Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübecks Orgeln müssen saniert werden
Lokales Lübeck Lübecks Orgeln müssen saniert werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:26 26.07.2014
Der Orgelsachverständige Hans-Martin Petersen nimmt auch einzelne Pfeifen der großen Marien-Orgel unter die Lupe. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Hoch oben thront sie, in über 20 Metern Höhe, die große Orgel von St. Marien. „Der Blick ist einfach einmalig“, schwärmt Hans- Martin Petersen, als er sich an den gigantischen Spieltisch setzt. Rund acht Sekunden hallt der Ton von hier aus durchs monumentale Backstein-Kirchenschiff. Hinsichtlich des prächtig daherkommenden Instrumentes, mit seinen über 6000 Pfeifen, den 101 Registern, mit dem Glockenspiel und den Horizontaltrompeten und vielen weiteren klanglichen Raffinessen, ist ihm aber gar nicht zum Schwärmen zumute.

„Die Orgel ist abgängig, Technik und Materialeinheiten marode. Sie muss dringend durch einen Neubau ersetzt werden“, lässt das Urteil des Orgel-Sachverständigen der Nordkirche keinen Interpretationsspielraum mehr zu. Einige der zwölf Meter langen und schweren Prospektpfeifen drohten sogar schon ins Kirchenschiff zu stürzen und mussten stabilisiert werden.

Petersen, der auch das Amt des Kirchenkreiskantors innehat und entsprechend selbst die Tasten virtuos laufen lassen kann, hat den Auftrag, alle Orgeln im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg mit seinen 56 Gemeinden zu begutachten. Sein erstes Urteil für die Hansestadt: Es sieht nicht gut aus — „denn Lübeck ist in den 1980er Jahren einfach stehengeblieben, die Neuentwicklungen im Orgelbau sind weitgehend an uns vorübergegangen. Wir haben also einen großen Nachholbedarf“, mahnt er an.

In der Vorzeigekirche St. Marien müssten zum Beispiel alle drei Orgeln ersetzt werden. Repräsentabel und vorzeigbar für die musikalische Fachwelt seien eigentlich nur noch die West- und Nordorgel in St. Jakobi sowie die Marcussen-Orgel im Dom. „Dabei ist Lübeck doch in der weltweiten Wahrnehmung die Orgelstadt schlechthin. Schließlich haben in St. Marien Dietrich Buxtehude und Franz Tunder gewirkt“, analysiert er.

Orgel-Professor Franz Danksagmüller von der Musikhochschule Lübeck (MHL) sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. „Ausgerechnet in der Buxtehude-Kirche sind die schlechtesten Instrumente zu finden. Daher steht auch das Renommee der Stadt insgesamt auf dem Spiel“, schlussfolgert er. Derzeit hat die MHL 35 Orgel-Studenten, unter anderem aus Skandinavien, Polen, USA, Frankreich und Italien. „Natürlich haben die jungen Leute ganz bewusst unseren Studienstandort gewählt“, sagt der Dozent. „Deshalb haben wir auch mittelfristig den sehr guten Ruf als Kirchenmusik-Hochschule zu verlieren.“ In der MHL gibt es zwar elf Orgeln. Aber auch diese sind laut Gutachter Petersen nicht mehr auf der Höhe ihrer Klangkraft.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der versierte Instrumenten-Fachmann aus Travemünde schon rund 2000 Orgeln in Schleswig-Holstein und Hamburg unter die Lupe genommen und viele Neuanschaffungsprojekte begleitet. „So habe ich zum Beispiel das aufwendige Vorhaben in St. Katharinen in Hamburg betreut. Da wurde die zerstörte Renaissance-Barockorgel wiederaufgebaut und im vergangenen Jahr feierlich eingeweiht“, berichtet er. Um Lübeck herum habe sich in den vergangenen Jahren überhaupt einiges getan, ergänzt Danksagmüller, „in Hamburg, Kopenhagen, Stralsund, Hannover, Lüneburg — wir sind in der Tat ins Hintertreffen geraten.“

Normalerweise könne eine Orgel Hunderte Jahre halten — „vorausgesetzt, die drei Hauptmaterialien Holz, Zinn beziehungsweise Blei und Leder sind gut verarbeitet worden und das Raumklima stimmt“, analysiert Experte Petersen. In Lübeck allerdings habe sich nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg das Dilemma ergeben, dass man in kürzester Zeit viele neue Instrumente benötigt habe. „Da gab es dann minderwertige Konfektionsware der Lübecker Orgelbaufirma Kemper“, wie es Petersen ausdrückt. Und etliche Gemeinden mussten die Erfahrungen von Marien teilen, dass ihre Kemper-Orgeln wegen mangelhafter Qualität schon nach zwei bis drei Jahrzehnten grundlegend überholt oder sogar komplett abgerissen werden mussten.

Mittlerweile gibt es aber einen Lichtstreif am Horizont. So arbeitet der Marien-Orgelausschuss inzwischen unter Hochdruck. „Nach den Sommerferien werden erste Ausschreibungsrichtlinien formuliert, und wir hoffen 2015 mit ersten Vorschlägen an die Öffentlichkeit gehen zu können“, erklärt Ausschussmitglied Prof. Arvid Gast. Für den Dom gibt es darüber hinaus noch das Schnitger-Orgel-Projekt. Und was die jeweilige Finanzierung angeht, macht sich Hans-Martin Petersen keine großen Sorgen. „Für Orgeln wird immer sehr bereitwillig gespendet. Da wird kein Geld aus der Kirchensteuer benötigt“, so seine jahrelange Erfahrung.

Sorgenkind St. Marien
Ein hochkarätig besetztes internationales Symposium zur Zukunft der Marien-Orgeln fand bereits im Mai in Lübeck statt. Der Zustand aller drei Orgeln sei besorgniserregend. Für die „Große Orgel“ im Turmwerk, die 1968 als größte mechanische Orgel der Welt eingebaut wurde, wird ein kompletter Neubau angestrebt. Das „Positiv“ in der Briefkapelle soll auf den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Und die vorhandene „Totentanz-Orgel“, die mit Schimmelpilzen zu kämpfen hat, muss nachhaltig saniert werden.

Michael Hollinde

Die Gemeinnützige setzt ihre Veranstaltungen für Literaturfreunde fort. Bei der heutigen Lesezeit im Garten der Gemeinnützigen, Eingang rechts vom Heilig- Geist-Hospital, ...

26.07.2014

Mit vereinten Kräften haben Taucher der Berufsfeuerwehr und Wassersportler gestern einen Mann auf der Wakenitz gerettet.

26.07.2014

28 Absolventen der Seemannsschule sind jetzt Schiffsmechaniker.

26.07.2014