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Lübeck Lübecks Kulturtankstelle: Neue Ateliers am Holstentor
Lokales Lübeck Lübecks Kulturtankstelle: Neue Ateliers am Holstentor
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20:10 07.07.2014
Freut sich auf das neue Zuhause: Caesar Bauer ist Vorsitzender des Vereins Defacto Art. Die Künstler übernehmen die alte Tankstelle und den Garagenhof in der Nähe des Holstentors. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Besser wird‘s nicht. In dem offenen Karree fällt der Blick geradeaus auf die alte Werkstatt der Firma Schulze & Oltmanns. Der Schriftzug prangt noch über dem großen braunen Holztor. Davon gehen links und rechts Garagen ab — ebenfalls verschlossen mit braunen Holztüren. Das Unkraut wächst zwischen den Steinen hervor. Eine Anmutung aus vergangenen Zeiten. Links neben dem Hof reihen sich weitere Garagen aneinander, mit weißen Flügeltüren. Dort steht eine alte Tankstelle aus Backstein — mit Vordach, unter das früher Automobile rollten und Sprit tankten.

Bald sollen die Lübecker dort Kultur tanken können. Denn aus dem Areal an der Wallstraße mit Blick aufs Holstentor wird eine Kulturtankstelle — eine Top-Adresse für Künstler-Ateliers. Bewirtschaftet wird sie vom Künstlerverein Defacto Art. Das hat die Bürgerschaft beschlossen. Richtig los gehen wird es in ein bis zwei Jahren. „Es ist ein Traumstandort“, sagt Caesar Bauer, der Vorsitzende.

„Superschön“, pflichtet Künstler Felix Karweick ihm bei. Denn die Künstler des Vereins müssen aus ihren Räumen im Hinterhof des Balauerfohr 31 bis 33 ausziehen. Der Verein war auf der Suche nach 17 Ateliers. Und die SPD ist fündig geworden.

„Wir wollen hier Raum für Kreativität schaffen“, sagt Fraktionschef Jan Lindenau. Das gut 1000 Quadratmeter große Areal gehört der Stadt, der Erbpachtvertrag ist ausgelaufen, und der Garagenhof steht seit drei Jahren leer. Es gab die Idee, ihn abzureißen und dort einen schicken Neubau hinzusetzen. Doch da senkte der Gestaltungsbeirat den Daumen. Deshalb schlug die SPD die Kulturtankstelle vor.

„Uns beschäftigt das Thema der fehlenden Atelierräume für Künstler schon seit Jahren“, sagt Lindenau. Außerdem erhofft er sich eine „Kultur-Achse vor der Stadt“ — mit der Kulturtankstelle, dem Museum Holstentor, der Musik- und Kongresshalle, dem Jugend- und Kulturzentrum „Alternative“ und möglicherweise auch mit den Schuppen der Nördlichen Wallhalbinsel.

Unklar ist noch, wie genau das Vertragsverhältnis zwischen Stadt und dem Verein aussieht — ob verpachtet oder verkauft wird, und wer die Investitionen zahlt. Klar ist aber, dass die Künstler selbst mit anpacken. „Das Besondere bei uns ist, dass wir vieles weitestgehend allein machen“, sagt Bauer. Deshalb wollen die Künstler beim Herrichten der Räume helfen. „Das war eine Grundvoraussetzung“, sagt Lindenau. Denn es gibt auch Kritik an dem Vorhaben Kulturtankstelle. Das Argument: Warum wird Defacto Art unterstützt und nicht andere? „Der Verein ist offen für Künstler — nur muss man sich bei uns engagieren“, sagt Karweick. Beispielsweise den Tresen- oder Besucherdienst übernehmen während der Ausstellungen. Wer bei Defacto Art Mitglied ist, lebt auch von seiner Kunst. „Nur ein Atelier mieten und nicht da sein — das kommt nicht in Frage“, sagt Ria Bredemeyer. Der Verein sei nicht kommerziell ausgerichtet, betont Kilian Kreuzinger. Die Künstler haben die Ateliers bislang für 3,50 Euro pro Quadratmeter gemietet. Pro Jahr gibt es etwa zwölf Ausstellungen, acht davon von Künstlern, die nicht bei Defacto Art sind. „Sie zahlen 250 Euro für drei Wochen — inklusive Werbung“, sagt Bauer. „Da bleibt kein Pfennig übrig.“

Die neue Bleibe in Top-Lage verpflichte und bedeute auch mehr Verantwortung, sagt Bredemeyer. So sollen Besucher den Künstlern beim Arbeiten zusehen können, ein Café ist geplant sowie unter anderem Sommerwochen oder Jugendarbeit. Im derzeitigen zuhause hat Defacto Art noch ein Jahr Verlängerung bekommen — bis September 2015. Grund: Bis in der Kulturtankstelle alles fertig ist, wird es ein Jahr dauern. Die Künstler freuen sich auf ihr neues Zuhause — und waren überrascht, dass sie so viel Hilfe bei der Suche nach Räumen erhalten haben. Bredemeyer: „Mit so viel Unterstützung hatten wir nicht gerechnet.“

Von der Malerei bis zur Musik
11. Juli, 19.30 Uhr: Nach längerer Zeit der Unsicherheit über die Zukunft des Vereins eröffnet Defacto Art nach einer halbjährigen Pause jetzt wieder eine Ausstellung im Hinterhof, Balauerfohr 31-33. Die Künstler wollen sich zurückmelden. Zu sehen sind Arbeiten der Mitglieder von Defacto Art. Die Ausstellung geht bis Mitte August. Der Eintritt ist frei.
50 Mitglieder hat der Verein Defacto Art. Die Künstler sind in unterschiedlichen Bereichen tätig — Malerei, Holzbildhauerei, Multimedia, Installationen, Fotografie und Film. Aber es gibt auch einen Präparator und eine Goldschmiedin. Künstler in den Bereichen Lyrik, Prosa und Musik sind ebenfalls vertreten.
Defacto Art wurde 2005 gegründet.

Josephine von Zastrow

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