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Lübeck Lübecks Uni hat einen neuen Chirurgie-Chef
Lokales Lübeck Lübecks Uni hat einen neuen Chirurgie-Chef
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18:26 25.11.2013
Von Michael Hollinde
Tobias Keck (40) operiert statt in Freiburg nun an der Lübecker Uniklinik. Quelle: Foto: Maxwitat
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Lübeck

Wenn Professor Tobias Keck zu einem Kongress anreist oder eine Uniklinik besucht, fragt er als erstes den Taxifahrer, welche Meinung dieser denn von Hochschule und Krankenhaus in seiner Heimatstadt habe. „Das habe ich mir so angewöhnt, und die Antworten sind immer sehr aufschlussreich“, sagt der Mediziner. Entsprechend hielt er es genauso, als er im vergangenen Frühjahr zu seinem Bewerbungsverfahren in die Hansestadt kam. „Das, was ich da hörte, hat mich beeindruckt und zeigt, dass die Geschehnisse während des Überlebenskampfes der Uni im Frühsommer 2010 in Lübeck wirklich nachhaltig sind“, resümiert der gebürtige Franke. Die Leute scheinen sich hier mit ihrer Universität zu identifizieren.“

Und dieser Eindruck habe sich nach seinem Dienstantritt vor gut sechs Wochen noch weiter verfestigt, so der neue Direktor der Uniklinik für Allgemeine Chirurgie am UKSH. Keck hat die Klinik als Nachfolger von Professor Hans-Peter Bruch übernommen, der nach 22 Jahren in Leitungsfunktion im vergangenen September in den Ruhestand verabschiedet wurde. Der neue Lübecker Uni-Chirurgie-Chef war zuletzt als Stellvertretender Direktor und Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik Freiburg im Breisgau tätig. Sein Studium absolvierte der 40-Jährige in Erlangen, Stanford und San Diego.

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„Natürlich werde ich die Schwerpunkte der Schlüsselloch- und der Bauchchirurgie, die mein Vorgänger in vorbildlicher Art und Weise an der Klinik etabliert hat, weiter ausbauen und durch weitere inhaltliche Ziele bereichern“, erklärt Keck, Vater von drei Söhnen.

Besondere Erfahrung besitzt der renommierte Mediziner im Bereich der konventionellen und minimal-invasiven Leber- und Bauchspeicheldrüsen-Chirurgie. Er ist einer der wenigen Chirurgen weltweit, die in der Lage sind, die technisch sehr anspruchsvolle Entfernung des Pankreaskopfes sehr patientenschonend durchzuführen. Dieses Verfahren nutzt nur kleinste Zugangswege für eine Operation, bei der in der herkömmlichen Methode ein großer Bauchschnitt nötig war. „Das nötige Know-how für diese OP-Methode habe ich mir durch mehrere wochenlange Visitationen in der Mayo Clinic in Rochester, USA, angeeignet“, erläutert der Arzt.

Als Wissenschaftler arbeitete Keck für einige Jahre an der weltweit bekannten Harvard Medical School in Boston. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe beschäftigt er sich mit der Forschung zum Bauchspeicheldrüsenkrebs. Entsprechende Studien dazu — gefördert mit Bundesmitteln —, die nun am UKSH fortgesetzt werden, sollen die bestehenden Forschungsschwerpunkte der Molekularen Onkologie und Medizintechnik der Uniklinik in Zukunft ergänzen. Im Bereich der Krebschirurgie plant der neue Chef einen weiteren Tätigkeitsausbau. „Dies betrifft vornehmlich die Chirurgie von Metastasen der Leber und Lunge, aber auch die Chirurgie der Bauchspeicheldrüse“, erklärt er. Durch die Etablierung der sogenannten Metabolischen Chirurgie und der Chirurgie der krankhaften Fettsucht wollen Keck und sein Team neue Schwerpunkte setzen. „Dabei schlagen wir eine Brücke zum neuen CBBM, dessen Bau unter struktureller Leitung von Prof. Hendrik Lehnert ja gerade als interdisziplinäres Zentrum für Gehirn, Hormone und Verhalten auf dem Campus entsteht“, so der Chirurg. Die Behandlung von Übergewicht werde dort eine große Rolle spielen. Magenband, Magen-Bypass, Dünndarm- und Magenverkürzung seien hier als OP-Verfahren anwendbar. Zusätzliche Professuren, die in der Klinik für Allgemeine Chirurgie in den Bereichen Thoraxchirurgie und Metabolische Chirurgie in den nächsten Monaten entstehen, sollen die neue Ausrichtung unterstützen.

Die Geschehnisse vom Frühsommer 2010 sind nachhaltig.“Tobias Keck

Michael Hollinde

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