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Lübeck Lübecks Kita-Träger warnen: Qualität sinkt und für Eltern wird es teuer
Lokales Lübeck Lübecks Kita-Träger warnen: Qualität sinkt und für Eltern wird es teuer
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15:09 25.09.2019
Über 100 Kitas gibt es in Lübeck. Die Träger befürchten, dass sie auf Kosten sitzen bleiben, wenn das Land seine Kita-Reform umsetzt. Quelle: 54° / Felix König
Lübeck

Der Kieler Sozialminister Heiner Garg (FDP) ist überzeugt, dass sein Kitareformgesetz 2020 ein großer Wurf ist. Der Gebührendschungel wird beendet, die Eltern und Kommunen werden entlastet und die Betreuungsqualität wird festgeschrieben. Doch die freien Träger von Kitas in Lübeck befürchten, dass sie und auch Eltern bei der Kita-Reform draufzahlen müssen.

Alle finanziellen Risiken bei den Kita-Trägern

„Ein Krippen-Ganztagsplatz beim Kitawerk kostet 315 Euro im Monat“, rechnet Nadine Wiederhold, Leiterin der 37 evangelischen Kitas in der Hansestadt vor, „der Kitadeckel soll künftig bei 288 Euro liegen.“ Sollte die Hansestadt die Lücke nicht füllen, müsse das Kitawerk Betreuungsstandards absenken oder Personal abbauen. „Wir müssten dann freitags wieder um 14 Uhr schließen“, erklärt Leiterin Wiederhold.

Bleiben Träger auf den Kosten sitzen?

Berechnungen der Lübecker Kita-Träger ergeben, dass eine Ganztagsgruppe für Drei- bis Sechsjährige durch den Kitadeckel bis zu 15 000 Euro weniger an Einnahmen habe, erklärt Karoline Stojan-Brauer, Bereichsleiterin Kitas beim Verein Sprungtuch. „Das Gesetz verlagert nahezu alle Risiken auf die Träger“, steht in einem Positionspapier, das die Lübecker Kita-Träger erarbeitet und an die Landesregierung sowie an die Landtagsabgeordneten geschickt haben, „gleichzeitig verlieren die Träger durch die Deckelung der Elternbeiträge jede Möglichkeit der Rücklagenbildung, um diese Risiken zu kompensieren.“

Land plant nur mit dem Mindeststandard

„Die Eltern werden es merken, wenn wir weniger Personal an den einzelnen Standorten vorhalten, öfter Gruppen teilweise oder ganz schließen müssen und weniger Kapazitäten für Elterngespräche haben werden“, prophezeit Wiederhold. „Wir sollen Sprachförderung anbieten und Qualitätsmanagement betreiben, aber die Mittel stehen dafür nicht zur Verfügung“, sagt Nicola Leuschner, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes mit vier Kitas.

Das plant das Land

Die Kita-Reform soll den Gebührendschungel im Land lichten, die Eltern und Kommunen von Kosten entlasten und die Qualität der Betreuung in den Kitas sicherstellen. Das Land nimmt dafür eine Milliarde Euro zusätzlich in der laufenden Legislaturperiode in die Hand. Die Elternbeiträge werden landesweit gedeckelt, Gruppen werden auf 20, maximal 20 Kinder begrenzt und die Zahl der Erzieherinnen pro Gruppe angehoben.

Um die Kitaförderung zu vereinheitlichen, arbeitet das Land mit einem Mindeststandard. Die Lübecker Kita-Träger sagen, „dass Lübeck längst über diesen Standard hinaus ist.“ Im Positionspapier warnen sie: „Perspektivisch wird es zu einer Verschlechterung der pädagogischen Qualität kommen.“

Kita-Träger: Die Verpflegungskosten werden steigen

Die Eltern werden das Reformgesetz auch im Portemonnaie spüren, sind Kitawerk, Kinderwege, Sprungtuch und viele andere Träger überzeugt. Zwar werde beispielsweise der Elternbeitrag für einen Ganztags-Krippenplatz auf 288 Euro im Monat abgesenkt, gleichzeitig werde aber das Krippengeld von 100 Euro im Monat gestrichen. Und die Kita-Anbieter gehen unisono davon aus, dass die Verpflegungskosten angehoben werden.

Das sagen Elternvertreter

Der Verein Elternstimmehat das Reformpaket des Landes unter die Lupe genommen. Künftig werden Kinder das ganze Jahr über in Kitas und Krippen aufgenommen und nicht nur im Sommer. Das sei eine große Entlastung für Familien. Kitas mit mehr als drei Gruppen dürfen künftig nur noch 20 Tage im Jahr schließen. Elternstimme fordert, dass das ausnahmslos für alle Kitas gelten müsse. Zwei Erzieherinnen (bisher 1,5 Stellen) betreuen künftig eine Gruppe von Kindern unter drei Jahren. Elternstimme begrüßt diese Verbesserung, aber zwei Fachkräfte seien immer noch zu wenig. Fazit des Vereins: Das Verbesserungspotenzial ist noch nicht ausgeschöpft.

Die Kita-Träger versuchen jetzt auf Landes- und kommunaler Ebene, die Politiker auf die Folgen aufmerksam zu machen. „Noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen“, sagt Karoline Stojan-Brauer von Sprungtuch, „jetzt kommt es darauf an, wie die Bürgerschaft sich positioniert.“ In der Haushaltsbürgerschaft liegen bereits Anträge mehrerer Fraktionen vor, mit denen die „Lübecker Standards“ der Kinderbetreuung festgeschrieben werden sollen.

„Es werden in den nächsten Jahren zusätzliche Millionen in das System Kita fließen und trotzdem haben im Moment viele zurecht die Befürchtung, dass es teurer und schlechter wird“, erklärt Jenny Scharfe vom Verein Elternstimme, „das darf doch nicht wahr sein!“ Die Lübecker Politik müsse zwingend nachsteuern, was in Kiel nicht ausreichend vorgegeben wurde, fordert der Verein.

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