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Lübeck Karnevalisten erobern das Rathaus
Lokales Lübeck Karnevalisten erobern das Rathaus
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18:26 02.03.2019
Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) übergibt den Schlüssel an die Stadtprinzessin Cadia I.
Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) übergibt den Schlüssel an die Stadtprinzessin Cadia I. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Innenstadt

Ziemlich entspannt steht Bürgermeister Jan Lindenau vor dem Eingang des Börsensaals und wartet darauf, dass die Narren das Rathaus stürmen. Zwei blecherne Narrenorden hat er an bunten Bändern um den Hals hängen. „Die anderen acht, die ich schon habe, hab’ ich drinnen hängen lassen“, sagt er. Er ist schwer zu verstehen, weil auf dem Markt der Musikzug Freibeutermukke fröhlichen Lärm verbreitet. Um 11.11 setzen sich die Narren in Bewegung. Sie stürmen nicht, sie schlendern gut gelaunt in den Saal, wo schon Publikum auf sie wartet.

Bürgermeister mit Narrenmütze

Jan Lindenau hat sich inzwischen eine Narrenmütze aufgesetzt. „Das hat’s noch nie gegeben“, sagt Moderator Reinhold Dose anerkennend, „ein Bürgermeister mit Karnevalsmütze.“ Lindenau übergibt den symbolischen Rathausschlüssel an Cadia Stolle, die amtierende Stadtprinzessin Cadia I., und sagt: „Ich hatte diese Woche das Gefühl, als Bürgerschaftssitzung war, die große Karnevalssession hat schon stattgefunden“, zur Freude der versammelten Karnevalisten. Denen spricht Lindenau ein Lob aus: „Das ist was, was diese Stadt ausmacht, dass man was zusammen macht in Vereinen und Verbänden.“

Nacheinander wirbeln Tanzgruppen aller sechs Karnevalsvereine über das Parkett des Saals – Rangenberg, Silbermöwe, Rut-Wiess, Kücknitz, Nordlichter, Falkenfeld. Dagmar Callies, Sprecherin des Komitees Lübecker Karneval, übergibt einen Scheck über 4011,11 Euro an Kathrin Kahlcke-Beall, Leiterin des Ronald-McDonald-Hauses Lübeck. Das ist der Erlös, den die Lübecker Karnevalisten in dieser Saison mit dem Verkauf von Marzipantalern erzielt haben. Kahlcke-Beall bedankt sich und kündigt an, mit dem Geld den Garten des Ronald-McDonald-Hauses zu sanieren.

„Die Kinder sind voll dabei“

Anschließend gibt es diesmal keinen Umzug. Den hatten die Karnevalsvereine für dieses Jahr abgesagt (LN berichteten), weil in den vergangenen Jahren zu wenig Publikum an den Straßen stand. Stattdessen präsentieren sich die Karnevalsvereine in der nordöstlichen Ecke des Marktes an den Rathausarkaden mit Ständen. Marina Quast (57) von der Karnevalsgesellschaft Die Nordlichter, Karnevalistin seit 1986, ist zufrieden mit dieser Alternative, denn mit den Straßenumzügen hat sie nicht so gute Erfahrungen gemacht: „Wir sind das eine oder andere Mal schon angepöbelt worden“, erzählt sie. Nicole Lossin (46), seit 30 Jahren bei der Karnevalsgesellschaft Rut-Wiess, sieht es ähnlich: „Das ist mal was Neues! Die Kinder sind meistens frustriert, wenn sie durch die leeren Straßen ziehen. Hier sind sie voll dabei, laufen rum und verteilen Flyer.“

70 Kilo Bonbons

Ganz unumstritten ist die Neuerung unter den Karnevalisten nicht. Reinhold Dose vom Verein Silbermöwe sagt am Ende der Veranstaltung im Börsensaal, die er moderiert hat: „Ich persönlich glaube immer noch, wir erreichen mehr Leute durch den Umzug.“ Jens Zimmermann, Präsident der Lübecker-Rangenberger Karnelvalsgesellschaft, ist dagegen am frühen Nachmittag überzeugt, dass seine Idee richtig war, den Karneval von den Straßen auf den Markt zu holen. Er resümiert: „Die Stimmung ist insgesamt viel besser.“ Er hat auf jeden Fall seinen Spaß gehabt: „Wir haben fast 70 Kilo Bonbons in die Menge geworfen.“

Bilder vom Sturm aufs Rathaus und vom Kinderkarneval in der Handwerkskammer.

Korrektur:Die amtierende Stadtprinzessin Cadia I. ist Cadia Stolle. In dem Artikel „Zu wenig Publikum: Der Karnevalszug fällt aus“ war ihre Identität falsch zugeordnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Hanno Kabel