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Lübeck Drogentreff am Krähenteich: Stadt und Polizei schließen Sicherheitspakt
Lokales Lübeck Drogentreff am Krähenteich: Stadt und Polizei schließen Sicherheitspakt
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16:44 28.10.2019
Kampf gegen die Drogenszene – im Rathaus: Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) und Polizeichef Norbert Trabs im Roten Saal des Rathauses. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben: Stadt und Polizei wollen Lübeck zu einer Stadt ohne Drogenszene machen. Jetzt haben Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) und Polizeichef Norbert Trabs einen Vertrag unterschrieben. Erstes Ziel: Die Drogenszene am Krähenteich wird bis April 2020 aufgelöst. Immerhin: Die Szene hat sich bereits verkleinert – von 200 auf 119 Leute. Seit 2018 sitzen 34 Dealer in Haft, sechs weiter in Untersuchungshaft. Außerdem soll verhindert werden, dass sich der Drogentreff an den Zob oder einen anderen Ort verlagert.

Drogenszene Krähenteich ist erst der Anfang

Gelingen soll das durch vier Hauptpunkte: Prävention, Hilfe, Festnahmen und Verschönerung des Platzes. „Es geht uns nicht darum, das Problem optisch zu lösen“, sagt Lindenau. Er betont, dass das Konzept die gesamte Situation im Blick hat: Süchtige, Dealer, Nachbarn. „Wir brauchen einen langen Atem“, betont auch Trabs. Denn von einem solchen Treff wie dem Krähenteich „gehen Gefahren aus“, so Trabs. Dort werden nicht allein Drogen gehandelt, sondern da wächst auch andere Kriminalität. Mit der Auflösung des Drogentreffs am Krähenteich sei das Thema nicht erledigt.

Kampf gegen die Drogenszene – vor Ort: Zehn Polizisten haben am Montag die Menschen am Krähenteich kontrolliert. Los ging es um 15.30 Uhr. Nur zwei Stunden zuvor hatten Bürgermeister Jan Lindenau und Polizeichef Norbert Trabs den Pakt gegen die Drogenszene geschlossen. Quelle: Lutz Roeßler

Mehr Polizisten, mehr Ordnungshüter

Konkret: Sieben Maßnahmen wollen Stadt und Polizei angehen. Nummer eins: Mehr Präsenz vor Ort. Polizisten und Mitarbeiter des städtischen Ordnungsdienstes werden häufiger am Krähenteich unterwegs sein. Beim Ordnungsdienst werden dafür zehn neue Leute eingestellt. Nummer zwei: Mehr Haftbefehle. Dafür gibt es bei der Polizei bereits seit Längerem eine Sonder-Ermittlungsgruppe. Seit vier Wochen konzentriert sie sich fast ausschließlich auf dieses Thema.

Mehr Hilfe für die Süchtigen

Nummer drei: Die Süchtigen am Krähenteich sollen selbst Vorschläge für die Auflösung der Drogenszene machen und werden an dem Prozess beteiligt. Das organisiert die Awo-Drogenhilfe. Nummer vier: Es soll mehr Hilfe für die Süchtigen geben. Die Stadt stellt zwei Streetworker ein und bezahlt ein Drogenmobil.

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Mehr Sicherheit für die Nachbarn

Nummer fünf: Die Nachbarn sollen sich sicherer fühlen – unter anderem durch mehr Polizisten vor Ort. Nummer sechs: Der Platz soll umgestaltet werden. Die Hecken werden in den nächsten Wochen zurückgeschnitten. Außerdem soll der Platz schöner werden. Das soll ebenfalls für ein höheres Sicherheitsgefühl bei den Nachbarn sorgen. Nummer sieben: Die Stadt will die Nachbarn besser informieren. Generell soll das Thema Prävention stärker nach vorne gebracht werden.

Warum die Situation eskalierte

Das Klohaus: Im März 2017 hatte die Stadt eine Toilette auf dem Platz am Krähenteich aufstellen lassen. Kosten: 80 000 Euro. Die Maßnahme sollte das Wildpinkeln verhindern. Aber die Drogendealer übernahmen das Häuschen und verkauften dort ihre Waren. Außerdem wurde das Häuschen zur Prostitution genutzt.

Der Abriss: Bis zum Sommer 2018 eskalierte die Situation rund um das WC-Häuschen immer mehr. Nachbarn wurden von den Dealern bedroht, Tiere gequält. Im Sommer rissen Stadt und Polizei das Klohäuschen ab.

Der Protest: Im Sommer 2019 protestierten die Nachbarn mit einem Frühstück am Krähenteich. Die wollten sich den Platz zurückholen. Mehr als 130 Lübecker kamen. Die Drogenszene gibt es an dem Ort schon seit Jahrzehnten. Gegen die Süchtigen haben die meisten Nachbarn nichts. Aber: Das Areal drohte zu einer „No-go-Area“ zu werden.

Ein Pakt und viele Verbündete

Warum braucht es dazu einen Pakt? „Damit wir schnell reagieren können“, erläutert Lindenau. Denn das Thema wird hauptsächlich von Stadt und Polizei vorangebracht. Aber: Es gibt etliche Verbündete wie die Awo und die Vorwerker Diakonie sowie Bundespolizei und Bahn, wenn es um den Zob geht. Damit alle Zahnrädchen ineinandergreifen, gibt es nun eine Gruppe aus 20 bis 25 Leuten. Sie treffen sich einmal in der Woche, haben Telefonnummern ausgetauscht für den sprichwörtlich kurzen Draht. Koordiniert wird das Ganze im Dezernat von Innensenator Ludger Hinsen (CDU). „In der Szene wird deutlich wahrgenommen, was wir hier tun“, sagt Hinsen. „Es gibt bereits Anzeichen, dass sich die Szene auflöst.“

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