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Lübeck Sucht: Welche Rolle spielt das Immunsystem?
Lokales Lübeck Sucht: Welche Rolle spielt das Immunsystem?
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19:58 16.07.2019
Uni-Forscherin Johanna Voges analysiert Blutproben von Studienteilnehmern im Labor des CBBM. Quelle: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Ihr Forschungsfeld wird als Psychoneuroimmunologie bezeichnet und stellt die zentrale Frage, wie das körpereigene Abwehrsystem, Gehirn und Psyche verwoben sein können. Dass hier Zusammenhänge bestehen, wird nun in jüngster Zeit immer deutlicher. „Bei einer bestimmten Gruppe von Patienten mit Depressionen hat man das zuerst festgestellt“, erklärt die Medizinerin Johanna Voges. Wenn man bei ihnen Blut abnehme und es analysiere, seien bestimmte Entzündungsparameter wie die Zytokine erhöht. „Diese Proteine vermitteln zwischen Immunzellen und orchestrieren das ganze Entzündungsgeschehen im Körper“, sagt die 27-jährige Uni-Wissenschaftlerin.

Immuntherapie bei Depressionen

Konsequenz: Verordnet man aufgrund dieser erweiterten Diagnosestellung nun begleitend eine Immuntherapie, verbessert sich die Depressionssymptomatik wesentlich. Dies könne geschätzt bei 30 bis 40 Prozent der Betroffenen helfen. Auch andere psychische Leiden, wie zum Beispiel Schizophrenie und bipolare Störungen, könnte man – nach ersten Hinweisen aus wissenschaftlichen Studien – so möglicherweise besser in den Griff bekommen. „Und wahrscheinlich spielen diese Interaktionen mit dem Immunsystem auch bei Vorliegen von Alkoholabhängigkeit und weiteren Suchtleiden eine wesentliche Rolle“, so Johanna Voges.

Möglicherweise könnte eine Immuntherapie auch bei Alkoholsucht helfen. Quelle: Silz Dirk

Sie möchte nun als Mitglied der Arbeitsgruppe Soziale Neurowissenschaft der Lübecker Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie – unter Anleitung der Psychologin Dr. Lena Rademacher – diesen Wechselwirkungen auf den Grund gehen. Für dieses interdisziplinäre Projekt haben sie sich noch zwei weitere Wissenschaftlerinnen mit ins Boot geholt – Prof. Jennifer Hundt aus der Dermatologie und Privatdozentin Dr. Tanja Lange aus der Rheumatologie. „In der klinischen Studie geht es insbesondere um soziales Belohnungsverhalten – also inwiefern zum Beispiel soziale Interaktionen belohnend sind für Personen – und wie dieses durch Hormone und das Immunsystem beeinflusst werden könnte“, erläutert dazu Prof. Sören Krach, der die Arbeitsgruppe Social Neuroscience leitet.

Prof. Sören Krach leitet die Uni-Arbeitsgruppe Social Neuroscience. Quelle: 54° / Felix Koenig

Dafür werden zwei Gruppen von Versuchspersonen untersucht: zum einen Patienten, die in der Uniklinik an einem Entwöhnungsprogramm von Alkohol teilgenommen haben, zum anderen – als eine Art Kontrollgruppe – gesunde Männer ohne Alkoholabhängigkeit. In einem MRT (Magnetresonanztomographie) wird mittels funktioneller Bildgebung die Hirnaktivität während der Bearbeitung von Aufgaben zu sozialer Interaktion gemessen. So kann man zum Beispiel untersuchen, ob ein bestimmtes Hirnareal, das „Belohnungszentrum“, vermehrt aktiv ist oder nicht. Und aus den Blutproben werden begleitend noch Immunparameter bestimmt.

Studienteilnehmer gesucht

Aktuell werden von der Forschergruppe noch Studienteilnehmer für die Kontrollgruppe gesucht. Wer Interesse hat, sollte gesund (ohne Alkoholabhängigkeit) und männlich sein, Alter zwischen 40 und 55 Jahren. Teilnahmevoraussetzung ist, dass die Teilnehmer keine neurologischen, psychiatrischen oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen haben und nicht regelmäßig Medikamente einnehmen. Wer mitmacht, erhält eine Aufwandsentschädigung von 60 Euro. Zudem ist es möglich, eine MRT-Aufnahme des eigenen Gehirns zu bekommen (bei Interesse: Mail an lena.rademacher@uni-luebeck.de). Und wer Fragen zur Entwöhnungstherapie des ZIP der Lübecker Uniklinik hat, kann sich per Mail an Prof. Klaus Junghanns wenden: klaus.junghanns@uksh.de

„Wir erhoffen uns dann, durch die Zusammenschau von Belohnungsverhalten, Hormonen und Immunparametern Veränderungen bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit zu sehen, die Ansatzpunkte für Therapien darstellen könnten“, resümiert der Uni-Professor. Wenn zum Beispiel stets Alkohol oder andere Suchtmittel im Alltag eine große Rolle spielen, könnte beispielsweise die Geselligkeit unter Freunden als nicht mehr so belohnend angesehen werden, formuliert er eine mögliche Schlussfolgerung. Auf jeden Fall habe diese Kooperation von Psychiatrie und Immunologie auf dem Campus Modellcharakter. „Und ich gehe fest davon aus, dass wir weiter in diese zukunftsweisende Forschungsrichtung investieren“, schaut er voraus.

Michael Hollinde

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