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Lübeck Finanzen 2018: Fast 100 Millionen Euro Plus
Lokales Lübeck Finanzen 2018: Fast 100 Millionen Euro Plus
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16:59 23.04.2019
Das Holstentor von Geld umgeben: Lübeck hat jede Menge Geld. So suggeriert es der Blick auf den Haushalt 2018. Das allerdings ist ein Trugschluss. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

 Lübeck hat Geld. So viel wie nie. In 2018 hat die Stadt ein Plus von satten 96,7 Millionen Euro eingefahren. „Das ist das beste Ergebnis, das wir je hatten“, freut sich Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), denn seit Jahrzehnten ist Lübeck hoch verschuldet. Die Trendwende deutete sich 2013 an. 2015 dann das erste Mal ein positiver Jahresabschluss. Seither steigt das Plus stetig.

Lübecks Finanzen im Plus

Die Gründe: boomende Wirtschaft, extra Geld vom Land, Sparrunden der Stadt. Lübeck hat mitgemacht beim Schuldenfonds des Landes. Die Stadt hat von 2012 bis 2018 insgesamt 24,7 Millionen Euro gespart und dafür vom Land 123 Millionen Euro bekommen.

„Das ist das beste Ergebnis, das wir je hatten“, freut sich Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Quelle: Lutz Roessler

So viele Einnahmen hatte Lübeck noch nie

Die Details zu 2018. Die Einnahmen der Stadt sind so hoch wie nie: 911 Millionen Euro. Das sind 44 Millionen Euro mehr als 2017. Da waren es 867 Millionen Euro. Dafür gibt es zwei Gründe. Nummer eins: Die Wirtschaft boomt, deshalb sprudelt die Gewerbesteuer. 123 Millionen Euro hat Lübeck eingenommen. Das sind 18,7 Millionen Euro mehr als 2017. Die Stadt muss aber von der Gewerbesteuer Geld an den Bund zahlen: 2018 sind das 18,7 Millionen Euro. Unterm Strich bleiben 104,3 Millionen Euro. Kämmerer Manfred Uhlig: „Ein historischer Höchststand.“

„Es gibt einen historischer Höchststand bei den Gewerbesteuern“, sagt Kämmerer Manfred Uhlig. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck verkauft Tafelsilber

Grund Nummer zwei: Die Stadt verkauft Eigentum. 31,5 Millionen Euro hat die Stadt durch die Veräußerung von Grundstücken eingenommen. Das sind 7,1 Millionen Euro mehr als 2017. Da waren es 24,4 Millionen Euro. Verscherbelt die Stadt ihr Tafelsilber? „Die Bürgerschaft hat das so beschlossen“, sagt Lindenau. Die CDU wollte sogar noch eine Sonderverkaufsaktion für Erbpacht-Grundstücke. „Diesen hohen Betrag haben wir sogar ohne diese Aktion erzielt.“

Die Stadt zahlt mehr Geld für die Mitarbeiter

2018 sind aber auch die Ausgaben hoch. Satte 815 Millionen Euro hat die Stadt ausgegeben. Das sind 32 Millionen Euro mehr als 2017. Da waren es 783 Millionen Euro. Der Grund: Die Kosten für die 3300 Mitarbeiter sind gestiegen. 2018 hatte die Stadt 175 Millionen Euro Personalkosten. Das sind fast zehn Millionen Euro mehr als 2017. Knackpunkt ist aber das Versorgungsgeld – eine Art Rente. Das sind die Ausgaben von 26 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2017 waren es 19 Millionen Euro. Ein Anstieg um 35 Prozent. Die Versorgungskasse hat die Berechnung geändert. 2019 wird die Stadt noch mehr ausgeben müssen.

Die Schulden bleiben

Das Problem: Lübeck hat noch jede Menge Schulden. Wenn auch nicht mehr ganz so viele wie früher. Daher sind die Zinsen auch auf 14 Millionen Euro gesunken. Sonst waren es 20 bis 25 Millionen Euro. Grob aufgeteilt gibt es zwei Arten von Schulden. Nummer eins: Kredite bei Banken. Mit 615 Millionen Euro steht die Stadt in der Kreide – Stand Ende 2018. Das waren schon wesentlich mehr: 800 Millionen Euro.

Lübecks Finanzen: So haben sich die Jahresergebnisse entwickelt. Quelle: Jochen Wenzel

Kredite der Hansestadt

Diese Kredite teilen sich auf. Es gibt das Girokonto der Stadt, das ist permanent überzogen. Ende März waren es 116 Millionen Euro, Ende 2018 noch 140 Millionen Euro. Der Stand schwankt stark, da es auf dem Girokonto viele Buchungen gibt. Lindenau: „In diesem Jahr sollten wir unter 100 Millionen Euro kommen.“

Es gibt Altschulden: die Defizite der Vorjahre. Die Stadt durfte 2012 und 2013 aus dem Dispokredit des Girokontos einen langfristigen Kredit machen – umschulden. Aktuell sind das 175 Millionen Euro. 2019 muss die Stadt davon 15 Millionen Euro bezahlen. Bis 2024 den Rest.

Und es gibt Kredite für Investitionen: 300 Millionen Euro. Das ist das Geld, das Lübeck in Hafen, Straßen und Schulen steckt. Diese Schulden rentieren sich, denn die Stadt schafft dadurch neues Eigentum beziehungsweise erhält ihr Eigentum.

Das erste Mal hat die Stadt Lübeck Eigenkapital: Die Quote beträgt 9,4 Prozent. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Unsichtbare Schulden

Schulden Nummer zwei: unsichtbare Schulden. Sie stehen nur auf Papier. Aber: Das Geld muss gezahlt werden – nicht jetzt, aber in der Zukunft. Es geht vor allem um Pensionen: satte 468 Millionen Euro. Oder um Bürgschaften für städtische Gesellschaften: 36,6 Millionen Euro.

Die Stadt hat das erste Mal Eigenkapital

Es gibt eine weitere Zahl auf dem Papier – aber sie ist ein Zeichen für eine Wende. Die Stadt hat Eigenkapital – von 144,5 Millionen Euro. Das ist eine Eigenkapitalquote von 9,4 Prozent. In der Wirtschaft sind 30 Prozent üblich. Aber immerhin. Das bedeutet: Weniger Schulden, mehr eigenes Kapital. Kämmerer Uhlig: „Es passiert richtig was in der Stadt. Es wird investiert.“

Josephine von Zastrow

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