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Lübeck Völkerkunde: 2023 startet der Umzug
Lokales Lübeck Völkerkunde: 2023 startet der Umzug
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15:43 13.11.2019
Mitten drin: Neben dem Holstentor steht das Gebäude der Bundesbank. Die Völkerkunde-Sammlung Lübecks soll dort einziehen. Quelle: Timon Ruge
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Lübeck

Perspektive für die Völkerkunde: Die Sammlung soll in das Gebäude der Bundesbank am Holstentor wechseln. „Der Umzug ist für 2023 geplant“, erklärt Senatorin Kathrin Weiher (parteilos) im Kulturausschuss. Denn die Stadt will das Gebäude vom Bund kaufen. Die Bürgerschaft muss den Handel noch absegnen. Es wird 2021 frei.

Völkerkunde: Magazin ja, Museum vielleicht

In der Top-Lage neben Lübecks Wahrzeichen soll die Bauverwaltung einziehen mit ihren Büros. Der Clou: In dem Gebäude ist ein mehrstöckiger Tresor vorhanden. Dort sollen das Archiv der Bauverwaltung verwahrt werden – und die Exponate der Völkerkunde-Sammlung. Allerdings: Geplant ist ein Magazin der Sammlung – kein Museum. Weiher: „Da sind wir noch nicht.“ Möglicherweise wird es aber Ausstellungen geben. Ungeduldig ist indes Wolfgang Neskovic (Unabhängige). „Ich bin zuversichtlich, dass der Umzug schon 2022 klappt.“ Und: Er fordert ein Museum. Neskovic: „Nur das Magazin dort unterzubringen, macht für mich keinen Sinn.“

Im Tresor der Bundesbank ist Platz

Der Hintergrund: Das Museum für Völkerkunde wurde 2007 geschlossen. Aus Geldnot. Für die Wiedereröffnung hat der Kulturausschuss Ende November 2018 votiert. Seither werden Räume gesucht. Jetzt ist es soweit. Denn es ist eine komplizierte Rochade der kompletten Stadtverwaltung geplant. In dem Zuge erhält die Sammlung ein neues Zuhause. Sie besteht aus 26 000 Exponaten – und hat den geschätzten Wert einer dreistelligen Millionensumme. Alle Objekte sind digital erfasst. Derzeit werden sie gestapelt auf 200 Quadratmetern im Zeughaus. Fünf Mal so viel Platz gibt es im Tresor der Bundesbank – 1000 Quadratmeter.

Kein Lübecker Wissensspeicher

Einer für alle – das war die Idee des Lübecker Wissensspeichers. In einem Neubau sollten alle Kultureinrichtungen der Stadt ihre Bestände lagern. Dafür wären 8600 Quadratmeter notwendig gewesen. Doch der Wissensspeicher kommt nicht. Der Neubau ist zu teuer mit elf Millionen Euro.

Jetzt ist das Motto:Jeder für sich. Die Völkerkunde soll in das Gebäude der Bundesbank. Damit wird das Zeughaus frei. Dort soll das Stadtarchiv Platz bekommen. Die Stadt hat für die Stadtbibliothek ein Gebäude angemietet auf der Roddenkoppel. Dort kann sie ihre alten Bücher lagern. Und für die Archäologie der Stadt ist jetzt eine Halle in Schlutup gefunden worden. Nun fehlt nur noch ein Platz für die Bestände der Lübecker Museen.

Im Zeughaus gibt es Platzprobleme

„Wir haben massive Platzprobleme“, gibt Leiter Lars Frühsorge zu. Er freut sich über den anvisierten Umzug ins Bundesbank-Gebäude. „Das wird jetzt absolut real.“ Dort könne die Sammlung auch adäquat lagern. Derzeit hat er für die Exponate aus der gesamten Welt nicht einmal genügend Vitrinen. Manches stapelt sich in offenen Regalen, steht auf dem Boden oder liegt auf Tischen.

Der Chef: Lars Frühsorge ist seit einem Jahr Leiter der Völkerkunde. Seit 2012 arbeitet er Mitarbeiter mit der Sammlung und hat sie digitalisiert. Quelle: 54° / John Garve

Schätze aus Zentralafrika

Dabei: Im Zeughaus sind Schätze verwahrt. „Wer über Zentralafrika forschen will, der kommt zuerst nach Lübeck“, sagt Frühsorge. So sind dort Fang-Masken aus Zentralafrika gelagert, die mehr als hundert Jahre alt sind. Bei einer Auktion bringt so ein Exponat 10 bis 20 Millionen Euro. Aber: „Es gibt auch Exponate, deren Wert wir nicht erkennen“, sagt Frühsorge. Denn er ist nicht in Geld zu beziffern. „Für andere Kulturen sind das heilige Gegenstände.“ Wenn Frühsorge deren Nachfahren durch die Räume führt, sind sie häufig tief ergriffen.

Neues Konzept für eine neue Ausstellung

Für die Präsentation der Sammlung gibt es bereits ein Konzept. Eine Arbeitsgruppe aus Politikern hat es erstellt. Die Exponate könnten unter dem Namen „Lübecks Weltkulturen“ ausgestellt werden. Eine solche Ausstellung soll fünf Themen umfassen. Nummer eins: Lübecker entdecken die Welt. Die Reisenden und Sammler würden vorgestellt - mit den Objekten, die sie mitgebracht haben in die Hansestadt. Dazu zählen eine altägyptische Mumie, aber auch Souvenirs. Die bereits im 19. Jahrhundert extra für Europäer produziert wurden. Nummer zwei: Handel und Austausch. Die globalen Handelsnetzwerke Lübecks vor 1908 würden dort thematisiert.

Fremdsein in Lübeck

Nummer drei: Fremdsein in Lübeck. Dieser Ausstellungsteil würde die Kulturen von Migranten in Lübeck aufgreifen wie Juden, Muslime, Sinti, Roma – aber auch Gastarbeiter aus Süd- und Osteuropa. Thema Nummer vier: Kolonialismus. Die Rolle Lübecks in der deutschen Kolonialzeit soll herausgearbeitet werden. Die weltweit einmalige Sammlung der Lübecker Pangwe-Expedition würde in dem Zusammenhang gezeigt werden. Nummer fünf: Zusammenleben und globale Zusammenarbeit. Unter diesen Stichwörtern soll der Bogen in die Jetztzeit geschlagen werden. Das multikulturelle Leben in Lübeck soll dort vorgestellt werden.

Von Josephine von Zastrow

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