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Lübeck Uni setzt voll und ganz auf KI-Region Lübeck
Lokales Lübeck Uni setzt voll und ganz auf KI-Region Lübeck
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19:47 13.08.2019
Maschinelles Lernen als KI – es wird künstliches Wissen aus menschlichen Erfahrungen gewonnen. Quelle: Ikon Images
Lübeck

Das erste Geld ist schon auf dem Weg, und viele weitere Fördergelder sollen zukünftig in den neuen Schwerpunkt der Universität zu Lübeck fließen. „Den Bereich der KI, also der Künstlichen Intelligenz, beforschen wir ja schon seit einigen Jahren in unseren Informatik-Instituten“, erklärt Vizepräsident Prof. Stefan Fischer, „aber jetzt haben wir hochschulweit eine KI-Strategie beschlossen, um unsere Aktivitäten in dem Bereich hinsichtlich Forschung, Lehre und Transfer noch besser bündeln zu können.“

Drei große Anwendungsbereiche

Nicht nur nach den Vorstellungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler soll die Region Lübeck zum KI-Schwerpunkt werden. „Dabei haben wir für uns drei große Anwendungsbereiche identifiziert“, betont Stefan Fischer, „Medizin und Medizintechnik, Digitale Verwaltung – E-government und smart city als Schlüsselwörter dazu – sowie Autonome Systeme wie zum Beispiel selbstfahrende Autos.“ Eminent wichtig sei es, die KI-Forschung aus der Hochschule „auf die Straße, also in den Alltag der Menschen zu bringen“, formuliert er.

Prof. Stefan Fischer ist Uni-Vizepräsident und steht voll und ganz hinter der KI-Strategie seiner Hochschule. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Erster Schritt dazu: Anfang September wird an der Universität ein „Zentrum für Künstliche Intelligenz Lübeck (ZKIL)“ gegründet, in das sich die am Thema beteiligten Institute einbringen und das die gemeinschaftlichen Projekte koordiniert. „Die insgesamt 15 Institute und Mitglieder treffen sich dann zeitnah zur ersten Mitgliederversammlung“, weiß Fischer. Und auch wenn dieses Zentrum eher als virtuelle Organisationseinheit gedacht ist, wird es ebenfalls ein lokales Zuhause auf dem Campus haben.

MFC II als „Haus der KI“

So soll nach den Plänen der Initiatoren das Multifunctionscenter (MFC) II an der Maria-Goeppert-Straße zum sogenannten Haus der KI werden. Zwei Etagen sind für das Vorhaben dort reserviert. Zudem ist das Gebäude mit den bisherigen Mietern, dem „Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin (MEVIS)“ sowie dem Start-up „Pattern Recognition Company GmbH (PRC)“, schon deutlich KI-geprägt.

Bildverarbeitung und -erkennung

Denn die MEVIS -Forscher verfeinern unter anderem Computerprogramme, durch die die immensen Bilddaten eindimensionaler Röntgenbilder und mehrdimensionaler Aufnahmen von Computertomographen oder Magnet-Resonanztomographen (MRT) zu einem Bild zusammengeführt werden können. Und PCR ist ein Ableger der Lübecker Universität; seit zwölf Jahren beschäftigt sich das Team schon mit Motiverkennung auf digitalen Bildern und hat entsprechend Software-Programme auf den Markt gebracht, die das Auffinden von Fotos in umfangreichen Bildersammlungen rasant schnell macht.

Prof. Martin Leucker leitet das Lübecker Uni-Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen (ISP). Quelle: Tim Jelonnek

Außerdem wird das MFC II zur Heimat des neuen KI-Labors, für das jüngst zwei Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligt worden sind. Antragsteller ist der Direktor des Instituts für Softwaretechnik und Programmiersprachen, Prof. Martin Leucker. Beteiligt sind außerdem die Institute für Technische Informatik, für Signalverarbeitung, für Informationssysteme, für Medizinische Elektrotechnik, für Neuro- und Bioinformatik, für Medizinische Informatik, für IT-Sicherheit und für Robotik und Kognitive Systeme.

KI-Lab auf 100 Quadratmetern

„Auf der Ebene von Forschung, Entwicklung und Qualifizierung wird das KI-Lab mit seinen 100 Quadratmetern die Infrastruktur bereitstellen, wie sie als offene Hightech-Werkstatt insbesondere für Studierende und Firmengründer auf dem Campus teilweise bereits das FabLab Lübeck vorhält“, erläutert Leucker. Ziel sei es, eine noch leistungsfähigere Umgebung für Forschung an und mit KI-Algorithmen sowie mit aufzubauender cloud-Lösung zu bieten.

Rechenleistung und Datenfülle

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal der angedachten Lösung stelle die Bereitstellung einer mobilen Roboterplattform dar, mittels welcher die durch „Machine-learning“ gewonnenen Ergebnisse in komplexen Roboterlösungen erprobt werden können, so der Hinweis des Experten. Mithilfe des maschinellen Lernens werden IT-Systeme in die Lage versetzt, auf Basis vorhandener Datenbestände und Algorithmen Muster und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und Lösungen zu entwickeln. Es wird quasi künstliches Wissen aus Erfahrungen gewonnen. „Man hat jetzt die Rechenleistung und genug Daten – deshalb funktioniert ,Machine-learning’ so gut“, kommentiert Fischer.

Vertiefung im Studium

Aber auch die Lehre wird vom neuen KI-Schwerpunkt profitieren – so haben Informatik-Studierende im Master ab dem konmenden Wintersemester die Möglichkeit, die Vertiefung „Data Science und KI“ zu wählen. Und in einer zweijährigen Pilotphase ist ab 2020 außerdem ein berufsbegleitender „Executive Master“ für KI an der Hochschule geplant. „Sich als Universität auf dem Gebiet der KI zu engagieren, ist sehr zukunftsweisend“, resümiert Vizepräsident Stefan Fischer.

Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz in der Medizin

Zur KI-Strategie der Lübecker Universität gehört auch, sich als Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz in der Medizin zu etablieren. Daher hat sich die Hochschule in einem norddeutscher Forschungsverbund zusammen mit den Universitäten Kiel, Hamburg und Bremen sowie mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in dem Projekt „KI-SIGS“ formiert. Unterstützt wird es von den drei Landesregierungen. Im Innovationswettbewerb „Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wurde bereits die erste Hürde in der Bewerbung genommen. Am Freitag wird der Hauptantrag eingereicht. Es geht um eine Fördersumme von zirka zehn Millionen Euro.

Von Michael Hollinde

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