienstag wieder in den Linienbetrieb gehen konnte. „Das Übungs-MES geht jetzt zu einer Spezialfirma nach Calais in Frankreich, wird gewartet und überholt, dann wieder bereit für den Einsatz gemacht und kommt dann in vier Wochen wieder auf die ,Berlin’“, verrät Adam. Ein riesiger Aufwand. „Immer mit dem Ziel, solche System nie nutzen zu müssen. Jedenfalls nicht in einem echten Notfall.“

Andreas Meyer und Josephine Andreoli

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