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Lübeck Am Holstentor: Stadt will Top-Areal an Künstler verpachten
Lokales Lübeck Am Holstentor: Stadt will Top-Areal an Künstler verpachten
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13:33 19.03.2019
Kunsttankstelle mit Kunstautomat: Defacto Art-Mitglied Michaela Berning-Tournier vor dem Standort an der Wallstraße. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Schicke Ecke, schicker Preis: Die Kunsttankstelle hat die Adresse Wallstraße 3 bis 5 - direkt neben Lübecks Wahrzeichen. Dieses 1738 Quadratmeter große Gelände will die Stadt jetzt an den Künstlerverein Defacto Art verpachten. Die Kosten für den Erbpachtvertrag: 6430,60 Euro im Jahr. Der Vertrag läuft auf 40 Jahre. Außerdem: Der alte Garagenhof auf dem Grundstück soll an den Verein verkauft werden – für 29 304 Euro. Diesen Sommer könnte es losgehen. Das geht aus einem nicht-öffentlichen Papier der Verwaltung hervor. Der Hauptausschuss hat bereits zugestimmt. Die Bürgerschaft muss das Ganze am 28. März endgültig absegnen.

Die Details des Vertrages: Laut Gutachter hat das Grundstück einen Quadratmeterpreis von 185 Euro. Macht einen Verkaufspreis von 320 000 Euro. Generell beträgt der Erbpachtzins vier Prozent, ergibt 12 860 Euro. Da Defacto Art ein gemeinnütziger Verein ist, gibt es 50 Prozent Nachlass. Macht 6430 Euro.

Der Künstlerverein ist seit Mitte November ein Tochterverein der Gemeinnützigen. Er hat 55 Mitglieder. Zudem gibt es einen Förderverein mit ebenfalls 55 Mitgliedern.

Großartiges Grundstück, kleines Geld

Kritik kommt von FDP und AfD. „Es gibt kein nachhaltiges Konzept“, bemängelt Liberalen-Fraktionschef Thomas Rathcke. Was ihn umtreibt: „Wir geben das Gelände auf Jahrzehnte an einen Verein – an dieser prominenten Stelle.“ Angesichts der leeren Stadtkasse könnte man dort etwas anderes machen. Einen Kulturcampus mit Welterbezentrum kann Rathcke sich dort vorstellen. „Im Bürgermeister-Wahlkampf hat Lindenau das Grundstück dem Verein versprochen“, kritisiert er den günstigen Pachtvertrag. Die AfD ist ebenfalls dagegen, das Areal an Defacto Art zu vergeben. „Es ist ein Edelgrundstück“, sagt Fraktionschef David Jenniches. Angesichts der finanziellen Situation der Stadt „könne man da mehr draus machen“. Sprich, das Grundstück teurer verkaufen oder verpachten.

„Im Bürgermeister-Wahlkampf hat Lindenau das Grundstück dem Verein versprochen“, kritisiert FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke den günstigen Pachtpreis. Quelle: Lutz Roeßler

Viel Lob für die Künstler

Überzeugt von dem Konzept des Künstlervereins sind indes die anderen Fraktionen. „Es ist zunächst der sinnvollste Schritte für das Gelände“, findet André Kleyer (Grüne). Eine „Bereicherung der Kulturszene“ stimmt Wolfgang Neskovic (Unabhängige) zu. „Ein tolles Projekt“, findet Fraktionschefin Katjana Zunft (Linke). „Eine gute Sache, was der Verein da macht“, sagt auch SPD-Vormann Peter Petereit.

„Eine gute Sache, was der Verein da macht.“ freut sich SPD-Vormann Peter Petereit über den Pachtvertrag für Defacto Art. Quelle: Lutz Roeßler

Der Plan der Künstler: Aus den alten Garagen sollen Ateliers für junge Künstler werden. Sie können sich dort einmieten. Dadurch wird die Pacht an die Stadt refinanziert. Die neuen Werkstätten sind für Lübecker Künstler gedacht, aber auch für solche aus dem Umland. „Wir sind offen auch für Künstler von anderswo“, sagt Vorsitzender Peter Fischer. Vor allem will Defacto Art jungen Künstlern eine Chance geben, die sich bisher noch keinen Namen in der Szene gemacht haben. Wenn die Bürgerschaft die Verträge absegnet, will Defacto Art loslegen.

Garagen werden zu Ateliers

Das Geld für den Kauf des Garagenhofs hat der Verein bereits zusammen, erklärt Fischer. Dann sollen die Garagen hergerichtet werden. Die 38 Garagen sind in einem offenen Karree angeordnet. Sie sind jeweils 12,5 Quadratmeter groß und zwei Meter hoch. Daraus sollen zwölf bis 14 Ateliers entstehen. Ende 2020 sollen sie fertig sein. Das Herzstück der Kulturtankstelle ist die 114 Quadratmeter große Werkstatt. Darin organisiert der Verein bereits Ausstellungen. Denn die Stadt hat dem Verein das Areal bereits 2015 zugebilligt, damit die Künstler es entwickeln. Formal nennt sich das Anhandgabevertrag. Das Problem: Der Verein hat mehr als 60 Stiftungen angefragt, um Gelder für das Projekt zu bekommen. Aber: Ohne Pachtvertrag gibt es kein Geld. Daher hofft Fischer, dass die Bürgerschaft das Ganze absegnet.

Kumpanei und Günstlingswirtschaft ?

Für Unmut sorgt indes noch etwas anderes: Das Thema Kunststankstelle wird hinter verschlossenen Türen entschieden. Das kritisieren die Unabhängigen seit Wochen. Allerdings: Bisher scheiterten alle Versuche, das Thema im öffentlichen Teil der Sitzung zu behandeln. Dagegen legte Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) seinen Widerspruch ein. Fraktionschef Detlev Stolzenberg (Unabhängige): „Gerade weil dieses attraktive Grundstück anderweitige Begehrlichkeiten auslösen kann, darf nicht der Eindruck von Kumpanei und Günstlingswirtschaft hinter verschlossenen Türen entstehen.“

Josephine von Zastrow

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