Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Lübecks größtes Neubauvorhaben
Lokales Lübeck Lübecks größtes Neubauvorhaben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:28 23.03.2018
Die siegreichen Lübecker Architekten Georg Feyerabend (v. l.) und Rainer Sippel von kfs Architekten sowie Landschaftsarchitekt Sven Andresen vor ihrem Entwurf des neuen Stadtquartiers.
Die siegreichen Lübecker Architekten Georg Feyerabend (v. l.) und Rainer Sippel von kfs Architekten sowie Landschaftsarchitekt Sven Andresen vor ihrem Entwurf des neuen Stadtquartiers. Quelle: Lutz Roessler
St. Jürgen

Noch steht hier ein buntes Gemisch an Gewerbebetrieben. Doch die kommen alle weg. Die Entwicklungsgesellschaft Geniner Ufer, in der sich die Baugesellschaft Friedrich Schütt und die Jacob Sönnichsen AG zusammengefunden haben, baut zwischen Kanaltrave, Possehlstraße, Welsbachstraße und der Straße Bei der Gasanstalt Lübecks größtes neues Wohnquartier. Seit gestern steht fest, wie das Quartier künftig aussehen soll. Die Lübecker Architekten Rainer Sippel und Georg Feyerabend vom Büro kfs, das schon die neuen Wohnungen am Falkendamm errichtet, sowie der Lübecker Landschaftsarchitekt Sven Andresen setzten sich in einem Wettbewerb gegen sieben Konkurrenten aus München, Kiel und Hamburg durch.

200 Millionen Euro investiert die Entwicklungsgesellschaft Geniner Ufer in das größte Lübecker Neubauvorhaben. Am Geniner Ufer entstehen auf sechs Hektar 750 Wohnungen, davon ein Drittel Sozialwohnungen, eine Grundschule und eine Kita. Frühestens 2020 rücken die Bagger an.

„Lübeck macht einen großen Schritt“, sagte Karsten Schröder, Chef der Stadtplanung. Denn die Stadt braucht dringend neuen Wohnraum und sie braucht auch bezahlbare Wohnungen. Mit einer Mischung aus Eigenheimen, Sozialwohnungen und frei finanzierten Mietwohnungen will die Entwicklungsgesellschaft für ganz verschiedene Einkommensgruppen eine neue Heimat schaffen. Die Stadt leistet ihren Beitrag, indem sie eine neue Grundschule für rund 300 Kinder und eine neue Kita mit 80 bis 90 Plätzen errichtet. Diese beiden Einrichtungen werden im oberen Bereich des neuen Stadtquartiers angesiedelt.

Die siegreichen Architekten haben sich über die bisherige Überlegung, maximal drei bis vier Geschosse plus Staffelgeschoss zu errichten, mit drei höheren Gebäuden hinweggesetzt. Ein Gebäude ist sogar sieben Geschosse hoch. „Das passt durchaus in das Gebiet“, erklärte Stadtplaner Karsten Schröder bei der Preisvergabe. Außerdem nehmen sie durch eine raffinierte Anordnung von Sackgassen den Verkehr aus dem Quartier. Während konkurrierende Büros eine Mittelachse entwarfen und damit das Viertel zerschnitten, haben die Lübecker Architekten darauf verzichtet. „Für alle Bewohner wird es Plätze in Tiefgaragen geben“, sagte Sven Andresen, „für Besucher wird es Stellplätze in den Straßen geben.“ Aber wer hineinfährt, muss stets umdrehen und wieder herausfahren.

Für die Bewohner wird es zudem einen kleinen Nahversorger und eine Paketstation geben. Für die Jüngsten werden zahlreiche Spielplätze angelegt. Die rund 230 Sozialwohnungen werden vermutlich entlang der Welsbachstraße gebaut. Aber, darauf legen die Architekten Wert, auch diese Bewohner hätten einen unverstellten Blick auf die Kanaltrave. Andresen: „Das ist eine 1a-Lage für alle Bewohner.“

Marc Dreyer und Boy Meesenburg von der Entwicklungsgesellschaft Geniner Ufer hoffen, dass sie Ende nächsten Jahres oder Anfang 2020 Baurecht haben: „Dann können wir starten.“ Während die Sozialwohnungen der staatlichen Preisbindung unterliegen, können Dreyer und Meesenburg noch keine Mietpreise für die frei finanzierten Heime nennen.

Die Jury, die den Architektenwettbewerb entschied, hat sich einstimmig für die Lübecker Büros entschieden. Die vier Entwürfe, die Preisgelder zwischen 7500 und 31500 Euro erhielten, sind heute von 10 bis 16 Uhr für alle Bürger einsehbar. Die Ausstellung steht im Hanseatischen Hof in der Wisbystraße 7-9.

 Von Kai Dordowsky